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12.12.1997 - 

Die Zukunft der Rechenzentren/Künftig weltumrundendes "Sun-Rise-Data-Center-Management"

Rechenzentrum 2000: Es wächst zusammen, was zusammengehört

Der Trend zur Plattformenvielfalt hat in den Unternehmen nicht nur Probleme gelöst, sondern auch neue geschaffen. Inkompatibilitäten einer über Jahre ungeplant und wild gewachsenen IT-Infrastruktur sind die Hauptursache für Störungen im Rechnerbetrieb. Mit mindestens zwei Ausfällen von je drei Stunden müssen deutsche Anwender im Schnitt pro Monat rechnen, weil die verschiedenen Hard- und Softwaresysteme nicht reibungslos zusammenspielen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Meta Group nach einer Befragung von 126 DV-Leitern und 131 Business-Entscheidern in Deutschland.

Beunruhigende Tatsachen über den Betriebsalltag in Rechenzentren förderte auch eine Untersuchung von Merit zutage, eine von Computer Associates ins Leben gerufene Marketing-Initiative von Anwendern und Geschäftspartnern zur Optimierung von System-Management-Lösungen. Für die vor kurzem veröffentlichte Studie, in Zusammenarbeit mit Arthur Andersen und IDC durchgeführt, wurden rund 1850 Unternehmen über die Zuverlässigkeit ihrer DV-Systeme befragt. Während 70 Prozent der Mainframe-Anwender Verfügbarkeitswerte von über 99,5 Prozent angaben, waren es auf der Client-Server-Seite nur 55 Prozent. Rund 40 Prozent gaben Ausfallkosten in Höhe von mehr als 50000 Dollar pro Stunde an.

Die Vielfalt der DV-Ressourcen eines Unternehmens stellt zweifelsohne höhere Anforderungen an deren Verwaltung. Zum klassischen Großrechner mit Terminals sind in den 80er und 90er Jahren PCs, Workstations und LANs, neuerdings auch Web- und Java-Applikationen hinzugekommen. Entgegen mancher Prognose hat keines dieser Systeme zur Ablösung herkömmlicher Architekturen geführt. So sind die Aufgaben der Rechenzentren kontinuierlich gewachsen, ohne daß die Personalressourcen Schritt gehalten hätten. Neben der Automatisierung des DV-Managements mit Verwaltungs- und Steuerungswerkzeugen setzen immer mehr Unternehmen auf organisatorische Lösungen.

"Über den leidenschaftlichen Diskussionen darüber, welches die beste Hardware, die beste Datenbank und die beste Anwendungslösung ist, haben viele Rechenzentren die Weiterentwicklung der eigenen Organisation vernachlässigt", schätzt Herbert Grundel, Leiter Produktion Computing Services beim Debis Systemhaus. Um die bewährten Standards in puncto Performance, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit aus der Mainframe-Welt auf heterogene Umgebungen zu übertragen, muß der IT-Betrieb nach Überzeugung des Stuttgarter IT-Dienstleisters gründlich reorganisiert werden und den Trends in der Industrie folgen:

-Prozeßorientierung: Durch die Fokussierung auf den Geschäftsprozeß entstehen optimal angepaßte IT-Lösungen. Standards und neue Technologien wie Componentware werden dazu führen, daß für ein und dieselbe Applikation verschiedene Systeme eingesetzt werden. Für das Rechenzentrum bedeutet dies zwangsläufig, daß die Heterogenität weiter steigen und das Management plattformübergreifend auf die wichtigsten Geschäftsprozesse ausgerichtet sein muß.

-Globalisierung: Viele Unternehmen verfolgen eine ausgeprägte Internationalisierungsstrategie. Dies bedeutet, daß die für die Geschäftsprozesse relevanten Applikationen standortübergreifend zusammenwirken und daher sowohl ganzheitlich als auch ganzzeitlich, also 24 Stunden an sieben Tagen die Woche, betrieben werden müssen. Die weltweite Verteilung von Anwendungen und IT-Infrastrukturen wird zu einer vordringlichen Aufgabe der Rechenzentrumsorganisation.

Ausgehend von diesen Grunderkenntnissen, hat Debis eine Neukonzeption für das zukünftige Rechenzentrum entworfen. Die Daimler-Benz-Tochter hat reichhaltige Erfahrungen: 1990 wurde aus dem Konzern der gesamte DV-Betrieb in die sogenannte Run-Division von Debis ausgelagert. Rund 2500 Mitarbeiter, bislang hauptsächlich nach Systemplattformen organisiert, betreuen europaweit rund um die Uhr MVS-Systeme mit einer Gesamtleistung von über 12000 Mips sowie rund 1500 Unix- und Windows-NT-Server. Ein dritter Servicebereich betrifft die Steuerung der Druckersysteme mit einem Marktanteil von 13,7 Prozent. Laut den Marktforschern von Pierre Audoin Conseil ist Debis derzeit das größte Outsourcing-Unternehmen in Deutschland.

Neben dem Mutterkonzern nutzen unter anderem das Saarland, Henkel und die italienische Bankengruppe Banco Ambrosiano Veneto das Servicerechenzentrum. Geringere Kosten, eine höhere Qualität und Änderungen in kürzerer Zeit sind nach Einschätzung von Grundel die Hauptmotive für Unternehmen, die Datenverarbeitung auszulagern. So geht Ambrosiano Veneto, die ihre gesamten DV-Ressourcen in einem Zehnjahresvertrag für über eine Milliarde Mark an Debis übergab, von Einsparungen von über 350 Millionen Mark aus. Der Deal umfaßt Rechenleistung von 2000 MIPS, den Betrieb von 10000 Arbeitsplatzrechnern, 700 Geldautomaten und 17000 Bankschaltern.

Um eine solche über 650 Niederlassungen verteilte DV-Struktur effizient zu managen, bedarf es nicht nur zahlreicher qualifizierter Spezialisten. Mehr und mehr kommt es auf einen wirtschaftlichen Gesamtbetrieb an. Mit der Integrated Information Systems Management Architecture will Debis solche Herausforderungen meistern. Dabei handelt es sich um eine abstrakte Spezifikation für ein künftiges Rechenzentrum mit folgenden Inhalten: Festlegung einer einheitlichen Terminologie, Definition der wichtigsten Prozesse und Objekte sowie eines System-Management-Tool-Framework, Beschreibung der funktionalen Gruppen sowie die Job- und Skill-Profile der Mitarbeiter.

"Wenn wir flexibel auf die Kundenanforderungen reagieren oder eine effiziente Störungsprävention einrichten wollen, müssen wir unsere eigenen Kernprozesse kennen und beherrschen", beschreibt Michael Heib, Leiter des Bereichs Systemtechnik, die Hauptaufgabe. Ähnlich wie die Teilefertigung in einem Industrieunternehmen betrachten die Debis-Manager nun den DV-Betrieb als Geschäftsprozeß, also "als eine vordefinierte Abfolge von Aktivitäten mit dem Ziel, auf Basis definierter Eingaben und standardisierter Regelkreise ein geplantes Ergebnis zu erreichen". Das Projekt "Rechenzentrum der Zukunft" soll jene Prozesse sicherstellen, die für die Verfügbarkeit und Performance bedeutsam sind: Ressourcenplanung, Security Management, Problem-Management, Change-Management und Operationsmanagement.

Quer über alle Plattformen analysieren

Die eigenen Prozesse wie die der Kunden betrachten, lautet die Devise. Alle Abläufe im Rechenzentrum werden detailliert beschrieben und mittels dem auch im Beratungsbereich eingesetzten Engineering-Werkzeug Aris-Toolset dokumentiert.

Großer Vorteil der prozeßorientierten Betrachtungsweise: Ein Geschäftsprozeß kann quer über alle Plattformen analysiert und überwacht werden. Mehr noch erwartet Debis-Manager Heib: "Der Blick wendet sich von Plattformen weg mehr den Prozessen zu. Damit wird es einen Rückschwung zur zentral organisierten Informationsverarbeitung geben." Vor allem die unternehmenskritischen Geschäftsprozesse werden künftig von einer Stelle aus ganzheitlich gesteuert. Die historisch häufig in zwei Welten getrennten DV-Ressourcen wachsen wieder zusammen.

Zu einer prozeßorientierten Organisation des Rechenzentrums kann sich das Systemhaus allerdings nicht durchringen. Ähnlich wie bei der plattformorientierten Organisation würden Skills mehrfach benötigt werden. Um Redundanzen zu vermeiden, hat sich Debis für eine objektorientierte Organisation entschieden - gegliedert nach Bereichen wie Systems Support, Network Support, Data Management Support. Am wichtigsten für die Erhöhung der Verfügbarkeit ist die Zusammenführung der Erfahrungen aus dem Mainframe-Bereich mit dem Pragmatismus der Client-Server-Welt. Schließlich steht bei unternehmenskritischen Anwendungen die zu 100 Prozent verfügbare DV an oberster Stelle.

Ziel der Debis-Initiative ist letztendlich ein optimierter Tool-Einsatz. Während heute für jede Plattform andere Werkzeuge genutzt werden, will man in Zukunft auf integrierte Tools umstellen, mit denen sich DV-Ressourcen über ein benutzerfreundliches Help-Desk weitestgehend systemunabhängig managen lassen. Zu den Schlüsselkriterien gehören: Modularität, Skalierbarkeit, Mandantenfähigkeit, Objektorientierung und natürlich das Angebot standardisierter Schnittstellen. In dem Framework des IT-Dienstleisters sind die Tools für Event-, Change- und Problem-Management verbindlich für den gesamten DV-Betrieb fixiert. Freiheitsgrade hat der Outsourcing-Kunde bei der Auswahl der Werkzeuge für Backup und Softwaredistribution.

DV-Management aus Sicht der Betriebsabläufe

Die Tool-Anbieter haben ihre Produkte in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Doch nur wenige Konzeptionen sind plattformübergreifend. Ein wichtiger Anbieter auf dem Gebiet integrierter, herstellerunabhängiger System-Management-Lösungen ist CA Computer Associates mit Unicenter. Single Point of Control ist die zentrale Idee des Ansatzes. Sämtliche DV-Ressourcen - Anwendungen, Datenbanken, Netzwerke, Betriebssysteme und Rechner - werden von einer zentralen Stelle aus verwaltet. Für die allumfassende Steuerung der IT-Infrastruktur bietet Unicenter eine Fülle von Funktionen auf einer objektorientierten Architektur und einer skalierbaren Agenttechnologie, die übergreifend in heterogenen Netzwerken einsetzbar sind. Auch die System-Management-Lösung "Tivoli" von IBM unterstützt mehrere Plattformen und ist auf Integration ausgerichtet.

Die von CA vorgestellte Erweiterung des Ansatzes - unter dem Marketing-Namen "The Next Generation" angekündigt - geht einen Schritt weiter: Möglich werden soll ein unternehmensweites DV-Management aus der Sicht der Betriebsabläufe. Systemadministratoren werden hierbei über Fragen intuitiv geführt und können über eine realitätsgetreue Oberfläche das gesamte Unternehmensnetz kontrollieren. Anschaulich sind die Systemabläufe von den Städtekarten bis zu Rechnern und deren einzelnen Komponenten in 3D visualisiert.

"Der Trend geht auch im Tool-Bereich zu Integration, Benutzerfreundlichkeit und Prozeßorientierung", resümiert Herbert Grundel. So werde es künftig möglich sein, ein sogenanntes Sun-Rise-Data-Center-Management zu etablieren, das die Zeitzonen ausnutzt und die Arbeit flexibel über den Globus verteilt. Neue Impulse für den RZ-Betrieb der Zukunft erwartet er durch Internet-Remote-Services, die dank der standardisierten Kommunikation nicht nur den Zugriff auf Systeme erleichtern. Darüber hinaus denkt man beim Stuttgarter Dienstleister über neue Organisationsmodelle mit Telearbeit nach, mit denen Spezialwissen weltweit verfügbar wird.

Angeklickt

Ähnlich wie die Teilefertigung in einem Industriebetrieb betrachten die Debis-Manager auch ihren DV-Betrieb als Geschäftsprozeß, also eine vordefinierte Abfolge von zusammengehörigen Aktivitäten mit dem Ziel, auf Basis definierter Eingaben und standardisierter Regelkreise ein geplantes Ergebnis zu erreichen. Das Debis-Projekt "Rechenzentrum der Zukunft" soll diese Vision in Realität verwandeln.

*Heidrun Haug ist freie Journalistin in Tübingen..