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14.08.1992 - 

Robotersystem hält die Personalkosten niedrig

Rechenzentrum der Stadt Köln automatisiert die Archivierung

Sicher nicht mehr zu verkraften war im Rechenzentrum der Stadt Köln die anfallende Datenflut. Deswegen wurde im Dezember 1991 ein automatisches Datenträger-Archiv auf Basis von Magnetbandkassetten eingeführt. Jürgen Thomas* beschreibt die Arbeitsweise des Systems und nennt die Pluspunkte, etwa, daß sich damit für die Mitarbeiter eine dritte Sehicht vermeiden läßt. Die Folge: Es werden Personalkosten gespart.

Das Rechenzentrum der Stadt Köln dient als zentrale DV für alle Amter und Dienststellen der Stadtverwaltung. Es übernimmt auch die zentrale Datenspeicherung einschließlich der Datensicherung. Bisher wurden diese Datensicherungs-Arbeiten in den letzten Stunden der zweiten Schicht erledigt, also zwischen 20 und 22 Uhr. Durch die erweiterte Dialogzeit für die Kölner Ämter, insbesondere im Bereich Einwohner- und Kraftfahrzeugwesen, hätte man aber in absehbarer Zeit für die Nachtzeit und am Wochenende eine dritte Schicht einführen müssen.

Auf den Magnetplatten-Speichern der beiden BS2000-Mainframes, Modell H90, liegt inzwischen ein Datenvolumen von ungefähr 100 GB. Diese Datenmenge füllt umgerechnet 50 Millionen vollbeschriebene DIN-A4-Seiten. In Aktenordnern untergebracht, ergibt dies eine Strecke vom Kölner Rathaus bis zum Müngersdorfer Stadion und zurück, also rund 13 Kilometer.

Für die Datensicherung sind bisher 14 000 Magnetbandspulen-Bänder beschrieben worden. Die Steigerungsrate für das Datenvolumen liegt aber bei rund 20 Prozent jährlich. Das bedeutet, daß auch der Bestand an Magnetbändern kontinuierlich zunimmt und sich bis zur Mitte der neunziger Jahre auf etwa 30 000 Magnetbänder verdoppeln würde. Bei einem derart schnell wachsenden Datenbestand ist die manuelle Archivverwaltung, wie sie bei Magnetbändern erforderlich ist, wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll - zumal es in jüngster Zeit technische Möglichkeiten gibt, es besser zu machen.

Das Rechenzentrum entschloß sich daher, eine schrittweise Umstellung der Datenspeicherung von Magnetbändern auf die leistungsfähigeren und preiswerteren Magnetband-Kassetten vorzunehmen. Ziel war, die Hardware im Rechenzentrum auszutauschen, und das Magnetband-Kassettensystem "SNI 3590-E" mit Steuerung und zwei Kassetten-Doppellaufwerken einzusetzen, das Roboter-gesteuert rund um die Uhr arbeitet.

Die Magnetbänder wurden durch viel kleinere Magnetband-Kassetten abgelöst, deren Speicherkapazität siebenmal höher ist. Statt 160 Millionen Zeichen auf einem Magnetband lassen sich auf diesen Kassetten bis zu 1,2 Milliarden Zeichen speichern - das geht nicht nur schneller, sondern ist auch noch platzsparender und billiger. Hinzu kommt, daß sich die auf die neuen Datenträger ausgelagerten Daten leichter hantieren lassen, denn beim Transport müssen nicht mehr so viele schwere Magnetband-Koffer ins Auslagerungsarchiv geschleppt werden. Der größte Erfolg der neuen Archivierungslösung

liegt aber im automatischen Betrieb. Das komplette System besteht aus einem Fahrroboter von Grau-Automation sowie aus dem Auftragsverwaltungs- und Abwicklungssystem "Avas", der Magnetdatenträger-Archivkomponente "Maren", dem Roboterarchiv "Robar" und dem automatischen Bandkassetten-Bedienungsarchiv "Abba".

Die Funktionsweise ist einfach: Der Roboter sucht computergestützt die gewünschte Kassette aus den Kassettenregalen der Archiv-Drehtürme und legt sie in den Eingabeschacht eines Magnetband-Kassettenlaufwerks. Dieses Laufwerk ist mit den zwei Zentralrechnern im Rechenzentrum verbunden. Auf den Mainframes werden die gewünschten Informationen dann gelesen -und verarbeitet beziehungsweise dem Benutzer vor Ort zur Verfügung gestellt.

Genauso wird auch das Wegschreiben oder Sichern von Daten realisiert, die im Rechenzentrum auf Plattenspeichern im sogenannten direkten Zugriff stehen. Unterstützt von der Archivsoftware schreiben sich die Datenbestände praktisch von Geisterhand auf leere Kassetten die der Roboter anschließend automatisch archiviert.

Untersuchungen und Berechnungen sprechen für den automatisierten Betrieb, wie er im Rechenzentrum der Stadt Köln verwirklicht wurde. Der fahrbare Archivroboter ist auch dann noch aktiv, wenn die letzten Mitarbeiter bereits in den wohlverdienten Feierabend gegangen sind. Die Vorteile liegen aber nicht nur darin, daß die Speicherlösung kostengünstiger ist als zusätzliche Personalschichten. Es wird zudem eine höhere Datensicherheit - auch durch einen zugangskontrollierten Raum - erreicht.

*Jürgen Thomas leitet das Rechenzentrum der Stadt Köln.