Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.03.1991 - 

Wissensvorsprung und Teamarbeit sind künftig die Erfolgsfaktoren

Rechenzentrums-Automation gibt's nicht zum Null-Tarif

MÜNCHEN (CW) - Integrierte Automation im Rechenzentrum kann die Produktivitätskurve nach oben schnellen lassen. Der Qualifikation von Mitarbeitern kommt dabei enorme Bedeutung zu, denn Fehler beim "Systems Management" im RZ haben künftig verheerende Auswirkungen.

Der wirtschaftliche Wachstumstrend der vergangenen fünf Jahre ist auch am RZ nicht spurlos vorübergegangen. Wachstumsraten im CPU-Bereich, bei der Platten-Kapazität und der Terminalausstattung weisen zusammen mit komplexeren Strukturen konstante Steigerungen auf. Zur Unterstützung ihrer Entscheidungsprozesse verlangen Anwender mehr Output: Sie bauen zunehmend auf hohe und zugleich sichere Verfügbarkeit.

Erhöhte Produktivität im RZ wird dabei landläufig mit automatisierter Abwicklung in Verbindung gebracht je automatisierter desto besser. In ihrer "Werbestrategie" mißbrauchen Anbieter von Automationstools denn auch immer wieder die RZ-Automation als Verkaufsargument.

"Die vorhandene RZ-Realität ist Nebensache, Gewinne und Erwartungen werden überzeichnet und die Risiken der Automation schlicht vernachlässigt," kritisiert Werner Hain, Abteilungsdirektor DV, bei der Bausparkasse Wüstenrot in Ludwigsburg. Er plädiert für ein integratives Verständnis des Gesamtkomplexes.

Dazu seien technisch orientierte Ansätze um Aspekte aus dem organisatorischen und personellen Umfeld vielfach erst noch zu ergänzen. Wissensvorsprung und Zusammenarbeit im Team sind künftig die Erfolgsfaktoren für den RZ-Betrieb.

Die Planung und Organisation der mehrdimensionalen Zusammenhänge stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeiter im RZ. Der ehemalige Bediener mausert sich zum Organisator. Besonders ältere Mitarbeiter bei herkömmlichen ablauforganisatorischen Rahmenbedingungen sicher im Tritt - leisten nicht selten gegen die gefürchtete Wachablösung durch Tools Widerstand.

"Größtenteils wird noch unterschätzt, daß die Automation die Wertigkeit des Mitarbeiters steigert, merkt DV-Abteilungsdirektor Hain an. Wenn alle einfachen Routineaufgaben automatisiert seien, blieben zwar nicht mehr so viele, aber dafür komplexere Entscheidungssituationen zurück.

Alberto Conconi, zuständig für Netzwerk Management Support bei der Basler Ciba Geigy AG, hat diese Phase bereits hinter sich gebracht.

Die anfänglich bestehende Opposition gegen das Automations-System im Ressourcen-Management habe sich nun endgültig gelegt.

"Viele Wollten den Synergieeffekt, den wir durch die Integration der verschiedenen Managementdienste erzielten, anfangs nicht wahrhaben." Mit dem Automatisierungs-Werkzeug sei größere Transparenz im Ablauf sowie eindeutige Zuordnung der Aktivitäten und der Verantwortungen zu erreichen, zählt DV-Experte Coconi auf

Weiterhin habe sich die Verständigung untereinander verbessert und vereinfacht: "Alle reden vom Gleichen in Form und Inhalt." Aufträge gingen nicht mehr verloren, Zeit könne gewonnen werden, schließlich lägen weniger Papierstapel herum.

Verfügbarkeit von 100 Prozent

In der Finanzbranche erfordern besonders die kundenbedienten Datenstationen narrensichere Systeme. Helmut Göbel, Prokurist der hessischen Sparkassenorganisation Helaba in Frankfurt: "Eine Endbenutzerverfügbarkeit größer als 99,5 Prozent wurde daher zum Unternehmensziel erklärt."

Darüber hinaus bestand die Forderung der Sparkassen, mit der Installation von Instituts-Rechnern auch die Betreuungskompetenz zentral im DV-Betrieb anzusiedeln. Zudem sollte ein Test- und Entwicklungsrechner in Betrieb genommen werden. Mit der steigenden Flut von Systemmeldungen wäre die Aufnahmefähigkeit der Systemoperatoren überfordert worden. DV-Leiter Göbel trat die Flucht nach vorn an: "Weiteres Personal wurde nicht genehmigt, also mußten wir unser Heil in der Automation suchen."

Ein Automationsfeld ist die Systemsteuerung mit den - häufig überflüssigen - Systemmeldungen. Vordefinierte Commandprozeduren, die ereignisgesteuert sowie zeitabhängig wirksam werden, sollen Routinearbeiten in möglichst allen Bereichen des Operatings ersetzen. Damit wollte die Helaba knappe Personalressourcen auf die relevanten Steuerungssachverhalte konzentrieren und von Routinearbeiten entlasten.

Das Sub-System-Interface ist das Herzstück für den Automationsprozeß, an dessen kommunikativer Schnittstelle, der Alert-Konsole, nur noch für den Systemoperator notwendige Informationen angezeigt werden.

Dieser Nachrichtenfilter funktioniert. Flimmerten vor der Automation innerhalb eines 24-Stunden-Tages rund 790 000 Systemmeldungen über die Konsole, ist nach Abschluß des Automationsprozesses nur noch ein Extrakt von etwa fünf Prozent als steuerungsrelevante Information zu finden. Mit einem Automationsgrad von 97,64 Prozent liegt das Ergebnis noch über Göbels Erwartungen.

Mitarbeiterzahl kontra MIPS

Ein Blick auf die Personalentwicklung bei der Helaba in Relation zum MIPS- sowie Space- und Terminalwachstum zeigt, daß in 1985 pro MIPS noch 2,6 Mitarbeiter im Rechenzentrum tätig waren. In 1990 hat sich diese Relation auf 0936 Mitarbeiter pro MIPS drastisch reduziert. Gleiche Trends gelten für die Entwicklung Mitarbeiter und Space- sowie Mitarbeiter und Terminal-Relation. Bei einer Fünf-Jahres-Betrachtung verringerte sich diese Mitarbeiter zur MIPS-Relation um den Faktor sieben und bei der Mitarbeiter zur GigaByte-Relation um den Faktor vier.

Die technologische und operationelle Komplexität des automatisierten System- und Netzwerkbetriebs wächst, hingegen steigern sich die Erfahrungen des RZ-Personals in deutlich bescheideneren Raten. Wüstenrot-DV-Chef Hain sieht daher die dringliche Aufgabe, in der Zukunft das Qualifikationsniveau der Mitarbeiter anzuheben. Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sind neu zu akzentuieren, die Ausbildungsinhalte zu überdenken und der Einsatz alternativer Schulungsformen ist zu wagen.

Grund genug scheint vorhanden. In einem Rechenzentrum mittlerer Größe laufen derzeit für die Automation und zur Systemoptimierung im Schnitt bereits mehr als 30 verschiedene Produkte. Teilweise sind die Tools noch nicht perfekt und eine Reihe von Aktivitäten werden nicht unterstützt.

Soweit wesentliche Funktionen vorhanden sind, mangelt es häufig an der funktionalen Integration zwischen den einzelnen Tools selbst oder zwischen Tools und Equipment.

Im umgekehrten Fall kann wiederum zwischen unterschiedlichen Tools eine erhebliche funktionale Redundanz bestehen. Der "Skill" angelernter Arbeitskräfte reicht dann für eine gesicherte Daten-Verfügbarkeit kaum aus. In diesem Tool-Puzzle haben System-Ingenieure Konjunktur. Der qualifizierte Operator hat hier Zukunft.

Das Berufsbild des Operators galt bisher als das einer ungelernten Arbeitskraft, im besten Fall aber als halbgebildeter Anlernjob. Insgesamt bestimmten Aufgaben, deren Merkmal Routine und Wiederholungstätigkeit war, die Sicht des Berufsbildes. Sie führten zu einem Image, das nur Training-on-the-job und eingeschränkte Karrierepfade ermöglichte.

Hain plädiert dafür, mit einem Bündel an Einzelmaßnahmen, abgestimmt auf die jeweiligen Unternehmensgegebenheiten, zu versuchen, dieses Erscheinungsbild nachhaltig zu wandeln: Arbeitsbedingungen verbessern, Schichtarbeitszeiten reduzieren, Karrierepfade darstellen oder auch die Bewertungs- und Vergütungssysteme überprüfen.

Nicht wenige RZ-Verantwortlichen scheint diese interdisziplinäre Sichtweise noch unnötig. Sie sehen Führungsaufgaben bislang ausschließlich unter dem Aspekt technischer Lösbarkeit von Aufgaben. Rechenzentrums-Management schrumpft dann meist nur auf Disziplinierungsaufgaben wie etwa Netzwerkmanagement zusammen.

Zwischenzeitlich beginnt der naive Fortschrittsglaube mit seiner blinden Reduzierung von Tätigkeiten indes allmählich einer Neubestimmung der inhaltlichen Auf gaben von "Operations" zu weichen.

Das Rechenzentrum als "Systems Management" charakterisiert künftig nicht mehr nur eine Organisationsform, sondern ein Bündel von Geschäftsprozessen. Seine veränderte Rolle rührt dabei vom Wandel der DV-Produktionsfabrik zum Serviceleister her. Auch seine Verfügbarkeit als Wettbewerbsfaktor für das Unternehmen zeichnet es künftig aus.

Optimierung bei "Human resources"

Aufsichtsfördernde und steuernde Aufgaben im Bereich der Daten-Produktion lösen zunehmend operative Tätigkeiten ab, sind sich die drei RZ-Leiter sicher. Einerseits erhalten so auch kreative und kommunikative Aufgabenstellungen, Verantwortungsbereitschaft und Entscheidungsfähigkeit immer größere Bedeutung, andererseits haben aber auch Fehler verhängnisvolle Auswirkungen.

Hier zeigt sich besonders: Automation im RZ bedeutet eine immer größere Abhängigkeit von der Qualifikation und dem Engagement der Mitarbeiter.

Nicht nur die Automatisierungs-Werkzeuge bei der Ciba-Geigy-Installation, der Helaba oder bei Wüstenrot verbrauchen kräftig Technik-Ressourcen und sind daher noch weiter aufzupolieren. Vor allem scheint bei den "Human resources" eine dauerhafte Optimierung angesagt. Helaba-DV-Chef Göbel resümiert stellvertetend für seine Kollegen: "Automation gibt's eben nicht zum Nulltarif."