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26.09.1997 - 

Internet für kleine und mittlere Unternehmen/Pull oder Push - für Profis keine Frage

Recherche im Internet: Wer suchet, der findet mitunter

"Gesammeltes Wissen und Zukunftsfähigkeit gehören zusammen und bedingen sich gegenseitig", konstatierte Michael Roß- nagl, Leiter des Siemens Kulturprogramms, anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Deep Storage" am 2. August 1997 im Münchner Haus der Kunst. Es geht um Sammeln, Speichern, Archivieren. Während der Ausstellung kann der Betrachter die Objekte, die im Katalog alphabetisch gesammelt sind abrufen. Die Auflage limitiert die Zahl der Anwender. Via Internet angebotene Daten stehen unbegrenzt zur Verfügung. Gespeichert wird tagtäglich auf abermillionen Festplatten. Archivierungsprogramme sorgen dabei für Ordnung im System. Ob ein Zugriff überhaupt erfolgt, hängt wesentlich von der Qualität der Daten ab, genauso aber von den Sammlern und Archivaren, die sie pflegen.

Auf spezielle Suchdienste wie Suchen.de für E-Mail-Adressen oder Phoaks für das Usenet soll hier nicht eingegangen werden. Gleiches gilt für Genios oder GBI, Wirtschaftsdatenbanken, die auf gebührenpflichtige Seiten führen, oder für "Multimedica", den von Siemens-Nixdorf betreuten geschlossenen Dienst für Ärzte. Es versteht sich von selbst, daß die Erwartungen des Nutzers in puncto Schnelligkeit und vor allem Inhalt sehr hoch sind. Interessant in diesem Zusammenhang: Die meisten Universitäten in den USA verlangen für Informationen inzwischen Gebühren.

Suchmaschinen wie Aladin, Crawler, Eule oder Hotlist durchstöbern das Web per Roboter. Das bringt viele, jedoch zumeist ungeordnete Verweise. Eine Zwischenstellung nehmen die nach "Relevanz" geordneten Verweise ein, wie zum Beispiel Lycos. Unter dem Stichwort "Nebenstellenanlage" erhält hier übrigens ein Artikel aus der CW vom 6.7.1984 die Wertung "100 Prozent". Und auch innerhalb der nächsten neun Verweise dürfen sich die Autoren der CW geschmeichelt fühlen, wird doch siebenmal auf Artikel aus den Jahren 1977 bis 1988 verwiesen.

Nicht ganz nachvollziehbar ist auch die unterschiedliche Auswahl zweier Suchdienste, die angeblich von derselben Basis aus operieren: Lycos und Netguide. Das Ergebnis am 4.8.97: 532 versus 583 Verweise (siehe Tabelle).

Angaben wie bei Kolibri ("Wir bauen um") vertreiben den potentiellen Nutzer auf Nimmerwiedersehen, und das um so mehr, wenn auch noch der Termin der Fertigstellung der Baustelle fehlt.

Der Inhalt von redaktionell bearbeiteten Datenbanken ist abhängig von den Wertvorstellungen der Betreiber: Mit Dino, Finden, Sharelook, Suchmaschine und Zeig.de ließen sich überhaupt keine Treffer erzielen, Alta Vista startet dagegen in der sehr zu empfehlenden "erweiterten Suche" mit einer Liste, die jeder, der Nebenstellenprobleme hat, aufrufen sollte.

Die Suchdienstanbieter verweisen bei nicht gelisteten Sites darauf, daß nicht der Suchdienst, sondern der Server - also derjenige, der seine Inhalte in das Netz stellt - dafür sorgen muß, daß das Angebot auch auftaucht. Zahlreiche Agenturen übernehmen diesen Service ab 50 Mark pro Monat. Wie überall im Netz gilt auch hier bei Neueinsteigern die Devise: Frag´ den, dessen Angebot in jedem Suchdienst auftaucht, welchen Dienstleister er nutzt.

Sogenannte Metacrawler, die gleichzeitig in mehreren Diensten suchen, arbeiten nach unterschiedlichen Mustern: Während zum Beispiel bei Metasearch http://metasearch.com das Stichwort nur einmal einzugeben ist, verlangt Zeig.de http://www.zeig.de/suche.html für jede der aufgeführten Suchmaschinen eine neue Eingabe, was nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet.

Schon erobert eine neue Technologie den Markt: Nicht mehr der Anwender "zieht" sich die Information herunter, der Anbieter "stößt" sie ihm auf den Bildschirm. Push statt Pull könnte also in Zukunft der heiße Draht zu täglichen Neuigkeiten sein.

Sowohl Netscape als auch Microsoft bieten in den vierer Versionen ihrer Browser die Push-Technik. Sie erlaubt es dem Anwender, sich seine Interessenliste zusammenzustellen, so daß er mit jedem Klick ins Internet automatisch die neuesten Informationen über Autos oder Tennis, über Börsenkurse oder das Wetter erhält. Bei Microsoft leisten bisher fünf "Kanalarbeiter" Zulieferdienste. Netscape integriert Castanet von Marimba. Hier handelt es sich um ein auf Java basierendes Verfahren, mit dem zum Beispiel Java-Applets und Software-Upgrades automatisch beim User landen. Damit die Angebote frei bleiben von Werbung - siehe Backweb, Marimba oder Wayfarer - zahlt der Zulieferer.

Der Vorteil dieser Methode: Der Anwender wird nur dann mit Nachrichten versorgt, wenn auch wirklich neue vorliegen. Bei Pointcast jedoch muß man mit der Werbung leben, und das kostet Zeit. Außerdem wird man bei jedem Einwählen von allen einmal definierten Kanälen versorgt, selbst wenn keine News vorliegen.

Geradezu spannend wird die Push-Technologie in vernetzten Unternehmen, die ihre unterschiedliche Software auf dem neuesten Stand zu halten haben. Erst wenn jeder Rechner mit der Push-Software ausgestattet ist, trifft das Upgrade automatisch ein. Pointcast bietet die Lieferung nur auf dem Proxy-Server des Unternehmens. Von dort aus erfolgt die Verteilung an die Clients im Firmennetz. Zu welchem Zeitpunkt das geschieht, bestimmt das Firmensystem. Wäre kein firmeninterner Server zwischengeschaltet und hätte jeder Client Anbindung an Push-Dienste, würden die mitunter riesigen Datenmengen das Firmennetz überlasten, da der Anwender ja nicht steuern kann, wann genau er das Upgrade wünscht.

Je verzweigter die Datenlagerung in Unternehmen, je komplexer und vielfältiger die Inhalte und je zahlreicher die Anwender, desto wichtiger wird ein elektronisches, firmeninternes Schwarzes Brett, das nicht erst aufgesucht werden muß. Die Push-Technologie macht es möglich: Statt morgens die Firmen-E-Mail aufzurufen, erscheint nach dem Einwählen oder innerhalb einer Anwendung die Aufforderung, ein Bild beziehungsweise ein Wort anzuklicken, um an wichtige Nachrichten zu gelangen. Dabei hat der Anwender bereits eine Vorauswahl getroffen, welche Info-Kanäle er haben will, oder sein Profil definiert, so daß er auf ihn zugeschnittene Informationen erhält, die jedoch auch je nach Zugangserlaubnis von externen Push-Servern kommen können.

Die Frage, die sich zum Schluß stellt, lautet: Bleibt der Endanwender selbst aktiv? "Push" könnte ihn möglicherweise reizen, selbst die Initiative zu ergreifen. Denkbar wäre auch die Bildung firmeninterner oder -übergreifender Arbeitsgruppen, die sich gegenseitig mit Bildern, Tönen oder Texten versorgen. Die Push-Technologie hat gute Aussichten, die interne Datenübermittlung zu revolutionieren. Daneben ermöglicht sie aber auch die totale Kontrolle. Denn niemand kann sich mehr hinter dem Satz verstecken: "Das habe ich nicht gewußt."

Ausgewählte Anbieter der Push-Technologie Anbieter: Name der Lösung; Adresse; Anmerkung

Backweb Technologies Inc.: Backweb; http://backweb.com; Kanäle für Nachrichten, Software-Upgrades, Programme

Firstfloor Inc.: Smart Notification Server; http://www.firstfloor.com; Intranet-Lösung

Marimba Corp.: Castanet; http://www.marimba.com; Nachrichten, Software-Upgrades; Java-Applets

Microsoft Corp.: Active Desktop; http://microsoft.com; in der Version 4.0 des Browsers Explorer enthalten

Netscape Communications Corp.: Netcaster; http://home.netscape.com; Update vordefinierter Sites; Nachrichten, Upgrades etc. über Castanet-Kanäle

Pointcast Inc.: Pointcast; Network http://www.pointcast.com; diverse Nachrichtenkanäle

Wayfarer Communications Inc.: Incisa; http://www.wayfarer.com; Intranet-Lösung, auch für die direkte Kommunikation

ANGEKLICKT

Informationsbeschaffung - dieser Begriff faßt die bislang am häufigsten genutzte Internet-Anwendung zusammen. Über Werbung finanzierte Suchmaschinen wetteifern um den zukünftigen Kunden. Das Ergebnis der Recherche fällt jedoch von Suchdienst zu Suchdienst sehr verschieden aus: Roboter liefern Quantität, ein redaktionell betreuter Dienst mitunter Qualität. Je geschickter ein Anbieter von Informationen sein Angebot verschlagwortet, je besser er die Methode der Suchdienste kennt, desto eher wird er "gelistet" und somit aufgespürt. Das neueste Werkzeug des Suchenden heißt "Push" und er abonniert damit kostenlos Inhalte. Ein Dienst stellt dazu Informationen bestimmter Anbieter zusammen. Mit einem Klick ins Internet taucht automatisch ein Hinweis auf, sofern es Neues gibt. Diese Technologie könnte die Business-Kommunikation revolutionieren, denn der Anbieter "stößt" den Anwender an und fordert ihn geradezu zum Handeln auf.

*Gerda von Radetzky ist freie Journalistin in München.