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08.01.1982 - 

Internationale Konferenz über Computersysteme der Fünften Generation:

Rechner der Zukunft arbeiten auf drei Ebenen

TOKIO (cw) - Wie man beim Fahren von Kraftfahrzeugen je nach Fahrzustand in einen höheren oder niedrigeren Gang schaltet - sofern man keine Automatik hat - so werden die Benutzer eines "Dreigangcomputers" entsprechend der Komplexität des zu lösenden Problems bald einen höheren oder niedrigeren Gang einlegen können. Und so wie zukünftige Kraftfahrzeuge im Kraftstoffverbrauch äußerst sparsam sein werden, dürften Computer in zehn Jahren mit einem Minimum an Software auskommen.

Der Vergleich hinkt, aber es handelt sich ja auch nur um Möglichkeiten, die Sprecher auf einer internationalen Konferenz über Computersysteme der Fünften Generation in den Raum stellten. Der Eröffnungstag begann mit einer Reihe aufsehenerregender Vorträge über die Pfade, denen die Computerentwicklung möglicherweise folgen wird. Da die Computer der Fünften Generation sich entsprechend den Bedürfnissen der Gesellschaft von morgen entwickeln, werden sie ihrer Struktur nach wohl kaum Ähnlichkeiten mit den heutigen Rechnern aufweisen. "Es gibt keine anerkannte Definition der Computer Fünfter Generation. Wir können nur sagen, daß sie keine durch ständige Verbesserungen erzielte Fortentwicklung der heutigen Rechner sein werden", sagte Kazuhiro Fuchi vom Elektrotechnischen Laboratorium Japans.

Die Computer der Fünften Generation sollten vielmehr mit unserer Atemluft vergleichbar sein, meinte Hajime Karatsu von der Matsushita Communication Industrial Co. Ltd. "Sie sollten ebenso leicht und selbstverständlich zu benützen sein, ganz im Gegensatz zu unseren heutigen Rechnern, die oft aufhören zu arbeiten, wenn man einen Fehler macht."

Sowohl Fuchi als auch Hideo Aiso vom Fachbereich Elektrotechnik der japanischen Keio Universität betonten die Notwendigkeit einer von den heutigen Rechnern unterschiedlichen Struktur. Die Computer können heute noch keinen maximalen Nutzen aus den natürlichen Kommunikationsmitteln, wie Grafik und Sprache ziehen, stellte Fuchi fest.

Die Computer der Fünften Generation könnten schon aus diesem Grund keine Ähnlichkeit mit den heutigen haben, weil Schwierigkeiten in der Entwicklung der Software und die große Fülle der bereits produzierten Software es sehr schwierig machen würden, neue Strukturen in die heutige Computertechnik einzuschleusen, sagte Aiso weiter.

Wandel bei der Software

Die Struktur muß sich aber ändern. "Feste Rechnerstrukturen bergen die Gefahr in sich, daß die gesunde Entwicklung der Informationstechnik als Ganzes blockiert wird", sagte Tohru Moto-Oka, Vorsitzender des Ausschusses für Computer der Fünften Generation und Keynote-Sprecher. Moto-Oka ist auch Professor im Fachbereich Elektrotechnik der Universität Tokio.

Um den technischen Wandel bei der Software zu berücksichtigen, muß man beim Systementwurf sehr flexibel vorgehen. Änderungen dieser Art rühren oft von Vorschlägen zur Produktivitätssteigerung bei der Software her, von denen manche seiner Ansicht nach in die höheren Programmiersprachen eingebaut worden sind: Modulkonzept, Datenabstraktion sowie funktionale, nichtprozedurale und Einzelanweisungssprachen.

Natürliche Sprachen

Die Computer der Fünften Generation bestehen aus redundanten komplexen Strukturen auf VLSI-Basis die mit natürlichen Sprachen arbeiten und mit intelligenten Mensch/Maschine-Schnittstellen ausgerüstet sind. Man stelle sich ein "Ensemble" vor, das aus drei Computerebenen besteht, von denen die erste einen "Super-Personal-Computer" bildet. Es handelt sich um einen Hochleistungsrechner auf VLSI-Basis.

Sollte der Job seine Fähigkeiten übersteigen, kann der Anwender die "Service-Maschine" der Ebene 2 aufrufen. Sie hat die Aufgabe, die Anwenderprogramme zu verarbeiten, den Betrieb im Rahmen der Netzwerke und der verteilten Datenbanken zu überwachen und den ganzen Ablauf zu steuern. Nach Aiso besteht die Ebene 3 entweder aus einer dedizierten oder einer Teilnehmer-Maschine, die über straff gekoppelte Leitungen oder lose gekoppelte Kommunikationsnetze mit Maschinen der Ebenen 1 und 2 verbunden sind. Die Computer der Fünften Generation arbeiten mit einer Sprache von sehr hohem Niveau, die man Kernel-Sprache nennen kann, sagte Aiso voraus. Als eine Art von logischer Programmiersprache dient sie als Kern des Softwaresystems und als fundamentale Spezifikation für die Rechnerstruktur.

Alle vier Vortragenden waren sich darin einig, daß die VLSI-Technologie in großem Umfang in den Computern der Fünften Generation implementiert wird. "Um in der Computertechnik der Zukunft einen Quantensprung zu erzielen, kommt es darauf an, LSI und VLSI von in der Computertechnik zu realisieren", meinte Moto Oka.

"Diese Schaltungen werden zwar problemlos in der Speichertechnik verwendet, doch dürfte erst eine Evolution von Speichersystemen, bei denen Logik- und Speicherschaltungen kombiniert werden, beispielsweise bei assoziativen Zusammenhängen, von großer Bedeutung sein." Sowohl Moto-Oka als auch Aiso empfahlen, keinen Softwareaufwand zu scheuen, um computergestützte VLSI-Entwurfs-Systeme zu implementieren, die einen Bewertungssimulator und ein Testdatenerfassungssystem zur Erzielung fehlerfreier Entwürfe umfassen.

Die Konzeption von Computern der Fünften Generation wird aus dem bestimmt durch das Zusammentreffen der Entwurfsziele und der Benutzererwartungen. Nach Moto-Oka bestehen die vier Entwurfsziele in der Verbesserung der Mensch-Maschine-Kommunikation, in der Steigerung der Intelligenz des Computers, der seine Umwelt erfassen soll, in der Erweiterung der durch Computer verfügbaren Informationsarten und schließlich in der Ausdehnung der Milieus, die Computer simulieren können.

(Aus Computerworld vom 9. November 1981 übersetzt von Hans J. Hoelzgen, Böblingen)