Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.05.1980 - 

Siemens steuert U-Bahn in Köln:

Rechner für den Untergrund

KÖLN (pi) - Anfang Mai 1980 übergab die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) die neue zentrale Betriebsleitstelle nach einer Bauzeit von rund drei Jahren ihrer Bestimmung. Von hier aus wird zukünftig der gesamte Betrieb der KVB überwacht und gesteuert. Der Schwerpunkt liegt jedoch zunächst auf dem Straßenbahn- und U-Bahnverkehr. In der Leitstelle sind die Einrichtungen zum Überwachen und Steuern der Anlagen für die Zugsicherung und Fahrstromversorgung installiert. Die Siemens AG hat diese Einrichtungen geliefert und in Betrieb genommen. Im folgenden Beitrag beschreibt das Unternehmen Einrichtung und Funktion der Leitstelle.

Der Fahrstromteil wurde vom Unternehmensbereich Energietechnik in Erlangen projektiert und geliefert. Die Einrichtungen in der Leitstelle bestehen aus einer Prozeßrechneranlage, einer Panoramatafel und einem Steuerpult. Das gesamte Netz der Fahrstromversorgung hat eine Länge von etwa 150 km. Eine Doppelrechneranlage mit Siemens-Prozeßrechnern 330 steuert und überwacht das Netz. Hiermit werden auch die Einrichtungen von Stromversorgung, Beleuchtung, Rolltreppen, Klimaanlage, Heizungen oder Fahrkartenentwerter in den Stationen gesteuert. Im Endausbau eignet sich die Anlage für die Fernsteuerung und -überwachung von 150 Stationen. Die beiden Prozeßrechner arbeiten mit je einem Arbeitsspeicher von 64 K Wörtern und je einem Plattenspeicher für 5000 K Wörter. Die in der Leitstelle eintreffenden Daten werden betriebsgerecht aufbereitet, auf Grafik-Sichtgeräten farbig dargestellt und von Blattschreibern ausgedruckt.

Eine wichtige Funktion ist die "Anwahlsteuerung" von Schaltgeräten über die Grafik-Sichtgeräte. Auf den Sichtgeräten werden dafür die gewünschten farbigen Netzbildausschnitte angewählt. Eine Lichtmarke, die mit einem "Steuerknüppel" zu positionieren ist, markiert dabei die zu steuernde Einrichtung. Die gewünschte Steuerfunktion wird über entsprechende Tasten bedient. Der Prozeßrechner leitet und überwacht den Dialog. Eine Gesamtübersicht vom aktuellen Zustand des Versorgungsnetzes bietet die Panoramatafel.

Meldungen in Farbe

Für den Zugsicherungs- und Zugsteuerungsteil zeichnete der Geschäftsbereich Eisenbahnsignaltechnik in Braunschweig verantwortlich. Er entwickelte auch das spezielle Mikrocomputersystem MES 80 für die Sicherungstechnik und die zugehörende Software. Der Einsatz dieses Systems in der U-Bahn-Leitstelle in Köln stellt eine Premiere dar. Zum ersten Mal können die aktuellen Stellwerksmeldungen mit Hilfe von Mikrocomputern auf Farbmonitoren ausgewertet werden. Darüber hinaus stehen eine eigene Prozeßrechneranfage, eine eigene Panoramatafel und drei Steuerpulte zur Verfügung. Die Pulte besitzen Zehnertastaturen mit Kontrollmeldern, Betriebsmelder sowie entsprechende Funktionstasten.

Zugsicherungsanlagen gibt es bisher in dem zentralen Teil des Streckennetzes. Sieben Stellwerke sind über ein spezielles signaltechnisch sicheres Fernwirksystem an die Leitstelle angeschlossen. Sieben Mikrocomputer für Leittechnik MICOL-M empfangen die Meldungen aus den Stellwerken. Für jeden der drei Bedienplätze in der Leitstelle ist ein eigener Mikrocomputer MICOL-A zum Erarbeiten der Lupenbilder vorhanden.

Sicherheit mit SIMIS

Als Lupenbilder werden Stellwerksbereiche oder Teile davon farbig in schematisierter Form auf Grafik-Sichtgeräten angezeigt. Alle Mikrorechner sind aus Bausteinen des modularen Mikrocomputersystems für die Eisenbahnsignaltechnik MES 80 aufgebaut. Das SIMIS-Prinzip erreicht die signaltechnische Sicherheit: Hierbei werden zwei gleiche Mikrocomputer zu einem Zwillingsrechner zusammengefaßt, von einem gemeinsamen Taktgeber gesteuert und von einem speziellen Vergleicher überwacht.

Als Dispositionsgrundlage enthalten die Lupenbilder die Nummern der Züge, die sich im dargestellten Streckenbereich befinden. Die Nummern werden von einem Prozeßrechner 330 bereitgestellt, mit dem die Zuglaufverfolgung im U-Bahn-Netz sowie die Protokollierung der jeweiligen Betriebszustände und der Bedienungshandlungen durchgeführt werden.