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23.04.1976 - 

Musikanalyse mit Computerhilfe

Rechner sucht Komponisten

BERLIN - Mit Hilfe eines Großrechners TR 440 sucht Dr. Norbert Böker-Heil vom Staatlichen Institut für Musikforschung in Berlin nach Komponisten: Aus der Zeit von Palestrina (1525-1594) beispielsweise sind zahlreiche Musikstücke bekannt, die bis heute einem bestimmten Komponisten nicht zugeordnet werden konnten. Durch rechnerunterstützte vergleichende musikalische Stilanalyse bemühen sich die Wissenschaftler um Klärung.

Diese Arbeiten ergänzen und erweitern die schon seit längerer Zeit laufenden Bemühungen, Computer zur Musikdokumentation heranzuziehen. Böker-Heil, einer der wenigen Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik arbeiten, analysiert die Musikstücke nach vier verschieden Kriterien. Durch Vergleich der Daten von Stücken eines bestimmten Komponisten mit denen von Werken unbekannter Autoren läßt sich musikalische Ähnlichkeit nachweisen.

Was ist ähnlich?

"Es ist allerdings weitgehend unerforscht,

was in der Musik ähnlich ist. Es fehlen objektive Kriterien", erläutert Böker-Heil die Schwierigkeiten bei seiner Arbeit. Er sieht in der Zuordnung von Musikstücken zu bestimmten Komponisten nur eine Teilaufgabe: "Letzten Endes geht es mir darum, den Prozeß des musikalischen Verstehens zu untersuchen."

Auf einem anderen Gebiet hat Böker-Heil schon Erfolge erzielt: Er kann mit einem Trommelplotter Notenschrift in nahezu herkömmlicher Druck-Qualität ausgeben. Noch besser ist die Darstellung, wenn ein Mikrofilm-Plotter verwendet wird - Böker-Heil erprobte das mit der Ausgabe historischer Notenschriften auf einem Stromberg & Carlsson-System im Darmstädter Rechenzentrum der europäischen Raumfahrtorganisation.

Codes bei Noten

Ungelöst ist das umgekehrte Verfahren, nämlich - abgesehen von ganz einfachen Texten - Noten mit dem Belegleser zu erfassen. Soweit für Dokumentation oder Analyse Noten erfaßt werden sollen, ist eine Codierung mittels DE-Gerät erforderlich. In Berlin wird dazu ein Code verwendet, der jede Note in einer Ziffernfolge ausdrückt. Bei diesem Verfahren ist das Fehlerrisiko - so Böker-Heil - erheblich geringer als bei dem System DARMS, das mit alphanumerischer Darstellung arbeitet und von dem IBM-Wissenschafter Stefan Bauer-Mengelberg in Amerika entwickelt wurde. Das Verfahren sollte ursprünglich die automatische Herstellung von Druckplatten für den Notendruck ermöglichen. Diese Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Aber DARMS, dessen Entwicklungs- und Anwendungsschwerpunkt bei der Universität des Staats New York in Binghamton liegt, hat sich inzwischen für ähnliche Arbeiten bewährt, wie sie in Berlin durchgeführt werden.

Plagiate gefunden

Dr. Harry Lincoln untersuchte nach Codierung mit DARMS auf einer IBM 370/158 in Binghamton 40 000 Melodien auf Ähnlichkeit, um Plagiate herauszufinden. Die italienischen Liedermacher des 16. Jahrhunderts haben nämlich mangels Urheberrechtsschutz teilweise fröhlich voneinander Noten abgeschrieben. Es wurde auch fündig: Beispielsweise hat Nicola Broca nach seinen Feststellungen einen geistlichen Gesang von Josquin des Preis zu einem Liebeslied umfunktioniert und dabei nicht nur die Melodie des Kollegen übernommen, sondern auch noch Text-Anleihen gemacht.

Komponieren am Computer

Im Dialog komponiert der Neuseeländer Barry L. Vercoe, Musikdozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT): Zur "Eingabe" benutz er eine Orgeltastatur. Nach Anschlag einer Taste erklingt nicht nur der betreffende Ton - es erscheint auch die entsprechende Note auf einem Bildschirm. Die Noten kann Vercoe in dem selbstentwickelten System mit einem Lichtstift ändern. Alle musikalischen Einfälle lassen sich speichern. Der Rechner simuliert in Verbindung mit einer elektronischen Orgel alle Instrumentierungen vom Violinsolo bis zum kompletten Orchester. Musiker die sich bisher der Computerhilfe bedienen wollten, mußten eine der üblichen Programmiersprachen benutzen. -py