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24.02.1978 - 

DDR hat Qualitätsprobleme beim Ersatz der Computer der 2. Generation:

Rechnermangel erzwingt Zentralisierung

BERLIN - Distributed Processing bleibt zunächst, wohI eine westliche Spielart der DV-Integration: Im Ostblock dürfte allein der Mangel an Rechnern und Peripherie der Intelligenz am Arbeitsplatz einen Riegel vorschieben. Eine jetzt vorgelegte Arbeit innerhalb der Schriftenreiche "FS-Analysen" der Forschungsstelle für gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen, die sich mit dem Thema "Verstärkte Effektivität durch Datenverarbei-tung und Mikroelektronik" beschäftigt, klar den Trend zur Zentralisierung. Ganz offensichtlich zwingt der relativ niedrige Rechnerbestand in der DDR beispielsweise der Partei und Wirtschaftsführung ein Konzept der Konzentration auf. Denn nach dem Bericht von Horst Sindermann auf dem IX Parteitag der SED zum Fünfjahresplan für die Entwicklung der Volkswirtschaft gab es 1976 im Arbeiter-und Bauernstaat nur 2300 Rechnern (einschließlich Klein-und Prozeßrechner), während die Diebold-Statistik zum 1.1. 1977 insgesamt 126 000 Computer aller Größenklassen für die Bundesrepublik erfaßt hat.

Für die Zentralisierungs-Konzepte gibt es in der DDR allerdings auch andere schwerwiegende Gründe. Die systematische Förderung der kollektiven Nutzung von Rechtsanlagen wird von Partei-und Wirtschaftsführung ausdrücklich aber auch um einer höcheren Effektivität wiIIen betrieben. Klaus Krakat, Autor der FS-Analyse, beruft sich beispielsweise darauf, daß eine 1976 durchgeführte Untersuchung ergeben habe, daß "in verschiedenen Fällen die installierten Anlagen nur bis zu zehn Stunden täglich ausgelastet" gewesen wären, "obwohl nach Planungen auf diesem Sektor durch eine möglichst volle Kapazitätsauslastung eine wirtschaftliche Nutzung der EDV vorgesehen war.

Multiprogramming (die erst durch die Rechner der ESER-Generation möglich wurde) und Mehrschichtbetrieb sollen zur höheren Auslastung führen. Im Mittelpunkt jeglicher EDV-Anwendung in der DDR steht dabei gegenwärtig die Rationalisierung der Informationsprozesse, wobei nach sowjetischem Muster, die Entwicklung und der Einsatz automatisierter Leitungssysteme (ALS)" in den Vordergrund treten. Die ALS lassen sich mit den westlichen MIS-Formen vergleichen.

Bei der Diskussion, wie sich die Datenverarbeitung effektiver nutzen läßt und welche Organisationsformen angewendet werden sollten, klingt aber immer noch genügend "interne Kritik" an. Krakat hat in seinem Beitrag acht "Engpässe und Hemmnisse als wesentlich für die DDR-BDV ausgemacht.

- Die Produktion eigener Geräte reichte bisher nicht zur Deckung des eigenen Bedarfs aus. Es mußten und müssen nach wie vor Rechner und Peripherie auch aus dem Westen importiert werden. Hier werden jedoch wegen des akuten Devisenmangels bei der Realisierung der bestehenden Wünsche enge Grenzen gesetzt. Hinzu kommt, daß nicht jeder Rechner vom Westen in ein RGW-Land geliefert werden kann. Andererseits kann man davon ausgehen, daß sich der Import eines oder mehrerer Hochleistungsrechner aus dem Westen mit Blick auf das Gesamtrechnerniveau der DDR kaum lohnen kann, da es sich hierbei wohl doch nur um eine punktuelle Lösung des Rechnerdefizits handelt. Für die DDR wird es, den bis 1980 gestellten Zielen entsprechend darum gehen, zunächst die noch im Einsatz befindlichen Rechner der 2. Generation auszusondern und diese durch ESER-Rechner zu ersetzen.

- Es werden auch gegenwärtig noch leistungsmäßig zu unterschiedliche Anlagen eingesetzt.

- Infolge der Überalterung verschiedener Rechner besteht eine hohe Reparatur-

anfälligkeit, es entstehen Kosten durch Stillstandzeiten.

-Das gegenwärtige Sortiment der Gerätetechnik (Peripherie) deckt noch nicht in allen Fällen die qualitativen Bedürfnisse ab.

- Als ein kritischer Punkt der ESER-Technick galt bisher die Zuverlässigkeit von AnIagen und Geräten.

- Die Ersatzteilversorgung war ebenfalls nach verschiedenen selbstkritischen Bekundungen zum Teil wenig zufriedenstellend und auch die Qualifikation des Wartungs-und Bedienungspersonals entsprach ebenfalls noch nicht dem erforderlichen Niveau.

- Die verfügbaren standardisierten SystemunterIagen konnten in verschiedenen Fällen zur Lösung der vorgesehenen Aufgaben nicht zufriedenstellend eingesetzt werden. Sie standen darüber hinaus nicht immer rechtzeitig den Anwendern zur Verfügung und waren zudem nicht immer erfolgreich ausgetestet.

- Es besteht in der westlichen Fachwelt Einigkeit darüber, daß trotz nicht zu leugnender Fortschritte nach wie vor die Schwierigkeit besteht, sich rechtzeitig und schnell an den internationaIen technologischen EntwickIungsstand anzupassen. Hierfür fehlen noch immer die geeignete Fertigungstechnik und geeignete Fertigungsrezepte.Die Überwindung derartiger Schwächen wie auch die Verkürzung des Zyklus zwischen Forschung und EntwickIung und des Beginns der Serienproduktion gehören noch immer zum Hauptanliegen von Partei-und Wirtschaftsführung.