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11.01.2002 - 

Behörde kritisiert hohe Kosten und Abhängigkeit von Microsoft

Rechnungshof empfiehlt Linux-Einsatz in Bayern

MÜNCHEN (ls) - Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) moniert im Jahresbericht 2001 die starke Abhängigkeit der Verwaltungs-DV von Microsoft und empfiehlt die Verwendung von Linux und anderer Open-Source-Software.

"Die Entwicklung des staatlichen IT-Bereichs ist von einer starken Abhängigkeit von der Produktpolitik eines einzigen Herstellers geprägt", schreibt der ORH im ersten Satz seiner Analyse der IT-Situation im neuen Jahresbericht. Die kommt die Steuerzahler im Land der Lederhosen und Laptops teuer zu stehen.

Mindestens 70000 PCs mit Microsoft-Betriebssystemen und "Office"-Paketen nutzt die Verwaltung Bayerns. Diese müssen auf der Grundlage eines Rahmenvertrags mit Microsoft bis zum 31. Mai 2004 auf Windows 2000 oder XP samt dem dazugehörigen Büropaket umgestellt werden. Das würde im Fall von Windows 2000 14,0 Millionen Mark für das Betriebssystem und 21,1 Millionen Mark für die Office-Suite kosten.

Damit wäre es noch nicht getan. Die notwendige Aufrüstung der Hauptspeicher würde 12,6 Millionen Mark, Installation und Inbetriebnahme würden 2,2 Millionen Mark verschlingen. Eine jeweils eintägige Schulung der Mitarbeiter wäre insgesamt mit 43,1 Millionen Mark zu veranschlagen. Arbeitsunterbrechungen durch geänderte und neue Funktionen würden 86,2 Millionen Mark kosten.

Diese nachgelagerten Ausgaben in Höhe von 144,1 Millionen Mark sind also viermal höher als die Aufwendungen für Betriebssystem und Office-Pakete. Daher hält es der ORH für "dringend erforderlich, zu untersuchen, ob es Alternativen dazu gibt, ob diese Alternativen unter Einbeziehung aller Kosten wirtschaftlich sind".

Besonders verärgert ist der ORH über die Vorgänge zur Einführung eines Verzeichnisdienstes für die bayerische Verwaltung. Der Koordinationsausschuss für Datenverarbeitung (KoordA-DV) hatte trotz Kritik einiger Mitglieder mehrheitlich im September 2000 beschlossen, den Verzeichnisdienst auf der Basis des Microsoft-Produkts "Active Directory Service" (ADS) einzurichten. Dabei waren weder alternative Programme untersucht noch Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt worden.

Das Staatsministerium der Finanzen hat ADS bereits eingeführt, andere Verwaltungen sind in der Vorbereitungsphase. Der ORH stellt fest: "Von den dabei festgelegten ADS-Schemata und damit dem zwangsläufigen Einsatz von Microsoft-Betriebssystemen können sie künftig nicht mehr ohne weiteres abweichen."

Dies ist aus Sicht des Rechnungshofes ärgerlich, zumal es in einzelnen Behörden positive Erfahrungen mit dem Einsatz von Linux und Open-Source-Software wie der Datenbank "PostgreSQL" gebe. Dadurch hat die Bayerische Vermessungsverwaltung vier Millionen und das Landeskriminalamt 1,2 Millionen Mark Lizenzkosten eingespart. Die staatliche Hochbauverwaltung konnte durch den Einsatz von Open-Source-Produkten Hardware länger verwenden und hat allein dadurch 1,9 Millionen Mark weniger investieren müssen.

Das ORH zieht nicht unerwartet den Schluss: "Insgesamt wird Open-Source-Software im Server-Bereich empfohlen." Der Jahresbericht geht überraschenderweise aber darüber hinaus: "Die bisherigen Untersuchungsergebnisse zeigen bereits, dass auch im Client-Bereich Open-Source-Produkte erfolgreich eingesetzt werden können." Die Finanzprüfer fordern, "dass nur standardisierte herstellerunabhängige Dokumentenformate verwendet werden", wohingegen Microsoft Office "die Wahlfreiheit bei Betriebssystemen und Office-Anwendungen verhindert".

Merkwürdiger BeschlussDie vor Veröffentlichung des Berichts um Stellungnahmen gebetene Verwaltung hatte laut ORH mitgeteilt, dass sie "dem Einsatz von Open-Source-Produkten grundsätzlich positiv gegenüberstehe". Allerdings war es am 25. September 2001 auf einer Sitzung des KoordA-DV zu einem merkwürdigen Beschluss gekommen. Einserseits empfahl das Gremium Open-Source-Software für den Server-Bereich und den Betrieb von entsprechenden Pilotprojekten. Andererseits beschloss man die Weiterführung aller laufenden Projekte und des ADS-Verzeichnisdiensts, ein kapitaler Widerspruch.

Die Rechnungsprüfer wollen diese Entscheidung relativiert sehen. "Wegen der neuen Lizenzpolitik von Microsoft halten wir schnelles Handeln für notwendig, auch weil sie dazu führt, dass immer die neueste Version eingesetzt werden muss, und wir häufige Versionswechsel für nicht wirtschaftlich halten", bekräftigt der leitende Ministerialrat Ludwig Späth. "Die Lizenzpolitik bindet faktisch die Verwaltung noch stärker als bisher schon an einen einzigen Hersteller. Unser Ziel ist es, in der Verwaltung kein Monopol von Microsoft zu haben, sondern ein wenig offener zu sein."