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28.11.2003 - 

Unabhängiges Projekt User-Linux stellt sich gegen den Fedora-Zögling

Red Hats Supportmodell in der Kritik

MÜNCHEN (CW) - Mit der Entscheidung, das Privatanwendersystem Red Hat Linux an ein Projekt "Fedora" zu übergeben, hat sich der Distributor Ärger eingehandelt. Denn wer jetzt Support will, muss Red Hat Enterprise Linux verwenden - und das kann teuer werden.

Unternehmen, die für ihre Red-Hat-Installationen nicht auf einen grundlegenden Support verzichten wollen oder können, müssen inzwischen auf Red Hat Enterprise Linux (RHEL), derzeit in Version 3.0, ausweichen. Die kleinste Ausgabe dieser Distribution ist RHEL WS, was für Workstation steht und laut Red Hat die Profiversion des "kleinen" Linux ist. Mit jedem Enterprise Linux geht ein "Subscription Agreement" einher, ein Softwarepflege- und Supportvertrag, der einem Abonnement ähnelt.

In ihm ist festgehalten, dass RHEL den Regeln der General Public Licence (GPL) folgend beliebig kopiert und verändert werden darf. Die Freiheit hat allerdings ihre Grenzen: Der Support von Red Hat bezieht sich nur auf eine oder mehrere definierte Maschinen. Die Anwender dürfen nicht einen einmalig im Abo bezogenen Patch nehmen und auf beliebig vielen Servern installieren. Und Red Hat behält sich das Recht vor, mit "Audits" die Einhaltung der Lizenzbestimmungen zu überprüfen.

Das rechnergebundene Supportmodell hat vor allem in den USA bei einigen Anwendern Unmut hervorgerufen. Das sei ein "mieses Geschäftsmodell aus den 70er Jahren" und "unflexibel", hieß es vor allen aus Firmen, die in Clustern viele Server betreiben. Die sich ergebenden Lizenzkosten seien "entmutigend" meint das Lawrence Livermore National Laboratory.

Red Hat verwahrt sich gegen die Vorwürfe. Mancher Kritiker würde wohl "schlicht freie und Open-Source-Software mit kostenloser Software verwechseln", meint Daniel Riek, für die öffentliche Verwaltung zuständiger Manager von Red Hat in München. Nicht nur würden sämtliche Linux-Distributoren mit Supportverträgen ihr Einkommen erzielen, sondern auch die Anbieter proprietärer Programme. "Überhaupt kein Verständnis" kann Riek für Anwender aufbringen, die mit massiven Einschränkungen verbundene Applikationen einsetzen und dazu teure Supportverträge abschließen, "aber der Ansicht sind, bei Open-Source-Software müsse auch die Dienstleistung kostenlos erbracht werden".

Eine andere Abrechnungsform, beispielsweise nach Aufwand pro Anruf oder nach Zeit, sei nicht praktikabel, so Riek. Er gesteht ein, dass das Red-Hat-Modell für Cluster "nicht unbedingt lukrativ" sei und sein Unternehmen in diesem Bereich kein generelles Angebot habe. Doch daran werde gearbeitet, und bis zu einer Lösung biete Red Hat solchen Anwendern individuell zugeschnittene Supportverträge an.

Doch die Skepsis gegenüber Red Hat ist auch in der Community verbreitet. So erklärte der Open-Source-Guru Bruce Perence: "Es gibt den Trend, quelloffenen Code proprietär zu machen." Neben Red Hat vertreibe auch Suse ein "de facto proprietäres System". Um dem etwas entgegenzustellen, kündigte Perence auf einem Treffen des Desktop Linux Consortium, dem unter anderem auch Suse und Mandrakesoft angehören, die Entwicklung eines "User Linux" an. Es soll Mitte 2004 fertig sein und als Paket zehn Dollar kosten. Seine Grundlage wird die GNU-Linux-Version Debian, die eigentlich ausschließlich Open-Source-Programme umfasst. Für User Linux wird Debian allerdings um einige proprietäre Elemente, beispielsweise Treiber, erweitert. Ob und wie es für User Linux Support geben wird, ist noch unbekannt. (ls)