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10.10.2006

Reddot Solutions will hoch hinaus

Nach der Übernahme durch Open Text sieht sich der CMS-Hersteller als Gewinner, was man von seinem Vorbesitzer Hummingbird nicht behaupten kann.

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit wechselt der deutsche Content-Management-Spezialist Reddot Solutions seinen Besitzer und stellt damit seine 1700 Kunden auf eine Geduldsprobe. Zunächst war das Oldenburger Familienunternehmen im Juni letzten Jahres ohne Vorankündigung für 39 Millionen Euro an den Dokumenten-Management-Anbieter Hummingbird verkauft worden. Nun wurde dieser seinerseits für 489 Millionen Dollar in bar vom Konkurrenten und Marktführer Open Text geschluckt. Laut Daniel Kraft, Chief Operating Officer von Reddot Solutions, sind diese Turbulenzen kein Grund zur Besorgnis. So habe weder das Hummingbird-Intermezzo das eigene Umsatzwachstum gestört noch müsse man sich jetzt unter dem Dach von Open Text Sorgen machen, behauptete der Manager im Gespräch mit der computerwoche.

Der Optimismus beim Reddot-Management schöpft sich aus Verlautbarungen des Open-Text-Vorstands, wonach dem CMS-Spezialisten eine strategische Rolle zukommen soll. Reddot werde künftig als eigener Unternehmensbereich die gesamte Produktentwicklung für Web-Content-Management-Software (WCM) übernehmen. Die Produkte "Reddot CMS", "Reddot XCMS" und "Reddot Live Server" würden fortgeführt, versprach der Manager. Der konkurrierende "Web-Content-Management-Server" von Open Text, der aus den Produkten der Anbieter Gauss Interprise und Obtree entstanden ist, hat hingegen keine Zukunft. Zwar würden die bestehenden Kunden, zu denen BMW und Unilever gehören, weiter betreut. "Neukunden wird aber nur noch Reddot angeboten".

Sorgen und Skepsis

Kritischer sieht die deutschen Reddot User Group die Pläne. Die Übernahme durch Open Text habe zunächst für Skepsis unter Anwendern und Partnern gesorgt, berichtet Daniel Langenheim, Gesellschafter des Beratungshauses Intentive aus Viersen und Vorsitzender der rund 100 Mitglieder zählenden Anwendervereinigung. Man fühle sich zwar gut informiert, sei aber aufgrund der Historie von Open Text mit seinen vielen Übernahmen misstrauisch, was die Produktstrategie betreffe: "Wir haben kein Interesse daran, dass aus Reddot ein Gauss wird", sagte Langenheim mit Bezug auf den Hamburger WCM-Anbieter, den Open Text vor einigen Jahren erwarb und dann in seinem Angebot verschwinden ließ. Um die eigenen Interessen gegenüber Open Text besser vertreten zu können, werde man Endes des Monats im englischen Stanstet die Gründung eine europäischen Reddot User Group beschließen.

Auch Reddot-Manager Kraft räumt ein, dass es noch zu Veränderungen im Portfolio kommen kann. Zwar bleibe die bisherige WCM-Roadmap für die nächsten zwei Jahre unangetastet. In den kommenden Monaten müsse man aber mit den Experten bei OpenText sprechen, wie ein gemeinsames Angebot aussehen kann. Technisch ließen sich die Produkte kombinieren. Während die WCM-Technik von Open Text vor allem zur Entwicklung und Integration verteilter Unternehmensanwendungen diene, biete Reddot CMS Standardfunktionen für ein Content-Management im Intra- und Internet. Auch sei geplant, Benutzern künftig Content kontextbezogen darzubieten. Die Integration mit Hummingbird-Produkten sei ebenso gegeben, da man bereits seit längeren zusammenarbeite. User-Group-Vorstand Langenheim begrüßt diese Ankündigung, zumal Reddot bereits vor der Übernahme damit begonnen habe, seine Software zu modularisieren und etwa für andere Repositories zu öffnen. Die Produktplattform sollte aber auf jeden Fall unverändert bleiben, um Kunden nicht zu verschrecken, warnt Langenheim. Auch gebe es mit Blick auf das Produkt XCMS sehr wohl Überscheidungen zu Open Text, beispielsweise bei den Funktionen für Collaboration. Es sei nicht klar, was der Käufer mit XCMS vor habe.

Reddot betreut in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 1000 vor allem mittelständische, aber auch große Kunden wie Daimler-Chrysler, Thomas Cook, Bosch, die Hypovereinsbank, die Sparda Bank, den WDR, Thyssen Krupp, TUI und die TÜV Nord Gruppe. Rund zwei Drittel der Umsätze erwirtschaften die Oldenburger indes im Ausland, insbesondere in den USA, Osteuropa und Asien. Wie zuvor bei Hummingbird hofft das Unternehmen, vom weltweiten Vertriebsnetz von Open Text zu profitieren. Gern sieht man sich auf Augenhöhe mit Interwoven, Vignette und Stellent als einer der wenigen WCM-Anbieter mit weltweiten Ambitionen.

Hoffen auf Großkunden

Damit dies gelingt, soll künftig neben den eigenen Mitarbeitern und Partnern auch die Vertriebsmannschaft von Open Text Anfragen und Aufträge für ein Web-Content-Management an Reddot weiterleiten, sich selbst aber auf Unternehmenslösungen für das Enterprise-Content-Management (ECM) konzentrieren. Manager Kraft rechnet sich hierdurch gute Chancen für ein Cross-Selling sowie Kontakte insbesondere im strategisch wichtigen SAP-Markt aus. Die Zielgruppe verschiebt sich zugleich zusehends in die betuchteren Anwenderkreise: "Es ist heute schwieriger geworden, Reddot zu verkaufen, weil es einfach teurer geworden ist", sagt User-Group-Vorstand Langenheim. Die Software, die sich in früheren Versionen auch an kleine Betriebe vermarkten ließ, ist heute mit Kosten ab 30000 Euro eher etwas für den gehobenen Mittelstand.

Anders als über Reddot gibt es über Hummingbird bisher wenig zu berichten. Analysten hatten im Vorfeld immer wieder darauf hingewiesen, dass es erhebliche Überschneidungen zu den Produkten von Open Text gebe. Als erste offizielle Tat kündigte der neue Besitzer nun ein "Rebranding" der akquirierten Produkte an. Die ECM-Suite "Hummingbird Enterprise" heißt künftig "Livelink ECM - eDocs". Der Name Hummingbird wird nur noch in den Connectivity-Produkten weiterleben. Eine detaillierte Roadmap wird im November auf der "Livelink"-Kundenkonferenz in Phoenix, Arizona, vorgestellt. Zudem kündigte Open Text an, dass Hummingbird-Chairman Fred Sorkin und CEO Barry Litwin das gemeinsame Unternehmen verlassen haben.

Hummingbird verschwindet

Sue Clarke, Analystin der Butler Group, bezeichnete das Ende der Marke Hummingbird als "großen Fehler". Drei verschiedene ECM-Angebote unter einem Namen - Open Text Livelink, Hummingbird Enterprise und Hummingbird R/KYV (für die öffentliche Hand in Großbritannien) - würden im Markt nur Verwirrung stiften und den Vertrieb belasten. Statt rivalisierende Anbieter mit einem überlappenden Portfolio zu kaufen, hätte Open Text eher sein Sortiment mit Akquisitionen erweitern sollen, argumentiert die Butler-Analystin. Zudem erwartet sie eine schwierige Integration von Produkten und Mitarbeitern, ähnlich wie bei der Übernahme von Ixos durch Open Text vor drei Jahren. (as/ajf)