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Britische Computerindustrie reagiert nervös auf japanische Forschung und Entwicklung:

Regierung pumpt Millionen in die Software

09.12.1983

Nach mehreren mißglückten Förderungsprogrammen versucht die britische Regierung Ihrer informationsverarbeitenden Industrie mit dem Projekt "Alvey" auf die Sprünge zu helfen, auch im Softwaresektor. Dieses Programm wird als direkte Antwort auf die in England als bedrohlich empfundene japanische Ankündigung der "fünften Generation" gewertet (siehe auch Seite 26 "Alvey" will britischen Ehrgeiz befriedigen) Boris Sedacca, Journalist in London, beschreibt die Situation auf dem englischen Softwaremarkt.

Obwohl der britische Softwaremarkt im internationalen Bereich von einem beachtlichen Handelsdefizit gekennzeichnet ist, zeigen sich die einheimischen Hersteller stolz auf ihre Leistungen. Trotz einer Exportsteigerung bis zum Mai dieses Jahres um rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, übersteigen die Importe die Ausfuhrzahlen immer noch um das dreifache.

Hauptabnehmer von britischer Software sind die USA, die Programme für über 1,3 Milliarden Pfund von der Insel bezogen. Unter den ersten fünf wichtigsten Exportpartnern liegen auch die Bundesrepublik und Frankreich. Stärkster Geschäftspartner für den britischen Software Import sind ebenfalls die Vereinigten Staaten. Dennoch spielt auch die Bundesrepublik mit einem Volumen von rund einer Milliarde Pfund eine wichtige Rolle im bilateralen Programmaustausch.

Regierungsprojekt ging baden

Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dieser Trend auch in naher Zukunft anhalten wird. Bereits im Jahre 1978 versuchte die letzte Labour-Regierung, etwas gegen das sich immer stärker abzeichnende Handelsdefizit zu unternehmen. Sie rief ein Softwareprojekt namens Insac ins Leben, das den Export von britischer Software in die USA fördern sollte. Das von der Regierung eingesetzte "National Enterprise Board" stellte jenen Unternehmen Zuschüsse zur Verfügung, die sich auf dem freien Geldmarkt wenig Chancen auf finanzielle Unterstützung ausrechnen konnten. Insgesamt, wurden 20 Millionen Pfund in das Insac-Projekt gepumpt, bevor das "National Enterprise Board" die ganze Aktion als Fehlschlag verbuchte. Im Juli 1982 wurde Insac wieder aufgelöst.

Die Antwort der jetzigen Konservativen Regierung auf das Projekt Insac hieß "ExportIT". Dieses 1981 ins Leben gerufene Programm war ein schwacher Versuch, der britischen Informationstechnologie mit begrenzten Mitteln auf die Sprünge zu helfen.

Daneben stellte die Regierung noch das "Software Products Scheme" auf die Beine. Diese Einrichtung unterstützt Softwarehersteller bei der Entwicklung neuer Programme. Etwa ein Drittel der entstehenden Kosten werden mit Geldern aus dem "Software Products Scheme" bezahlt. In der Regel erhalten jedoch nur einheimische Unternehmer, die sich noch dazu verpflichten müssen, ihre Programme in England zu erstellen, staatliche Zuschüsse.

Angst vor den Söhnen Nippons

Japanische Entwicklungen lassen die britische Computer Industrie nervöser reagieren als Neuheiten aus den USA. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch das derzeit interessanteste Projekt des "Software Products Scheme" zu werten. "Alvey" beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Rechners, der als Antwort auf die Ankündigung des japanischen "Fifth Generation"-Projekts zu werten ist.

Mit dem Alvey-Programm wollen die Briten in den nächsten fünf Jahren mehr als 350 Millionen Pfund in die Entwicklung eigener Software der "fünften Generation" pumpen. Die Hälfte dieser Summe finanziert die Regierung unter der Voraussetzung, daß die beteiligten Unternehmen den Rest aufbringen. Allerdings wird den staatlichen Stellen zunehmend vorgeworfen, sie favorisierten mit dem Alvey-Programm vor allem große Unternehmen wie ICL, GEC, Racal und Plessey. Rund zwanzig Softwarehäuser haben sich inzwischen unter der Führung der Computing Services Association (CSA) zusammengeschlossen, um die Verantwortlichen dazu zu bringen, auch ihnen ein Stück vom Alvey-Kuchen abzugeben.

Die Kosten für ein solches Projekt übersteigen, so die CSA-Lobby, bei weitem die finanziellen Mittel der meisten britischen Softwareanbieter. Folglich müßte der Staat bereit sein, mehr als nur die Hälfte der Aufwendungen zu übernehmen. Dagegen vertreten die Alvey-Verantwortlichen die Meinung, daß die CSA-Mitglieder die benötigten Gelder durchaus aufbringen könnten, wenn sie sich zu einer Art von Konsortium zusammenschließen würden.

Welches Argument letztlich die staatlichen Stellen beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Die Regierung gab zwar Lippenbekenntnisse, wie "Small is beautiful" ab, doch brauchen die DV-Giganten nur mit dem Hinweis auf japanische Konkurrenz zu winken, um auf offene Ohren für ihre Pläne zu stoßen.