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03.12.1998 - 

Keine endgültige Tarifentscheidung für die letzte Meile

Regulierer fordert Engagement der Anbieter im Ortsnetz

MÜNCHEN (pg/hi) - In der unendlichen Geschichte um die Festlegung der Gebühr für den Ortsnetzanschluß wird ein weiteres Kapitel geschrieben. Die Telekom hat auf Anraten von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller kurz vor der Entscheidung des Regulierers ihren Entgeltantrag in Höhe von 47,26 Mark zurückgezogen. Die Konkurrenten werfen dem Bonner Carrier und der Politik nun Wettbewerbsverzögerung vor.

Der Rückzieher der Telekom vergangene Woche kam für alle Beteiligten überraschend. Schließlich hatte die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (Reg TP) nach mehreren Verschiebungen die endgültige Entscheidung über die Gebühr für den sogenannten "entbündelten Teilnehmeranschluß" (siehe Kasten) auf den 30. November 1998 terminiert. Ihr Ziel war, endlich auch auf der letzten Meile Wettbewerb zu schaffen.

Doch daraus wurde nichts. Minister Müller, pikanterweise oberster Dienstherr der Reg TP, aber auch Vertreter des Staates als Hauptaktionär der Telekom, hatte den Bonner Carrier buchstäblich in letzter Sekunde zurückgepfiffen. Seine Argumentation, er wolle damit die Reg TP aus der Kritik nehmen und die Beteiligten nochmals zu einem sachgerechten Dialog auffordern, gibt den Streithähnen zwar die Chance, ihr Gesicht zu wahren, sorgt im Markt aber für Verwirrung.

Der CW sagte Harald Dörr, Sprecher der Reg TP, die Behörde wolle den Minister nicht kritisieren, sei aber durchaus in der Lage, dem Druck standzuhalten. Er bestätigte, daß die Beschlußkammer, wäre es nicht zur Rücknahme des Telekom-Antrags gekommen, einen Tarif in Höhe von 23,20 Mark Monatsmiete für den entbündelten Teilnehmeranschluß verkündet hätte.

Dieser Betrag wäre deutlich unter den 47,26 Mark der Telekom gelegen, aber auch über den bislang festgelegten 20,65 Mark. Ursprünglich hatte der Regulierer die Telekom aufgefordert, für die letzte Meile eine Monatsmiete unter 20 Mark festzulegen. Dörr begründete den jetzt geplanten Betrag von 23,20 Mark mit künftigen Investitionskosten, die einkalkuliert werden müßten.

Bis zum 30. April 1999 gilt nun der vorläufige Tarif von 20,65 Mark. Zu welchem Zeitpunkt eine endgültige Entscheidung über die Gebühr getroffen wird, hängt laut Dörr davon ab, wann die Telekom ihren neuen Antrag einreicht. Der Sprecher ist jedoch optimistisch, daß eine Entscheidung schon vor Ende April nächsten Jahres fallen kann. "Ob das Entgelt dann unter den ursprünglich von der Reg TP geplanten 23,20 Mark liegt, ist Spekulation", sagte Dörr.

Von einem solchen niedrigeren Preis ist zumindest Wilhelm Hübner, Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation, fest überzeugt: "Ich gehe davon aus, daß auch die Politiker die Frist bis Ende April 1999 zum Nachdenken nutzen werden. Sie müssen zu dem Ergebnis kommen, daß der Wirtschaftsstandort Deutschland wichtiger ist als die Deutsche Telekom AG", gab sich Hübner zuversichtlich.

Aus Sicht von Horst Schäfers, Geschäftsführer des Düsseldorfer City-Carriers Isis Multimedia Net GmbH, ist die Kostenrechnung der Telekom ohnedies nicht nachvollziehbar. "Die von der Telekom vorgelegten Zahlen sind an den Haaren herbeigezogen", moniert Schäfers, signalisierte aber auch die Bereitschaft, an der geforderten Versachlichung der Diskussion mitzuwirken.

Wie auch alle anderen Wettbewerber der Telekom kritisiert Schäfers jedoch den Aufschub in Sachen Ortsnetzanschluß. Dadurch sei keinerlei Investitions-sicherheit gegeben und würden viele Carrier abgehalten, in diesem Marktsegment aktiv zu werden.

Im Gegensatz zu Isis, das trotz der Verzögerung sein Endkundengeschäft forcieren wird, teilte ein Sprecher von Otelo mit, das Unternehmen werde vorerst in diesem Markt nicht tätig. Verwirrung herrscht auch beim Konkurrenten Mannesmann Arcor, der seinen Kunden zum Jahreswechsel voraussichtlich aber doch Sprachdienstangebote für das Ortsnetz unterbreiten wird.

Trotzdem wird nach Meinung von Arcor-Chef Harald Stöber durch die Empfehlung des Ministers die Planungssicherheit untergraben und der schnelle Ausbau der Ortsnetzanschlüsse verlangsamt. Ähnlich argumentiert Otelo-Vorstand Thomas Geitner: "Das faktische Monopol der Telekom im Ortsnetz wird zum Nachteil der Kunden weiter fortgeschrieben", meint er und ergänzt: "Sinkende Preise wird es vorerst nicht geben."

Müllers Empfehlung - eine Warnung an die Telekom?

Nahezu alle Wettbewerber der Telekom sehen in der Maßnahme des Ministers einen klaren Versuch der politischen Einflußnahme auf die Reg TP. Ganz anderer Ansicht ist hingegen die Reg TP. Sie wertet, so Dörr, die Empfehlung von Müller als "deutliches Signal in Richtung rosa T". Damit übt der Sprecher indirekt Kritik am Verhalten der Telekom in den letzten Wochen, die versucht hatte, massiv auf die Behörde und Politiker einzuwirken. Dörr weist jedoch die Vorwürfe energisch zurück, die Politik habe sich in die Belange der Reg TP eingemischt.

Der Sprecher forderte die Player am Markt auf, unverzüglich aktiv zu werden. "Es gibt für Unternehmen keinen Grund mehr, im Ortsnetzgeschäft innezuhalten", sagte er. Mit 20,65 Mark existiere derzeit ein Betrag, mit dem klar gerechnet werden könne. Die Gebühr, die nach der Entscheidung spätestens Ende April festgelegt werde, werde nicht erschreckend von dem gegenwärtig gültigen Tarif abweichen.

Entbündelter Teilnehmeranschluss

Beim entbündelten Teilnehmeranschluß handelt es sich um ein zweiadriges Kupferkabel, das in der Regel von der Vermittlungsstelle der Deutschen Telekom in jeden Haushalt reicht. Mit Ausnahme des Ex-Monopolisten verfügt in Deutschland kein Carrier über diese Infrastruktur bis zum Endkunden. Um also im Ortsnetz ebenfalls Dienste anbieten zu können, sind die Wettbewerber der Telekom auf deren Leitungen - sprich den entbündelten Teilnehmeranschluß - angewiesen. Diese Leistung der Telekom beinhaltet lediglich die Vermietung des puren Kabels, nicht aber Services wie Vermittlung, Rechnungsstellung und Inkasso.