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07.12.1984

Reifezeit - ein Gefühl für das IBM Timing

Wann die IBM etwas ankündigt, ist eine Frage, die zu den größten Herausforderungen der DV-Planer gehört. Jack von Kinsbergen, Präsident von Boole & Babbage, entwickelte die Fähigkeiten eines Propheten, den Zeitpunkt für Pre-Announcements, aber auch ihren Einfluß auf den Restbuchwert zu bestimmen. Erster Treffer: die Ankündigung der 308X-Serie und ihr Einfluß auf die 303X-Werte. Nebenbei beschäftigt er sich im folgenden Beitrag mit Big Blues PC- und Mini-Trends sowie Tendenzen bei Zentraleinheiten und Softwareprodukten.

Inhalt und Zeitpunkt von IBM-Bekanntmachungen voraussagen zu wollen ist ein riskantes Unterfangen und - für Wachsame wie für Unvorsichtige - voller Tücken. Es bedarf zunächst einmal der Einsicht in die strategischen Antriebskräfte des Unternehmens. IBM ist vor allem eine marktorientierte Einheit.

Neue Techniken - wie die Josephson Junction - werden immer solange auf Laborebene verweilen, bis die finanziellen Entscheidungsträger den Zeitpunkt für richtig erachten die laufende Produktlinie zwecks Aufrechterhaltung der Absatzziele zu erweitern. Ein Prinzip wird durch Marketing-Erfordernisse, dem Produkt-Lebenszyklus bestimmt, ein anderes durch die Fertigungskapazität.

IBM nutzt die Kostendegression durch regelmäßige Maximierung der Werksproduktion. Historische Daten belegen, daß diese Maximierung etwa alle vier Jahre erfolgt. Beispielsweise ergaben sich 1975 hohe Produktionsraten für den S/370-158 und 168, 1979 dann für den 303X und 1983 für den 308X.

Praktisch bedeuten diese beiden Faktoren - Marketing und Kapazität - die Markteinführung neuer Produkte wird - ungeachtet der Gerüchte über aufregende Neuheiten - zeitlich stets so festgelegt, daß den Marketing- und den Produktionserfordernissen gleichermaßen entsprochen wird. Die hier vorgestellte Formel erläutert, wie diese beiden Bedürfnisse mit dem Zweck analysiert werden können, den Zeitpunkt der Bekanntgabe neuer Zentraleinheiten und den Abschreibungssatz der jetzigen Abrüstung vorherzubestimmen.

Die in der Abbildung veranschaulichte Formel geht von drei Voraussetzungen aus:

- Die Zentraleinheiten-Planung bei IBM wird durch Kapazitätserfordernisse der Fertigung bestimmt.

- Gebrauchtmarktwerte sind direkt von der Einführung neuer IBM-

Zentraleinheiten abhängig.

- Zwischen diesen beiden Punkten besteht ein kausaler Zusammenhang.

Der Produkt-Lebenszyklus und seine vier Phasen: Einführung, rasches Wachstum, Reife, Degeneration dürften allgemein bekannt sein.

Entsprechend basiert- auch diese Formel auf vier Phasen:

Phase 1 - Die Zentraleinheit des Anwenders befindet sich zur Zeit in der Hochproduktion. Ihr Wert beträgt zu diesem Zeitpunkt etwa 85 Prozent des Listenpreises. Diese Zahl ergibt sich, indem man vom Originalpreis die Investitionssteuervergünstigung und die Wartungskosten für das erste Jahr abzieht. Gegen Ende der Phase 1 wird die nächste Generation von Zentraleinheiten angekündigt, und der Wert der jetzigen Zentraleinheit fällt allmählich auf das Niveau der Phase 2.

Phase 2 - Die nächste Generation wird an die ersten Kunden ausgeliefert. Der Wert der älteren Zentraleinheit des Anwenders fällt auf 60 bis 70 Prozent des jetzigen Listenpreises, doch behält sie einen beträchtlichen Wert, da die neue Generation noch nicht ohne weiteres erhältlich ist. Inzwischen wurde wahrscheinlich der Listenpreis gedrückt.

Phase 3 - Die nächste Generation wird jetzt mit maximaler Werksauslastung produziert und ist leicht erhältlich.

Die Zentraleinheit des Anwenders ist inzwischen nur noch 30 bis 40 Prozent des Listenpreises wert, da ihr Preis/Leistungs-Verhältnis im Vergleich zur neueren Maschine ungünstig ist.

Phase 4 - Der Wert der Anwender-Zentraleinheit rutscht nun auf 10 Prozent des Listenpreises oder noch weniger, da bereits die übernächste Generation von Zentraleinheiten angekündigt, ausgeliefert und in Hochproduktion gefertigt wird. Jetzt ist nicht nur das Preis/Leistungs-Verhältnis zur neuesten Generation schwach, auch die Wartungskosten und -probleme nehmen überhand.

Um zu sagen, wie genau diese Vorhersagen eintreffen werden, sollte man für die Prognose des Zeitpunktes sechs Monate und für die des Gebrauchtmarktwertes 10 Prozent Spielraum einräumen. Allerdings ist das Prinzip der Fertigungsmaximierung dominierend, so daß es als zuverlässige Richtschnur für die Vorhersagen dienen kann.

Als Faustregel kann man sagen daß jede neue Zentraleinheiten-Generation die doppelte Leistung der vorherigen hat, während der Listenpreis in der gleichen Klasse bleibt Folglich verbessert sich das Preis/ Leistungs-Verhältnis mit jeder neuen Zentraleinheiten-Generation ungefähr um das Doppelte.

Diese Analyse legt nahe, daß IBM die Zentraleinheiten-Produktion alle vier Jahre maximieren wird. Da der technologische Lebenszyklus im Durchschnitt acht Jahre dauert, können für jede technologische Generation zwei getrennte Produktlinien erwartet werden. Bei der Berechnung des Abschreibungsplans ist über den Vierjahreszyklus von einem Wert von 30 Prozent auszugehen. Dieser Zyklus legt außerdem nahe, daß Sierra demnächst angekündigt wird - innerhalb von sechs bis zwölf Monaten - und die volle Produktion der darauffolgenden Generation (Josephson?) dürfte dann bis 1991 auf vollen Touren laufen.

Was die Hardware anbelangt, fertigt IBM zur Zeit rund 85 000 Mikrocomputer pro Monat. In den USA stehen sie für 5 bis 8 Prozent des IBM-Umsatzes, aber nur für ein Prozent des Gewinns. Die Gewinne aus Zentraleinheiten erhöhten sich von 54 Prozent auf 58 Prozent des eingesetztes Gesamtwertes - ein deutlicher Hinweis auf IBM-Engagement in dieser Richtung. Man kann sich fragen, wie die Beziehung zwischen PC, Minicomputer und Zentraleinheit im Informationszentrum der Zukunft aussehen wird.

Höchstwahrscheinlich kann man den PC für den - in die Systemnetzwerkarchitektur (SNA) integrierten - "Mehrbenutzer-Adressenraum der Zukunft halten. PCs werden wegen ihrer gegenüber den Zentraleinheiten weitaus "freundlicheren" Software auch zur steigenden Nachfrage nach leistungsstärkeren Zentraleinheiten beitragen.

Diese "größeren" Zentraleinheiten - die im übrigen den gleichen Raum benötigen werden, sofern man die für sie erforderliche Unterstützungsperipherie mit berücksichtigt - werden sich auf das Schreiben von Anwendungssoftware auswirken.

Sehr große Anwendungen wird man weiterhin unter Berücksichtigung der Leistung entwerfen müssen; dagegen wird es bei den meisten Anwendungen rentabel werden, sie rasch und ohne große Beachtung ihrer Leistungsauswirkung auf die Zentraleinheit zu schreiben. Diese Wahrscheinlichkeit (in Wirklichkeit nur die Fortsetzung eines langen Trends- höhere Softwarepakete wären nie auf den ersten Modellen gelaufen) führt zur Frage, was mit der SW-Leistungsbewertung passiert.

Abgesehen von einigen Ausnahmen wird die Leistungsmessung einzelner Module um ihrer selbst willen bedeutungslos sein. Allerdings ist zu beachten, daß Zentraleinheiten zwar Informationen pro Einheit kostengünstiger verarbeiten, die Gesamtkosten der Informationsverarbeitung aber rasch steigen.

Mit anderen Worten: die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Planung und Berichterstattung zur Verwaltung der enormen Unternehmensinvestitionen in Hardware und Software wird ständig größer.

Eine geordnete Planung des Erwerbs von Zentraleinheiten und der finanziellen Regelungen ist möglich, sofern bei der Prüfung historischer Daten zwei Grundsätze berücksichtigt werden.

Erstens: IBM wird zwecks minimaler Produktionskosten die Fertigung der Zentraleinheiten etwa alle vier Jahre maximieren. Und zweitens: die Ankündigung neuer Zentraleinheiten werden zeitlich so bemessen, daß - bei Höchstabsatz des jetzigen Produkts- der Absatz des neuen Produkts sich "nahtlos" anschließt.