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02.10.1987 - 

Integration entscheidet über zukünftige Wettbewerbschancen:

Reine Kostenanalyse ist kurzsichtig

KARLSRUHE (CW) - Reaktionsschnelligkeit und Flexibilität werden in Zukunft über die Marktchancen eines Anwenderbetriebs entscheiden. Erreichbar sind diese Wettbewerbsvorteile nur durch die rechnerintegrierte Fabrik. Auf diesen gemeinsamen Nenner lassen doch die Expertenmeinungen zurückfahren, die anläßlich einer Anwendertagung der SAP GmbH. Walldorf, in Karlsruhe geäußert wurden.

"Die korrekte Übersetzung von Manufacturing ist nicht Fertigung, sondern Fabrikbetrieb", konstatierte Günter Spur, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik sowie Professor für Produktionstechnik an der Technischen Universität Berlin. Integration dürfe nicht beim Produktionsprozeß stehenbleiben, sondern müsse das gesamte Unternehmen einschließen. In der Konsequenz fordert Spur die Abkehr vom tayloristischen Gedanken der Arbeitsteilung.

Darin pflichtete ihm ein anderer "Fraunhofer" bei: Hans-Jürgen Warnecke, Leiter des Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. "Die Dividende eines Unternehmens hängt an der Schnelligkeit der Auftragsabwicklung", führte Warnecke aus. Die Entwicklung gehe also weg von der Arbeitsteiligkeit hin zu flexiblen Fertigungszellen.

Gösta Ihde, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim, betonte jedoch: "Wichtiger als die reinen Durchlaufzeiten sind die individuellen Lieferzeiten." Deshalb plädierte er dafür, die Distribution in die Logistik einzubeziehen. Seine Forderungen gehen dabei recht weit: "Der Just-in-time-Gedanke muß auf die gesamte logistische Kette angewandt werden."

Wirtschaftlichkeits-Berechnungen in bezug auf ein logistisches Konzept müssen weitsichtig betrachtet werden, schlug Professor Warnecke vor. Sie seien schwierig, weil die Situation vor und nach der Rechnerintegration sich nicht miteinander vergleichen ließen: Manchmal fielen die reinen Produktionskosten nachher höher aus; durch die Möglichkeit der schnelleren Reaktion entstünde jedoch ein Wettbewerbsvorteil, der sich langfristig eben doch rechne.

Zur Sprache kam auf der Tagung auch die oft beschworene Abhängigkeit, in die der Kunde sich begibt, wenn er eine integrierte Lösung von ein und demselben Anbieter kauft. Ein Anwender formulierte es so: "Wenn der Hersteller wollte, könnte er die Preise ins Unermeßliche anheben, und wir könnten nichts dagegen machen." Dazu Warnecke: "Wer sich mit einem Anbieter verheiratet, enthebt sich der Möglichkeit, die Rosinen herauszupicken. Im anderen Fall müsse der Anwender jedoch mehr Zeit und Geld in die Überwindung von Schnittstellenproblemen investieren.

Zu einer selbstbewußten Haltung gegenüber den Anwendern riet Professor Spur dem Auditorium. Die Entwickler müßten den Ansprüchen der Anwender gerecht werden, nicht umgekehrt. "Wir müssen es den Herstellern schwermachen, ihre Software zu verkaufen", meinte er - und erntete einstimmigen Beifall.