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19.09.2006

Reines Modulwissen hat keine Zukunft

Till Stüwe 
SAP-Berater müssen mehr denn je die Geschäftsprozesse ihrer Kunden verstehen. Ihre Technikkompetenz sollte über die klassische SAP-Modulwelt hinausgehen.

So wie sich die Geschäftsanforderungen der Unternehmen stetig verändern, ist auch die SAP-Welt einem rasanten Wandel ausgesetzt. Für IT-Verantwortliche und Berater bedeutet dies, Applikationen, Datenbanken und Office-Daten über eine einheitliche Infrastrukturplattform zu integrieren und eine umfassende Basis zu schaffen, auf der alle Unternehmensprozesse abgebildet sind. Sie muss Menschen, Informationen und Geschäftsprozesse über technische und organisatorische Grenzen hinweg verbinden.

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Detailkenntnisse zu Software reichen nicht mehr

Die Zeiten, in denen ein SAP-Berater einzig mit Detailwissen zu Modulen und Datenbanken glänzen konnte, sind endgültig vorbei. Heute erwarten Kunden eine präzise Bedarfsermittlung über sämtliche Geschäftbereiche hinweg. Karsten Freihube, Geschäftsführer Consulting Services beim IT-Dienstleister Computacenter, beurteilt die Situation am SAP-Arbeitsmarkt kritisch: "In der Aus- und Fortbildung von SAP-Consultants muss sich künftig einiges tun, denn spätestens 2008 geht die R/3-Epoche zu Ende."

Mit neuen Lösungen und Konzepten wie Mysap ERP, Enterprise SOA, Netweaver oder Duet haben die Walldorfer mittlerweile konkrete Vorgaben gemacht, wo die Reise zukünftig hingehen wird. Das sei aber Freihubes Erfahrung zufolge aber bei weitem noch nicht ausreichend vom Arbeitsmarkt angenommen worden.

Die Welt der SAP-Visionäre verspricht alles, was Unternehmen heute an Ansprüchen an die IT stellen können: mehr Effizienz in den Prozessen, höhere Flexibilität des Geschäfts, geringere Gesamtbetriebskosten. Doch den Versprechen stehen erhebliche Herausforderungen gegenüber, die neben den IT-Verantwortlichen vor allem die Berater fordern. Sie müssen zukünftig erhebliche Anstrengungen unternehmen, um ihr SAP- und ihr allgemeines IT-Wissen an die technologische Entwicklung anzupassen und auszubauen. Das betrifft unter anderem die Fähigkeit, strategische Beratung und Planung für den Aufbau einer Enterprise Services Architecture (ESA) zu erbringen und alle relevanten Unternehmensprozesse darin zu integrieren.

Die ESA-Grundlage bildet eine umfassende Bestandsaufnahme und Strategieplanung sämtlicher wichtiger Unternehmensprozesse und der dazugehörigen IT-Umgebungen. Betroffen sind davon sowohl Kunden- und Partnerbeziehungen wie auch Produktions- und Lieferketten sowie Finanz- und Personalabteilungen. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter ausscheidet, hat dies nicht nur Konsequenzen für die Personalabteilung. Nutzeridentitäten und Zugriffsrechte für IT-Systeme müssen gelöscht respektive gesperrt, E-Mails und Anrufe an neue Ansprechpartner weitergeleitet werden.

Kunden wollen komplette Prozessketten integrieren

Mit einer Enterprise Services Architecture werden diese Prozesse auf einer einheitlichen Plattform verknüpft und müssen nicht jeweils separat ausgeführt werden. Freihube erklärt in diesem Zusammenhang: "Die Kunden sind daran interessiert, komplette Prozessketten zu integrieren und somit auch zu optimieren. Ein Berater, der in der Vergangenheit mit Detailwissen von Modulen geglänzt hat, sollte sich im eigenen Interesse umorientieren und sich schleunigst zusätzliches Wissen um Unternehmensprozesse erarbeiten."

Komplex sind auch die Herausforderungen auf technologischer Ebene: Der Anspruch, sämtliche ERP-, CRM-, SCM- und HR-Applikationen in eine Plattform zu integrieren, erfordert umfassendes Wissen über die existierenden und neuen Technologien. War SAP bislang ein eigenständiges Thema, müssen nun Schnittstellen geschaffen werden, um Daten, Prozesse und Funktionen mit anderen Anwendungen auszutauschen.

Netweaver soll die Basis für robuste Web-Services werden

Für Unternehmen ist dabei die Anwendungs- und Integrationsplattform Netweaver von maßgeblicher Bedeutung. Sie stellt die Basis für robuste und skalierbare Web-Services und Geschäftsanwendungen bereit. Umfangreiche Kenntnisse der heute gängigen Web-Technologien und Internet-Standards sind für Berater unerlässlich. Die Einrichtung von Web-basierenden Portalen stellt allerdings die gesamte Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Dabei geht es um die nutzerfreundliche Gestaltung des Web-Frontends genauso wie um Sicherheitsfragen wie Authentifizierung, Verschlüsselung oder den Einsatz von Firewalls.

Mobil Arbeitende können nun stärker eingebunden werden

Darüber hinaus bietet Netweaver die Möglichkeit, mobil arbeitende Mitarbeiter über PDAs, Handys und Laptops einzubinden und somit durchgängige Prozesse ohne Medienbrüche zu schaffen. Die Leistungsfähigkeit und Flexibilität von Mitarbeitern lässt sich weiterhin durch die Integration von IP-Telefonie und CRM-Applikationen steigern - zahlreiche Themen also, die bislang in der SAP-Welt nicht relevant waren und somit den Aufbau vollkommen neuen Expertenwissens bei SAP-Beratern erfordern.

Berater müssen künftig in mehreren Welten zu Hause sein

Auch Geschäfts- und Desktop-Applikationen werden immer stärker integriert. Die meisten Anwender nutzen täglich die Microsoft-Office-Umgebung und greifen nur sporadisch auf Unternehmensdaten zu. Mit Duet haben nun SAP und Microsoft eine Umgebung geschaffen, in der sich ERP-Prozesse direkt aus Microsoft Office heraus verwenden lassen. So können Mitarbeiter beispielsweise über Outlook ihre Arbeitszeit erfassen oder Reports mit Daten aus SAP-Systemen erhalten und aktualisieren. Eine solche Integration setzt voraus, dass der Berater in beiden Welten, SAP und Microsoft Office, zu Hause ist.

Die Liste der Beispiele ließe sich noch verlängern. Was jedoch deutlich wird, ist die Notwendigkeit, andere Technikkompetenz mit SAP-Know-how zu verknüpfen. Entscheidend für den Erfolg von SAP-Projekten ist der Blick für das große Ganze. Eine umfassende IT-Kompetenz mit Kenntnissen auf Feldern wie Client-Services, Sicherheit, Netzwerkinfrastrukturen, Web-Technologien, Identity-Management und SAP selbst sind dabei von großem Vorteil.

Um diese Themenvielfalt in ihrer Komplexität zu beherrschen, bedarf es einer Verbindung der bislang nach Technologien getrennt arbeitenden Teams. Computacenter-Manager Freihube weiß Rat: "Wer den Übergang von der alten zur neuen SAP-Welt meistern möchte, tut gut daran, Kompetenznetzwerke mit Experten angrenzender Technologien zu knüpfen und auszubauen." Sein Unternehmen sucht "kompetente SAP-Generalisten, die mit ihrem Know-how heute schon die Möglichkeiten der neuen SAP-Lösungen ausnutzen können". Im eigenen Haus hat der IT-Dienstleister beispielsweise Verantwortliche mit technologieübergreifenden Kenntnissen für SAP-Themen aufgebaut. Sie vermitteln zwischen den Technologieexperten und kennen die verschiedenen, teilweise auch gegenläufigen Anforderungen der einzelnen Felder. (hk)