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21.10.1983 - 

Zentrale und dezentrale DV müssen keine Rivalen sein: .

Reinrassige Lösungen oft nicht wirtschaftlich

Personal-, Arbeitsplatz- und Mikrocomputer halten spätestens seit IBMs PC-Anktindigung ungehinderten Einzug in Fachabteilungen und Kleinunternehmen. Ist dies das Aus für die zentralen Großrechner? Sind die Millionen-Investitionen in die Software und die erreichten Vernetzungen umsonst gewesen? Rainer Kuhn* plädiert für eine sinnvole Kombination der zentralen mit der dezentralen DV.

Bereits vor der Einführung von Datenverarbeitungsanlagen gab es in den Unternehmen eine funktionierende Informationsstruktur. Diese gliederte sich entsprechend der Firmenstruktur meist hierarchisch und war geprägt von der Verteilung der Ressourcen, ob im Gedächtnis des Mitarbeiters oder in seinem Aktenschrank.

Die Einführung der Datenverarbeitung setzte neue Prioritäten in der Untermehmensstruktur. Die Zentralisierung der Datenverarbeitung entwickelte sich durch die hohen Kosten der Datenverarbeitungsmaschinerie. Diese mußten möglichst optimal ausgenutzt werden, was bedeutet, daß der Anteil der Zeiten, in denen die Datenverarbeitungsanlage "unproduktiv" herumstand, minimiert werden mußte. Dies war durch die Batch-Organisation gegeben. Dieser Vorteil, der optimale Nutzung brachte, brachte jedoch auch Nachteile mit sich.

Da die Maschine nicht auf den Menschen warten sollte, mußte dieser nun auf Zeiten achten, an denen er Aufgaben abgeben beziehungsweise Ergebnisse abholen konnte. Diese Einschränkungen sind heute weitgehend durch die Dialogverarbeitung beseitigt. Es war zum ersten Mal möglich, Datenverarbeitungskapazität an den Arbeitsplatz zu bringen. Diese Entwicklung, bei der zunächst die /Ein-/Ausgabe dezentralisiert wurde, geht heute soweit, daß auch die Datenverarbeitung selbst dezentral durchgeführt werden kann. Dies ist insbesondere bei Textverarbeitung eine preiswerte und wirtschaftliche Lösung.

Doch dezentrale und zentrale Datenverarbeitung schließen nicht etwa einander aus. Es handelt sich dabei lediglich um im Einzelfall und von der Anwendung her konkurrierende Systeme. Typische Anwendungen der zentralen Lösung sind Börseninformationssysteme oder Flugreservierung, Systeme also, bei denen von verschiedenen Seiten auf einen singulären Dateibestand zugegriffen werden muß. Textverarbeitung und Statistiken sind jedoch typischerweise Dinge, die nicht in einer eng gestalteten Interaktion mit anderen Daten und ähnlichem stehen müssen.

Werden die zuletzt genannten Arbeiten mit zentralen dialogorientierten Systemen durchgeführt, so sind zwar die Einschränkungen der Benutzerführung beseitigt. Nicht beseitigt ist jedoch das oft unnütze Hinund Hertransportieren von Informationen, obwohl sie am gleichen Ort eingegeben, ausgegeben und verarbeitet werden müssen.

Beispiel: Wenn wir heute unser Telefonsystem betrachten, so ist es für jedermann schon selbstverständlich geworden, daß er innerhalb seines Unternehmens eine drei- oder vierstellige Nummer zu wählen hat und damit über die private Nebenstellenanlage des Unternehmens den entsprechenden Kollegen oder die Kollegin im eigenen Haus erreichen kann. Muß er nach außen telefonieren, so hat er zusätzliche Nummern zu wählen. Ein Telefonsystem, in dem grundsätzlich die volle Nummer, unter der jemand weltweit erreichbar ist, zu wählen wäre, stellt ein nicht praktikables System dar. Das System wäre benutzerfreundlich, sehr teuer und müßte überdimensoniert werden, da jedes Gespräch, auch von einem Zimmer im Unternehmen zum Nachbarzimmer, über eine weltweite Zentrale laufen müßte, die damit zwangsläufig in einem gigantischen Maße überdimensioniert wäre.

Technisch gesehen sind zwar reinrassige zentrale Lösungen möglich (zumindest bei kleinen Systemen), jedoch in keiner Weise wirtschaftlich.

Der starke Anstieg der Computerleistung bei Mini- und Mikrosystemen und- die preisliche Größenordnung dieser Systeme - vom Preis eines Terminals aufwärts - ermöglichen eine Kombination der beiden Architekturen. So kann aus den Rivalen zentrale EDV - dezentrale EDV bei vernünftiger Konzeption ein erfolgreiches Team werden.

Speziell bei der Textverarbeitung, die zunehmend weg von der Schreibmaschine hin zur Arbeit mit Computern tendiert, ist es einfach nicht sinnvoll, nach jedem übertragenen Zeichen oder auch Block einen Interrupt im Zentralrechner auszulosen. Es genügt, wenn auf Daten und Textbausteine zugegriffen werden kann und die fertigen Texte dort abgelegt werden, um sie auch anderen zugänglich zu machen.

Selbst bei Kalkulationen ist mit den modernen Spreadsheet-Programmen für Arbeitsplatz- oder Personal Computer eine sinnvolle Ergänzung von zentralen und dezentralen Rechnern gegeben. Der Anwender braucht für seine Planungen Daten aus der zentralen Datenbank. Diese überspielt er dann in "seinen" Computer und kann dann, ohne die Großanlage zu belasten, die Daten verknüpfen. Würden Text- und Kalkulationsprogramme in größerem Stil auf der zentralen Anlage laufen, wäre diese sicherlich bald dicht.

Fast alle Unternehmen sind hierarchisch gegliedert. Diese hierarchische Gliederung sollte sich deshalb auch auf die Datenverarbeitungsstruktur des Unternehmens beziehen: Daten, die nur von einem Benutzer gebraucht werden, sollten in seinem System gespeichert sein; für Daten, die eine ganze Abteilung benötigt, sollte der jeweilige Abteilungsrechner gebraucht werden; Daten, die unternehmensweit verfügbar sein müssen, sollten im zentralen System des Unternehmens gespeichert sein. Grundsätzlich hält man Daten dort, wo sie am häufigsten gebraucht werden. Dies ist insbesondere auch im Interesse einer guten Datenpflege sinnvoll. Dort wo die Daten am meisten gebraucht werden, ist sicherlich die Bereitschaft zur Pflege am größten. Davon abgesehen, ist es jedoch häufig sinnvoll, Datensicherung mit den besseren Möglichkeiten des zentralen Systems durchzuführen.

*Rainer Kuhu, Unternehmensberater