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10.03.2000 - 

IT im Tourismus

Reisebranche am Scheideweg

Vom Goldrausch am virtuellen Klondike scheint die Touristik noch nicht erfasst. Zwar erwarten Analysten auf mittlere Sicht hohe Online-Absatzquoten, doch ist die Risikofreude, das Geschäft konsequent aufs Internet umzustellen, bei Veranstaltern und Reisebüros gering. Was den Traveller schon heute erwartet, hat Winfried Gertz* zusammengefasst.

Einmal dem Stress ade sagen, nur an sich selbst denken. Das muss kein Traum bleiben. Sich für schlappe 500 Mark eine Woche New York inklusive Übernachtung zu gönnen oder für knapp die Hälfte ein romantisches Wochenende zu zweit im noblen "Frankfurter Hof" zu ergattern, ermöglicht nicht nur die Auktionsplattform des Rhein-Main-Flughafens Airport-travelnet.de."Egotrips" versprechen auch Qxl.de, Ricardo.de oder Ebay.de. Da nimmt man es sogar in Kauf, sich wie bei Qxl.de erst einmal unter"http://bcaudit.exactis.com/sbct.cgi?s=28659261&i=177362&d=148528" einloggen zu müssen.

Immer mehr Portale locken mit Internet-Auktionen. Nicht nur Hard- und Software, CDs und Handys gehen über den virtuellen Ladentisch. Der Hammer fällt auch bei Flügen, Hotels, Autovermietungen und kompletten Reisearrangements. Ob sich Geschäfte unter dem Motto "Wer bietet mehr?" allerdings noch lange machen lassen, darf stark bezweifelt werden. Viel attraktiver für den Kunden ist nämlich die so genannte "Reverse Auction", denn hier bestimmt er den Preis und kein anderer. Unter super-last-minute.de, der Restplatzbörse von Ltur, fallen die Ticketpreise fast im Minutentakt. Am spannendsten ist es zwischen acht Uhr abends und der Deadline morgens um sechs. Wer sich kurzfristig vom Job loseisen kann und gute Nerven mitbringt, dem steht die Welt für wenig Geld offen. 350 Mark für eine Woche Boston sind ebenso drin wie zehn Tage Mallorca für sage und schreibe 87 Mark. Auch die LTU mischt im Internet mit. Mit "Biet & Flieg" hat sie das Konzept der umgekehrten Auktion vom amerikanischen Vorbild Priceline.com abgeluchst. Unter Ltu.de eingeloggt, gibt der Surfer ein Angebot für eine konkrete Strecke ab, die er dem offiziellen Flugplan entnimmt. Will er nach Fuerteventura und dafür nur 100 Mark lockermachen, braucht er auf das "No way" nicht lange zu warten. Doch bei 200 Mark hat er Glück: Am nächsten Morgen klingelt das Telefon. LTU hat sein Angebot akzeptiert; schnell wird die Kreditkartennummer übermittelt, und das Ticket ist unter einer speziellen Buchungsnummer am Airport hinterlegt.

Was in anderen Industrien schon zu einer deutlichen Verschiebung der Einflusszonen zwischen Verkäufern und Einkaufsabteilungen beigetragen hat, erreicht nun auch die Reisebranche. Doch der Einfluss des Kunden macht beim Internet nicht halt. Das Stichwort lautet WAP (Wireless Application Protocol). "Gerade in Europa, wo Mobiltelefone viermal häufiger anzutreffen sind als Internet-Anschlüsse, eröffnen sich für den E-Commerce zusätzliche Wachstumspotenziale", ist sich Andreas Feike aus der Geschäftsleitung von Shopping24.de sicher. Auch Primus.de will kräftig mitmischen, wie die Unternehmen auf der CeBIT demonstrierten. Für interaktive Formen der Preisbildung aus Kundensicht entwickelte Primus.de ein skalierbares Softwarekonzept auf Java-Basis.

Das bunte Allerlei hält nicht standMit einem WAP-Tracker ging Tiss.com in Hannover an den Start. Über den "Flugverfolgungsservice" halten sich Reisende über den aktuellen Status von bis zu vier Flügen auf dem Laufenden. Schon Sekunden nach Eingabe von Flugdaten erscheint die SMS-Nachricht auf dem Handy-Display. Über die riesige Datenbank des Online-Anbieters sind ständig über 50 Millionen tagesaktuelle Linienflugtarife abrufbar. Tiss.com verspricht bis zu 70 Prozent Kosteneinsparung für Business-Reisen.

Online-Auktionen und Travel-Management via WAP zeigen auch den Reiseunternehmen, wo es im E-Business langgeht. Konsequent zu Ende gedacht, wird der Kunde im Tourismus wie auch in anderen Industrien den Kurs bestimmen. Denn in der Netzwirtschaft haben die alten Sender-Empfänger-Konzepte der Beratungsfabriken ebenso ausgedient wie hyperkreative Werbespots oder pompöse Ritterspiele zur Produkteinführung. Hier lautet die Kernfrage nicht: Was kann ich dir verkaufen? Sondern: Was kann ich für dich tun? Welchen Grad an Vernetzung kann ich dir bieten, um dein Leben zu erleichtern?

Schaut man allerdings auf die virtuelle Selbstdarstellung der einschlägigen Reisefirmen und ihre dargebotene Angebotspalette, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Was das bunte Allerlei signalisiert, hält der tatsächlichen Anforderung ans Internet-Business nicht stand.

Deutlichstes Beispiel ist der Microsoft-Ableger Expedia.de (com). Nur eine Hand voll Länder stehen auf der mit viel Tamtam gestarteten Plattform zur Auswahl, um eine Reise online zu buchen. Warum die Touristik mit angezogener Handbremse ins Internet geht, erläutert Lufthansa-Vertriebsstratege Markus Orth: "Reiseanbieter scheuen den Konflikt mit den Reisebüros. Sie wollen ihnen keine Konkurrenz machen."

Dabei müsste den Verantwortlichen, die sich schützend vor die in Angst und Schrecken versetzten Handelspartner stellen, längst dämmern: Viel Zeit bleibt nicht mehr. Wie ein Hurricane durchpflügt das Internet in den USA die traditionellen Verkaufskanäle. 1999 machten bereits mehr als 1500 der rund 30 000 Läden dicht. "Wir sind einfach schneller, innovativer und kundenorientierter", freut sich Terrel Jones, Boss von Travelocity.com. Seine Website überzeugte auch die Unternehmensberater von IBM in einer Benchmark-Studie: Flug, Hotel und Mietwagen sind schnell gebucht, Preisvergleiche immer auf dem neuesten Stand. Das Portal lädt den Surfer aber auch dazu ein, sich über Land und Leute zu informieren. Mit Erfolg - nach Umsatz ist Travelocity.com weltweit die drittgrößte Internet-Reiseplattform.

Dennoch ist es nicht einfach, das beste Angebot im wuchernden Online-Dschungel auszumachen. Lufthansa-Mann Orth: "Im Grunde brauchen wir Blindenhunde für das Internet." Wer im Jumbo von New York nach San Franzisko jettet, hat Mitflieger in der Reihe, die jeweils einen anderen Preis gezahlt haben. Doch so war es schon vor 15 Jahren, als die ersten Low-Budget-Kapitäne den nordamerikanischen Luftraum eroberten und die Airlines zwangen, sich einem gnadenlosen Wettkampf um die Restplätze anzuschließen. Heute sind die Buchungssysteme der Agenturen und Reisebüros fast überflüssig geworden, läuft doch das Geschäft mit Flugtickets zunehmend am etablierten Handel vorbei. Das bestätigen auch die Auguren: Kaum eine Branche ist so prädestiniert fürs Online-Geschäft wie die Reisebranche. Die Gartner Group erwartet bereits in diesem Jahr einen Umsatz von rund fünf Milliarden Dollar weltweit, der bis 2002 auf etwa 30 Milliarden Dollar explodieren soll. Ein Jahr später, kalkuliert Forrester Research, werden 38 Milliarden Dollar und damit ein Drittel des gesamten Geschäftsreiseaufkommens übers Internet abgewickelt.

In Deutschland, so Jupiter Communications, erzielte das Business-Segment des Online-Reisemarkts im vergangenen Jahr rund 45 Milliarden Mark Umsatz. Einer Studie von American Express zufolge verzichteten 1999 bereits 27 Prozent der Unternehmen auf die Dienste eines Reisebüros. Auf diesen Kurs soll bis 2005 jede zweite Company einschwenken. Treibende Kraft hinter der Online-Buchung sind die Kosten: Geschäftsreisen machen bereits sieben Prozent der Betriebskosten aus und rangieren damit nach Gehältern und der DV bereits an dritter Stelle. 44 Prozent entfallen auf Flug- und 24 Prozent auf Übernachtungskosten.

Obwohl der überwiegende Teil des Internet-Angebots auf Urlaubsreisen ausgerichtet ist, haben Geschäftsleute sehr gute Anlaufstellen. Zunächst fangen die Airlines ihre Kundschaft mit neuen Angeboten ein. United Airlines, strategischer Partner der Lufthansa in der Star Alliance, verkauft aktuell drei Prozent aller Tickets übers Internet. In wenigen Jahren will UA jedes zweite Ticket online verkaufen. Groß geschrieben wird Service. Wie man mit Ideen überzeugt, zeigt ein Beispiel: Ist ein Flug von Chicago nach Boston wenige Tage vor dem Termin nur mäßig ausgelastet, benachrichtigt die Airline per E-Mail potenzielle Kunden über das erheblich preisreduzierte Angebot. Kreativität zeigt auch American Airlines. Wer regelmäßig auf einer bestimmten Strecke eincheckt, erhält von AA automatisch ein individuelles Angebot.

Auf der richtigen Seite ist man allerdings bei den Spezialanbietern. Offerten, Informationen und Links finden Business-Reisende bei Travelshop.de oder Travelchannel.de, das erst vor wenigen Wochen einen Zuwachs ihrer "Page Impressions" von 1,65 Millionen im November 1999 auf 2,75 Millionen im Januar 2000 feierte. Wer es nicht auf steigende Aktienkurse abgesehen hat, sondern auch seine Meilenkonten haussieren lassen will, sollte sich mit Biztravel.com anfreunden. Für jede Strecke findet sich hier diejenige Airline, die die attraktivste Gutschrift anbietet. Überzeugend: Wie viele Meilen für Upgrades vom Business- auf den First-Class-Sessel vom Konto abzubuchen sind, wird gleich mitgeliefert.

Wer das Wetter vor Ort checken oder sein Reisebudget mit dem Währungskonverter kalkulieren will, wählt sich am besten bei Business-class.de ein. Zahlreiche Business-Links, Routenpläne und Stadtpläne offeriert das Portal Reiseplanung.de. Zum Stöbern in überaus informativen Internet-Reisemagazinen lädt Telos-incentives.de ein.

* Winfried Gertz ist freier Journalist in München