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30.03.1990

Reisenach Jerusalem

Die Tatsache, daß sich mittlerweile nahezu alle Nicht-IBM-Anbieter in dem Bekenntnis zu offenen Systemen einig sind, kann nicht als Indiz fürzunehmenden Wettbewerbsdruck auf die IBM gewertet werden - zu unterschiedlich sind die Interessen der Konkurrenten, zu sehr sind alle noch Vergangenheit beschäftigt. Wenn also Druck ausgeübt wird, dann von den Anwendern. Und die IBM hat reagiert. Mit dem RISC-System /6000 setzt der Mainframe-Monopolist zwar nicht mehr auf Industriestandards Marke Eigenbau, sondern auf AIX, sprich: Unix, und aufBrute-force-Methoden, die er im Preiskampf anwendet Was die Wirkung auf den Wettbewerb betrifft, dürfte ohne Zweifel das gleiche Ziel erreicht werden.

Unsere Überschrift zu der Grafik auf Seite 1 ("In der DV herrscht nur einer: IBM") soll denn auch ausdrücken, wie es um die Branche insgesamt bestellt ist: Während Big Blue unbeirrt seine Bahn zieht, spielen die anderen "Reise nach Jerusalem". Zuletzt war für Nixdorf kein Stuhl mehr frei. Wenn es zu der Siemens-Nixdorf-Fusion kommt, woran niemand zweifelt, wird es einen DV-Anbieter weniger geben. Fragt sich nur, welchen?

Den Beleg für die Übermacht der IBM, das Schaubild samt Zahlenmaterial, lieferte pikanterweise der Siemens-Geschäftsbereich Daten- und Informationssysteme (DI) selbst - als wollte man eigenhändig widerlegen, was doch noch als Argument für die Fusion herhalten soll: daß nämlich durch die Zusammenlegung der DV-Aktivitäten von Siemens und Nixdorf ein deutscher "Weltmarkt-Player" entsteht. Davon kann keine Rede sein - das wissen natürlich die Verantwortlichen in München, die dafür bekannt sind, zumindest Zahlen richtig interpretieren zu können. Tacheles zu reden, fällt ihnen offensichtlich schwer.

Vielleicht erwarten wir diesbezüglich von den Siemens-Datenverarbeitern auch zuviel. Vielleicht wissen sie selbst nicht, wie sie sich als Ehekandidaten verhalten sollen. Die DI-Mitarbeiter werden ja, so sieht es das Fusionskonzept vor, aus dem Konzernschoß der Siemens AG entlassen. Ihnen wird sogar zugemutet, sich vorübergehend als Mitarbeiter der Nixdorf Computer AG zu fühlen. Mental ist das gewiß nicht leicht zu verkraften. Auch in einer zukünftigen SNI-Gesellschaft werden sie ja keine Siemens-Mitarbeiter mehr sein, sondern einer Siemens-Tochter angehören.

Schwer zu glauben, daß dies nicht zu einer Verunsicherung unter den DI-Leuten führt. Wenig hilfreich scheint da, daß sich die DI-Chefs nach außen forsch geben ("Weltmarkt-Player"). Noch ist keineswegs sicher, daß die SNI-Verschmelzung im Sinne einer Identitätsfindung gelingt. Und dann gibt es ja noch die IBM. Es ist an der Zeit, offen miteinander zu reden.