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28.08.1998 - 

Fusion unter Mittelständlern

Rembold + Holzer und BIW gehen zusammen

Mit einem kumulierten Umsatz von rund 160 Millionen Mark und 750 Mitarbeitern wähnt sich das neue Unternehmen auf Platz acht in der Rangliste der deutschen Softwarehäuser. Unter den reinen Standardsoftware-Anbietern, so betont Thomas Holzer, Mitbegründer von Rembold + Holzer, stehen nur SAP und Baan vor dem Duo, das zusammen rund 1200 Kunden aus dem Mittelstand betreut.

Holzer wird zusammen mit seinem langjährigen Kompagnon Kurt Rembold und dem BIW-Gründer und Mitgesellschafter Helmut Polzer den dreiköpfigen Vorstand von Brain International bilden. Wer als Sprecher fungieren wird, ist noch nicht abschließend geklärt - allerdings schlägt Polzer im CW-Gespräch schon einmal Kurt Rembold für dieses Amt vor.

Gelten die Geschäftsanteile als Maßstab, würde diese Entscheidung Sinn machen. Rembold + Holzer trägt mit 55 Prozent, die BIW mit 45 Prozent zur Unternehmenssubstanz bei. Damit halten Kurt Rembold und Thomas Holzer je 27,5 Prozent an der neuen Gesellschaft, während sich Helmut Polzer mit 15 Prozent begnügen muß. Er teilt sich die BIW AG mit der Schitag Ernst & Young Unternehmensberatung und der IBM Deutschland GmbH, die je ein Drittel der Anteile besitzen und nun ebenfalls zu 15 Prozent an Brain beteiligt sind.

Den Partnern geht es darum, die kritische Größe zu erreichen, mit der ein Softwarehaus die kostspielige Produktentwicklung vorantreiben und trotzdem am Markt bestehen kann. Marktforscher sagen kleineren Anbietern betriebswirtschaftlicher Standardsoftware seit langem große Probleme vorher. Erklärte Gegner von Brain sind die Großen der Branche: SAP, Baan und J.D.Edwards.

"Wir bekommen wichtige Assets dazu, ohne sie kaufen zu müssen", freut sich Thomas Holzer über den Deal. Gelder seien bei der Transaktion nicht geflossen. "Wir steuern unsere Vertriebskompetenz, eine intakte internationale Infrastruktur sowie Branchenkompetenz in der Automobilzuliefer-Industrie bei. BIW hat das technologische Know-how, mit dem wir für die Zukunft planen können", beschreibt der Mittelständler den erhofften Synergieeffekt.

In der Tat scheint diese Lösung für R + H nicht die schlechteste. Die Standardsoftware ist zwar im Automobilsektor anerkannt und funktional vollständig, doch technisch hinken die Softwerker hinterher. Das Produkt ist großteils in der veralteten Sprache RPG geschrieben, ein sanfter Übergang in eine technologisch neue Welt ist überfällig - ohne daß Bestandskunden verprellt werden.

Ursprünglich plante R + H, die Software mit grafischer Benutzeroberfläche zu versehen und noch eine Weile zu vermarkten. Parallel sollten die einzelnen Module nach und nach auf Client-Server-Technik umgestellt und für die Win- dows-NT-Welt verfügbar gemacht werden - beginnend mit dem Modul "X-Zulief", das 1999 herauskommen soll. Dieser Kraftakt, für den R + H gewonnenes Know-how aus den IBM-Partnerprojekten MAS/2000 und San Francisco nutzen wollte, hätte ein Vermögen gekostet.

Nun haben sich die Pläne geändert, die Software wird mit der BIW-Lösung Brain verschmolzen. Die Weinstädter haben spätestens seit der Übernahme des AS/400-Softwarepakets "MAS/90" von IBM Erfahrung darin, veraltete Applikationen mit Hilfe objektorientierter Werkzeuge zu modernisieren (Wrapping) und in eine zeitgemäße Software-Umgebung einzubetten.

Im Rahmen der "Brain"-Produktpalette sollen nun alle Produkte einschließlich der MAS/90-Module und der R + H-Anwendungen unter einem Namen zusammengeführt werden. Nach und nach tauscht die Softwareschmiede die einzelnen nach objektorientierter Methodik verkapselten RPG-Bestandteile gegen veritable OO-Komponenten aus. Anwender sollen von diesem Modernisierungsprozeß nichts merken.

Offenbar findet die BIW mit dieser Fusion nach turbulenten Jahren in ruhigere Gewässer zurück. Das Unternehmen war noch vor zwei Jahren ein Systemhaus-Partner der SAP. Damals stieg die Schitag Ernst & Young Unternehmensberatung mit 60 Prozent bei den Softwerkern ein, um das Know-how der BIW für den Ausbau des eigenen SAP-Geschäfts zu nutzen.

Die Berater lösten das SAP-Geschäft schon bald aus der BIW heraus und reduzierten ihren Anteil auf ein Drittel. Ein weiteres Drittel übernahm die IBM, die in der BIW nach langer Suche einen Abnehmer für ihr wenig erfolgreiches MAS/90-Geschäft fand. Unternehmensgründer Helmut Polzer erwarb ebenfalls ein Drittel der Anteile und feierte als Vorstandssprecher sein Comeback in der deutschen Softwareszene.