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08.01.1982 - 

Dialogisierte Vertriebsorganisation mangels eines verfügbaren Serienprodukts selbst entwickelt:

Remote-Updates und Systemdiagnosen

DÜSSELDORF (je) - Da die Düsseldorfer Walther Flender GmbH manuelle Rechnungsschreibung und Karteiführung bei wachsendem Sortiment und Kundenstamm als immer unzureichender empfand, suchte sie Abhilfe bei der EDV, fand zu ihrer eigenen Überraschung jedoch kein Turnkey-System am Markt, das ohne größeren Anpassungsaufwand hätte eingesetzt werden können. Aus diesem Grund, berichtet Flenders EDV-Chef Arno Kiwus, schalteten die Düsseldorfer die Gesellschaft für elektronische Informationsverarbeitung (GEI) GmbH, Aachen, ein.

Flender vertreibt über acht Geschäftsstellen im Bundesgebiet Produkte der Antriebstechnik, insbesondere für Zahnriemenantriebe, Kupplungen und Getriebe und beliefert Kunden aller Branchen und Größenordnungen. Bei den rund 13 000 verschiedenen Artikeln, die man bei Flender bislang gezählt hat, handelt es sich manchmal auch um Spezialanfertigungen.

Austausch-Artikel

Die Düsseldorfer hielten nun nach Systemen Ausschau, die den Gegebenheiten ihrer Vertriebsorganisation gerecht werden und Auftragsbearbeitung und Lagerhaltung im Dialog bieten sollten. Zu den Gegebenheiten gehörten

-mehrere Läger, zwischen denen Artikel austauschbar sein müssen,

-mehrere Kategorien von Artikeln: lagermäßig geführte kommissionsgebundene Sonderartikel und Teile, die noch nachgefertigt werden müssen,

-Berücksichtigung von Mehr- und Minderlieferungen in gewissem Rahmen,

-Verpflichtung zur pünktlichen Anlieferung, gegebenenfalls das Zulassen von Teillieferungen.

Lager-Leichen

Darüber hinaus sollte den Sachbearbeitern einiges an Arbeit abgenommen werden. Vier Grundfunktionen waren zu realisieren:

1. Im Auftragsdialog sollte aus dem Kundenauftrag heraus die Bestätigung, die Rechnung und das Updating des Lagerbestandes in einem Arbeitsgang durchführbar sein. Weiter sollte für kommissionsgebundene Artikel durch bloße Eingabe einer Lieferantennummer die Bestellung automatisch getätigt werden.

2. Im Bestelldialog sollte der Rechner für lagermäßig geführte Artikel ein "Vorschlagsrecht" besitzen: Ist bei einem Artikel der Mindestbestand unterschritten, sollen Alternativen aufzeigen, was mit welcher Lieferzeit und zu welchem Preis wo bestellt werden könnte. Nach manueller Prüfung und Änderung erfolgt die Bestellung dann automatisch.

3. Im Artikeldialog hatte jeder Artikel eine dreistellige Gruppennummer und eine Reinbezeichnung zu erhalten, die auch Kunde und Lieferant verstehen; außerdem war der Bedarf an diesem Artikel zu definieren.

4. Im Wareneingangsdialog war der Lagerbestand und der Einstandspreis zu aktualisieren, ein Mischpreis aus altem und neuem Warenwert zu bilden und Kommissions- und Sonderartikel sofort dem richtigen Kunden zuzuordnen. Minder- und Mehrlieferungen waren zu akzeptieren, damit "Leichen" im Lager vermieden würden.

Nach den Vorstellungen der Düsseldorfer mußte das System aber noch mehr leisten Täglich und wöchentlich - auf verschiedenen Dringlichkeitsstufen - waren Terminnachläufe durchzuführen. Falls eine Lieferung nicht vollständig erfolgen könnte, müßte auch Teillieferung möglich sein - entschieden vom Sachbearbeiter anhand eines Journals, das nachdem Terminnachlauf auszudrucken wäre.

Ein anderer Terminnachlauf über die Bestelldatei müßte automatisch säumige Zulieferer anmahnen. Außerdem wurde eine Reihe von Statistiken für die Kundenbetreuung benötigt. Nach Umsatz, Umsatzentwicklung, Branche und ähnlichen Kriterien geordnet, sollten schließlich Kundenlisten erstellt werden können.

Obwohl, wie Kiwus meint, dieses Aufgabenfeld für einen Rechner keineswegs weit hergeholt schien und man fest davon überzeugt war, daß ein Großteil anderer Vertriebsorganisationen mit gleichen Problemen kämpft, suchte man auf dem Markt vergeblich einen geeigneten Rechner zuzüglich gewünschter Software. Kiwus: "Es blieb uns keine Wahl, als selbst - unterstützt von einem Softwarehaus - ans Analysieren und Programmieren zu gehen."

Up- and Downgrade

Heute steht ein GEI 4896-Rechner bei Flender. 512 KB Hauptspeicher und 96 MB Platte, verwaltet vom Betriebssystem MIBS, lassen nach Kiwus' Darstellung die Auftragsbearbeitung von vier Terminals aus und gleichzeitig Listenerstellung oder Kompilation zu. Zwei gespoolte Drucker (600 Zeilen pro Minute) erlauben tägliche Journalerstellung von Lagerbewegungen, Aufträgen und Waren mit Einstandspreisen und Gewinnspannen, außerdem das Drucken der Auftrags- und Bestellformulare.

Die Datensicherung - so Kiwus weiter - geschieht mit zehn MB pro Minute über den "Microstreamer" auf Magnetband. Ein Akustikmodem erlaubt Ferndiagnose und Software-Updates ohne Fahr- und Wartezeiten von der GEI-Zentrale in Aachen aus. Wesentlichen Anteil an der Entwicklung dieses Systems hatte Systemanalytiker Michael Halbach von der GEI-Tochter "Rechnersysteme".

Wie Kiwus abschließend kommentiert, glaubt man bei Flender jetzt, nach sieben Monaten Erfahrung mit der beschriebenen Konfiguration, ein Paket aus Anwendungssoftware und nach oben und unten anpassungsfähiger Hardware zu besitzen, das in der Branche "Vertrieb" gute Vertriebschancen hat.