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19.10.1990 - 

Hewlett-Packard setzt künftig verstärkt auf Kundennähe

Reorganisation soll Geschäft mit PCs und Workstations beleben

PALO ALTO/BÖBLINGEN (CW) - Die vor zwei Wochen angekündigte Reorganisation des DV-Bereichs soll dem schwächer werdenden Rechnergeschäft der Hewlett-Packard Inc. wieder auf die Beine helfen. Der für die neue Struktur verantwortliche langjährige HP-Chef John Young (58) wird sich demnach die Bürde des CEO in Zukunft mit dem bisherigen Chief Operating Officer, Dean Morton, teilen.

Lewis E. Platt (49) und Richard Hackborn (53) - beide als mögliche Young-Nachfolger gehandelt - werden den jetzt eingerichteten Divisions "Computer Systems" und "Computer Products" vorstehen. Vertrieb und Produktion sollen dabei künftig den beiden neuen Divisions zugeordnet werden. Platt, bisher General Manager und für PCs, Workstations, Peripherie sowie Systemlösungen zuständig, steigt mit der Verantwortung für die "Computer-Systems-Organisation" zum Executive Vice-President auf. Ihm obliegt nun der Computerdirektvertrieb von Workstations, Mehrplatzsystemen (HP 3000 und 9000), Netzwerken undtechnisch-wissenschaftlichen Anwendungen sowie das Marketing für diesen Bereich.

Hackborn, bisher wie Platt General Manager und für das Peripherie-Geschäft verantwortlich, erhält ebenfalls höhere Weihen. Er steht als Vice-President der "Computer-Products-Organisation" vor, die PCs, Peripherie und Speichersysteme umfaßt. In seine Verantwortung fallen auch Marketing und die Betreuung der Händlervertriebskanäle.

Der bisherige dritte Rechner-Sektor "Network Systems", für den Doug Chance in seiner Funktion als Vice-President verantwortlich war, ist in den neuen Bereichen aufgegangen. Chance hat das Unternehmen inzwischen verlassen und wird neuer President und Chief Executive Officer bei der Octel Commuications Corp., mit der HP bereits seit längerem eine "strategische Allianz" unterhält.

Der "Reformator" Young bestritt gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal" daß die Einrichtung des CEO-Office, das er sich mit Dean Morton teilen will, die erste Maßnahme für seinen baldigen Ausstieg sei: "Chief Executives ernennen nicht einfach ihren Nachfolger und gehen dann", sagte er. Vielmehr sei das CEO-Office eingerichtet worden, um Morton, dessen Job durch die neue Organisation praktisch überflüssig werde, eine Möglichkeit zu geben, seinen Beitrag für das Unternehmen auch weiterhin zu leisten.

Das Führungsduo steht jedenfalls vor der schweren Aufgabe, den sich abschwächenden Absatz von PCs und Workstations wieder zu erhöhen. Wie ernst die Lage ist, zeigt eine kurze Meldung im englischen Branchendienst "Computergram": Demnach hatte HP im September einen noch geringeren Auftragseingang zu verzeichnen als im branchenüblich schwachen Monat August. Gleichzeitig muß die Konzernführung aber die wirtschaftliche Flaute in den USA berücksichtigen, das heißt, die Ausgaben in den Griff bekommen. Erstes Ergebnis dieses neuen Kostenbewußtseins scheint die nachweihnachtliche Ruhepause bis Neujahr zu sein, die HP seinen verschiedenen Unternehmungen in den USA verordnet hat - eventuell seien auch die Dependancen in Übersee betroffen, hieß es im "Wall Street Journal". Während dieser Frist soll lediglich an den vordringlichen Forschungsprojekten weitergearbeitet werden. Ansonsten sind nur direkt mit Kunden in Kontakt stehende Abteilungen angewiesen, ihre Türen offen zu halten.

Auf welche Weise der Meßtechnik- und Computerkonzern die Umstrukturierungen in Europa - speziell in seiner deutschen Dependance - verwirklichen will, ist nach Aussage von Pressesprecher Rolf Deipenwisch noch nicht geklärt: "Im Moment findet zwischen der Genfer Europazentrale und Palo Alto eine rege Kommunikation statt, weil sich die Kollegen in Genf ein Konzept überlegen, wie man die veränderte Organisation in Europa umsetzen kann. Konkrete Pläne für Böblingen liegen allerdings im Moment noch nicht vor." Man werde wohl zum 1. November 1990, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres, klare Strukturen haben.

Für ihn reagiert der Konzern mit den Veränderungen auf aktuelle Marktgegebenheiten: "lnnerhalb der vergangenen zwei Jahre hat sich durch die Einbindung von Händlern und Drittanbietern eine Menge getan. Jetzt versuchen wir, Systeme im Markt zu etablieren, wobei unsere eigene Vertriebsmannschaft und zum Teil auch unsere Partner die Implementierung betreuen sollen." Dagegen werde, so der Pressemann weiter, das Massengeschäft (PC und Peripherie) sehr stark über dritte Kanäle laufen. "So können wir unsere Leute stärker im Systemgeschäft focussieren und haben damit die Möglichkeit, näher an den Kunden heranzukommen", erklärt er die Vorteile des Konzepts.

Spekulationen in "Computergram", denen zufolge in HPs Zentrum für Workstations (Fort Collins, Colorado) 1300 Arbeitsplätze bedroht seien, konnte Deipenwisch nicht bestätigen: "In den Ankündigungen von John Young ist das so nicht vorgesehen. Wir werden versuchen, das Ganze über die normale Fluktuation zu regeln." Allerdings räumte er ein, daß in der nächsten Zeit nicht mit "großen Neueinstellungen" zu rechnen sei.

Im Zuge der HP-Reorganisation kamen auch der Sektor "Electronic Instruments" und die "Microwave-and-Communications"-Gruppe nicht ungeschoren davon. Ihnen wurde die "Test- and Measurement-Organisation" übergestülpt, die die Aktivitäten dieser Bereiche koordinieren soll.