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05.07.1991 - 

Mitarbeiter sagen dem Management den Kampf an

Reorganisation soll IBM-Partner DOS Software vor dem Aus retten

MÜNCHEN (hv) - Trouble bei der Wiesbadener das Software GmbH: Nachdem sich der Geldgeber, die Müpro GmbH in Hofheim, zurückgezogen hat, ist das mittelständische IBM-Softwarehaus zur Reorganisation und zu einem personellen Aderlaß gezwungen. Mitarbeiter wollen jedoch dem Geschäftsführer einen Strich durch die Rechnung machen.

Becker Software GmbH, ZHS und Pedas, so lauten die Namen der drei neu gegründeten Firmen, die im Zuge einer Umstrukturierung aus der das Software GmbH hervorgegangen sind. Die Häuser entwickeln und vermerkten die DOS-Produkte für Personalabrechnung, Zeitwirtschaft und Personalplanung weiter - allerdings mit einem deutlich geringeren Aufwand an Vertriebs- und Administrationspersonal. Die Beschäftigten stammen ebenso wie das Management überwiegend aus der das Software GmbH, wo sie nach Angaben von Geschäftsführer Egbert Becker "Leistungsträger" in den Bereichen Entwicklung und Service waren.

Das Nachsehen haben Angestellte aus Vertrieb und Verwaltung, die den Konsolidierungsmaßnahmen zum Opfer fielen: "Mitte Mai wurde uns von Herrn Becker beziehungsweise von den entsprechenden Abteilungsleitern mitgeteilt, daß die das Software GmbH von 109 auf 14 Mitarbeiter heruntergefahren werden sollte", erläutert ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.

Kurz darauf habe die Unternehmensleitung bekanntgegeben, in einem Management-buyout-Verfahren drei neue Unternehmen zu gründen, in denen die wichtigsten Programmpakete des Softwarehauses weiter angeboten werden sollten. Etwa 40 bis 50 der ehemaligen Mitarbeiter wurden übernommen. Die das Software GmbH selbst sollte so schnell wie möglich geschlossen werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, so berichtet ein Mitarbeiter, hat sich die Geschäftsführung intensiv darum bemüht, die Arbeitsverträge bis zum 30. Juni 1991 rückwirkend aufzukündigen, allerdings ohne Erfolg. Abfindungen waren in Aussicht gestellt worden, die "so lächerlich gering" gewesen seien, "daß einige Leute nicht mitgezogen" hätten. Sechs Mann, so bestätigt Geschäftsführer Becker, stehen noch immer auf der Payroll der alten das Software GmbH. Die Mitarbeiter beharrten auf ihren Kündigungsfristen, die bis zum 30. September 1991 und darüber hinaus laufen.

Zudem wird derzeit die Gründung eines Betriebsrates angestrengt, mit dessen Hilfe die verbliebenen Arbeitnehmer ihre Rechte sichern wollen, Geschäftsführer Becker glaubt nicht mehr daran, daß die das Software GmbH noch in diesem Jahr aufgelöst werden kann, zumal auch noch diverse Verhandlungen mit Geschäftspartner IBM und verschiedenen Lieferanten ins Haus stünden.

Innerhalb der DOS-Unternehmensgruppe ist inzwischen eine absurde Situation entstanden: "Die Holding hat die Lizenzen für die Produkte schon an die drei neuen Unternehmen vergeben, die Bezahlung der Lizenzen soll aber erst 1992 erfolgen, so berichtet ein Mitarbeiter. Die Angestellten, die ihren Arbeitsvertrag mit der das Software GmbH noch hätten, würden derzeit an eine der drei neuen Firmen ausgeliehen. Dabei leitet Egbert Becker nicht nur die neue Becker Software GmbH, die das Hauptprodukt "Doslib.Loga" weiter vermarkten will, sondern auch noch die das Software GmbH.

Haben wirtschaftliche Schwierigkeiten das Wiesbadener Softwarehaus in die Knie gezwungen? Geschäftsführer Becker verneint, obwohl er bekennen muß, daß sein Unternehmen in den vergangenen Jahren alles andere als profitabel wirtschaftete. Ursache allen Übels sei das extrem expansive Konzept gewesen, das zu überproportional steigenden Vertriebskosten geführt habe. Nachdem der ehemalige Geschäftsführer Hans-Peter Rohn, der diesen Ausbau des Unternehmens maßgeblich betrieben habe, gegangen sei, habe man nun die Restrukturierung im Vertriebsbereich in die Wege geleitet.

Die ist vor allem deshalb nötig geworden, weil sich der Investor, die Hofheimer Müpro GmbH, ein Spezialist für Befestigungs- und Schallschutzsysteme, nach dreijährigem Engagement von der das Software GmbH abgewandt und sein Kapital abgezogen hatte. Das Engagement von Müpro, so die vorsichtigen Erläuterungen Beckers, sei einerseits im Zusammenhang mit einem Abschreibungsmodell zu sehen, andererseits habe der Müpro-Geschäftsführer aber durchaus auch auf eine Rendite gehofft. Kapital sei in die das Software GmbH ein. geflossen, damit das Unternehmen seine Marktposition ausbauen könne - später, so die Planung, sollte dann der Gewinn eingefahren werden.

In Schwierigkeiten geraten sei sein Unternehmen in erster Linie wegen des personellen Overheads und - wie viele andere IBM-Softwarepartner auch - wegen des bestehenden Vertrages mit der IBM: "Die haben uns ziemlich gebeutelt, die Herren von IBM", klagt Becker. 600 000 Mark jährlich habe sein Unternehmen an Lizenzgebühren für das Großrechner-Betriebssystem MVS aufbringen müssen; IBM mache im Gegensatz zu Siemens-Nixdorf keinen Unterschied zwischen den Lizenznehmern. Von Großunternehmen werde die gleiche Summe verlangt wie von mittelständischen Softwarehäusern.

Mitarbeiter des Unternehmens sehen die Gründe für die wirtschaftliche Lage ihres Arbeitgebers völlig anders: Es hat nie ein wirkliches Interesse daran bestanden zu gesunden; die Firma existierte zu Abschreibungszwecken", so ein aufgebrachter DOS-Mitarbeiter. Als Beispiel führt er die Geschäftsstelle Ratingen an, wo "nie irgend etwas funktioniert" habe.

"Ich habe Herrn Becker mehrmals gewarnt, aber es wurden keine Konsequenzen gezogen. Wenn so ein Kostenapparat immer weiter mitgeschleppt wird, dann besteht wohl zu Recht der Verdacht, daß man an Gewinnen nie interessiert war", so der wütende Mitarbeiter. Auch der rasche Wechsel der Geschäftsführer lasse darauf schließen, daß die Unternehmensleitung ihr Süppchen schon seit geraumer Zeit gemeinsam mit dem Investor koche, ohne Oberhaupt marktgerecht wirtschaften zu wollen.