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11.01.1991

Reputation kann man nicht kaufen

In der Computerbranche hat das Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen eines Herstellers neuerdings eine selbstkritische Bedeutung, nämlich: "Mir geht's auch nicht besser als allen anderen" - womit freilich nicht gesagt ist, daß die Mitleidsmasche auch Beweiskraft hat. Und man muß dabei nicht nur an die nach wie vor blendende Verfassung der IBM denken. Wie dem auch sei: Der Blick auf die krisengeschüttelte DV-Industrie diente der Mannesmann AG als Rechtfertigung, die Beteiligung an der glück- und erfolglosen Computertochter, der Mannesmann Kienzle GmbH, nach nicht ganz zehn Jahren abzustoßen. Das Übernahmegeschäft machte die Digital Equipment Corporation - ob es auch ein gutes ist, wird sich erst zeigen.

Daß nicht der japanische Mainframer Fujitsu in Villingen das Rennen machte, sondern der amerikanische Minicomputer-Spezialist DEC, muß doch einigermaßen überraschen. Verwunderung löst nicht das Ergebnis als solches aus, sondern die Begründung der Digital-Führung: Die Position von DEC auf dem deutschen MDT-Markt werde entscheidend verbessert. Die Mini-Macher müßten doch aus Erfahrung wissen, daß man Reputation nicht kaufen kann. Immerhin haben sie sich das Kienzle-Engagement einiges kosten lassen. Es handelt sich um den größten Deal in der DEC-Firmengeschichte. Gekauft hat Digital eine - zugegebenermaßen nicht unerhebliche - Anzahl treuer Kienzle-Kunden - diese wurden nicht gefragt.

Die Frage muß erlaubt sein, wie sich DEC die Zusammenarbeit in der neuen DV-Firma Digital-Kienzle Computersysteme GmbH & Co. KG vorstellt. Mit der Änderung der Eigentumsverhältnisse ist es ja nicht getan. "Wir wissen, daß wir eine richtige Entscheidung getroffen haben und gehen mit einem starken Partner ins neue Jahr", teilt die Mannesmann-Kienzle-Geschäftsleitung den Kunden in einem Rundschreiben mit (Seite 1: "Kienzle-Krise symptomatisch für die gesamte DV-Industrie"). Gewiß, die Situation hat sich geklärt. Aber müssen die starken Worte von einem starken Partner den Kienzle-Anwendern nicht irgendwie bekannt vorkommen? Wurde nicht, als Mannesmann vor neun Jahren einstieg, ganz ähnlich argumentiert?

Es erübrigte sich eigentlich die Frageform. Die Antworten sind bekannt. Die finale Frage muß gestellt werden: Auf welche Anbieter ist zukünftig noch Verlaß? Es ist ja kein Zufall, daß just von DEC magere Ergebnisse gemeldet werden (siehe CW Nr. 51/52 vom 21. Dezember 1990, Seite 1: "Digital-Mitarbeiter befürchten Entlassungen zum Jahresanfang"). Der Konzentrationsprozeß in der DV-Industrie ist längst noch nicht abgeschlossen. Anwender, die auf offene Systeme setzen, können dieser Entwicklung gelassen entgegensehen. Das Scheitern eines Herstellers reißt sie nicht mit in den Strudel. Dennoch: Viel Glück, Digital-Kienzle!