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Wunsch nach höherer Performance, aber Angst vor Umstellung:


08.01.1988 - 

Resonanz auf PS/2 noch zwiespältig

MÜNCHEN (cp) - Wie kommen die neue IBM-Systemfamilie PS/2 und das dazugehörige Betriebssystem OS/2 bei den Endanwendern an? Ergebnis in den USA: Die zweite PC-Generation ist weit vom Erfolg des Original-PC entfernt.

Fazit einer Umfrage in Großbritannien: Der überwiegende Teil der Großunternehmen befürwortet den Einsatz von OS/2. Bundesdeutsche Anwender zeigen sich teils zurückhaltend und verunsichert, teils euphorisch und kauflustig.

In den Vereinigten Staaten sind MIS-Profis der Ansicht, die Personal-System-/2-Linie werfe eine Reihe verwirrender und herausfordernder Fragen auf, mit denen sich die PC-Welt erst noch intensiv auseinandersetzen müsse, ermittelte die CW-Schwesterzeitung COMPUTERWORLD. Auch seien sie sich einig darüber, daß der Weg weiter in Richtung 80286- und 80386-Systemen gehe und daß sie ihn auch ohne die Einflußnahme von IBM gegangen wären.

Die Befürchtungen der Informationsmanager beziehen sich auf fünf Gebiete: Preis/Leistung, Betriebssystem, Multitasking, Anwendungssoftware und Konnektivität. Die PS/2-Modelle bieten für viele keine besonderen Preis/Leistungs-Verbesserungen oder -Vorteile gegenüber der Gruppe der 286- und 386-Systeme sowie der Kompatiblen. Zudem seien die Systeme am unteren Ende (25 und 30) nutzlos für Anwender, die auf OS/2 oder ein ähnliches Betriebssystem umsteigen wollten.

Sorge bereitet den Anwendern auch, daß OS/2 in seinem vollen Ausbau noch nicht verfügbar ist. Zum Thema Multitasking erklärten die DV-Profis, daß viele ihrer Anwender ein Betriebssystem mit solchen Fähigkeiten schlichtweg nicht benötigten und damit nichts anzufangen wüßten. Steve Ikard, ein LAN-Berater in San Francisco, schätzt, daß nur etwa 5 von 100 Benutzern Multitasking benötigen. Auch stellten die MIS-Manager den Wert von PS/2 und OS/2 in Frage angesichts der Tatsache, daß es dafür noch keine Anwendersoftware gibt.

Beklagt wird ferner der Mangel an Anbindungsmöglichkeiten von PS/2 an bestehende LANs und Hosts wegen fehlender Add-in-Boards. Viele DV-Abteilungen wollen nicht darauf warten, bis IBM und Microsoft ihre PS/2- und OS/2-Versprechungen wahrmachen, sondern konzentrierten sich auf Equipment, das bereits verfügbar ist.

Eine Umfrage des britischen Marktforschungsinstituts Market Opinion & Research International Ltd. bei 120 Angestellten von Unternehmen und Behörden brachte erfreulichere Ergebnisse für IBM. Zwei von fünf Befragten erwarten demzufolge, daß ihr Unternehmen im Zeitraum von drei Jahren durchaus OS/2-Applikationen fahren wird. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet sogar damit, daß innerhalb von fünf Jahren mehr Anwender OS/2-Anwendungen haben werden als DOS-Applikationen. Als Gründe für die Zurückhaltung gegenüber der Implementierung des neuen Betriebssystems nannten die Marktforscher die Komplexität von OS/2 und die Notwendigkeit zur Umschulung.

Die auch zu registrierende Euphorie für OS/2 kann laut PC Business World damit erklärt werden, daß viele Benutzer mit der derzeit verfügbaren Software unzufrieden sind. Ein PC-Verantwortlicher bei einer größeren britischen Bank ist der Meinung, daß "eine Menge Geld" in OS/ 2 investiert werde, wenn die erweiterte Version erst auf dem Markt ist. Andere äußerten sich weniger optimistisch; sie befinden sich in Wartestellung. Der durchschnittliche User sei zufrieden mit einer einzigen Anwendung, brachte es John Richards, Mitarbeiter der International Bank of Japan, auf den Punkt. Für diese Zielgruppe werde der Presentation Manager nicht von Nutzen sein. Befragt nach einer "OS/2-Strategie", gab lediglich ein Prozent an, umgehend umsteigen zu wollen. Weitere 29 Prozent sagten, sie würden nach und nach von das auf die neue IBM-Systemsoftware migrieren, und 40 Prozent wollen OS/2 nur für spezielle Anwendungen einsetzen. Insgesamt 19 Prozent erklärten, sie würden bei das bleiben.

In der Bundesrepublik reicht das Spektrum der Meinungen über PS/2 von verhaltener Skepsis oder Gleichgültigkeit bis hin zu ungeduldiger Erwartung ob der Verfügbarkeit des von ausgebauten Betriebssystems. Viele Unternehmen erproben PS/2-Modelle und versuchen herauszufinden, wofür welches Gerät am besten geeignet ist.

Die Hussel Holding AG in Hagen hat dabei langfristig das SAA-Konzept der lBM im Auge und achtet darauf, daß die DV-Anlagen durchgängig sind. Getestet werden dort im Moment ein Modell 80 sowie einige Modelle 50 und 60. Das Unternehmen werde nach Vorliegen der Ergebnisse nur noch Systeme der PS/2-Familie kaufen, so der DV-Leiter Karl Bretz.

Andere Anwender wie die Gebrüder Hettlage KG in Münster sind zurückhaltender. Hans-Dieter Mühlenbeck, Informationsmansger des Hauses, will größere PS/2-Systeme erst dann kaufen, wenn bestimmte Software-Adaptionen verfügbar sind. Müblenbeck wäre nämlich nicht bereit, Desktop-Publishing auf einem Modell 30 zu fahren. Als Alternative zu den leistungsfähigeren PS/2s kommt für ihn Compaq in Frage.

Zurückhaltung übt das Münsteraner Unternehmen auch in bezug auf OS/2. Nach Ansicht von Mühlenbeck bietet es einzig Vorteile für Anwendungen wie DTP und CAD. Auch hält er nichts von Versprechungen jedweder Art, sondern will weiterhin dem Prinzip folgen, Werbesprüche erst einmal auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu prüfen. So glaubt er beispielsweise nicht daran, daß OS/2 auf einem PC AT eingesetzt werden kann, wie IBM das verkündet.

Bei dem IBM-Großanwender DVO, einer Tochter der Deutschen Babcock in Oberhausen, werden bereits zehn Modelle 60 hauptsächlich für CAD-Anwendungen, dezentrale Programmentwicklung und technische Programme auf dem PC eingesetzt. Dieter Hoss, zuständig für die Beschaffung von Hardware, geht davon aus, daß innerhalb der nächsten zwei Jahre 50 oder mehr Systeme der oberen PS/2-Leistungsklasse (60 und 80) gekauft werden. Als Software-Entwickler ("Urus") arbeitet die DVO bereits mit einem Development-Kit von OS/2, um die eigene Software schnellstmöglich OS/2-fähig zu machen.

"Wir warten nun besonders auf die angekündigte Version von OS/2 in ihrer ganzen Funktionalität", sagt Dieter Hoss. Sehr stark fehle ihnen auch noch Zubehör wie Adapterkarten für Token-Ring, die bei IBM und damit auch bei den Händlern kaum verfügbar seien.

Nicht viele Unternehmen präsentieren sich so in den Startlöchern Unsicherheit und Skepsis darüber, ob bestehende Applikationen auf PS/2 lauffähig sind oder ob OS/2 auch auf Kompatiblen verwendet werden kann, sind längst nicht ausgeräumt.

Auch für die Deutsche Shell in Hamburg ist das Personal System /2 noch eine Unbekannte, die erst noch getestet und evaluiert werden muß wie Wolfgang Tiemeier, zuständig für die Planung der Informationstechnologien, das formuliert. Eines der Hindernisse, mit fliegenden Fahnen zu PS/2 zu wechseln, sei auch die Lieferzeit für das Betriebssystem Bei der Shell sind rund 200 PCs im Einsatz. Verständlich, daß Tiemeier bei dieser Größenordnung vor einer Umstellung zurückschreckt beziehungsweise auf Nummer Sicher gehen will.