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09.11.1990 - 

Strukturierte Verkabelung macht

Ressourcen-Management Leichter

Verkabelungssysteme erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Unternehmen,

die über eine heterogene DV-Struktur verfügen. Daß ein Verkabelungssystem

kein Allheilmittel zur Lösung struktureller Probleme, sondern lediglich ein - wenn auch wichtiger - Baustein für ein einheitliches Information-Resource- Management ist, soll dieser Artikel verdeutlichen.

Heterogene DV-Strukturen führen zu vollen Kabelschächten und unterschiedlichen Endgeräten an den Arbeitsplätzen. Diese für jedermann sichtbaren Probleme lassen sich durch die Installation eines Verkabelungssystems elegant lösen. Oder sollte man besser sagen überdecken? Wenn sich nahezu jedes beliebige DV-System ohne große Schwierigkeiten an die physikalische Infrastruktur anschließen läßt, kann die historisch gewachsene DV-Struktur weiterhin bestehen bleiben.

Historisch gewachsene DV-Strukturen basieren auf historisch bedingten Organisationsstrukturen. In Industrieunternehmen beispielsweise ist häufig noch die klassische Aufteilung in kommerzielle und technische Datenverarbeitung anzutreffen. Für Telefon, Stromversorgung und zentrale Leittechnik ist meist eine andere Abteilung zuständig, zum Beispiel die Haus- und Grundstücksverwaltung. Letztere erhofft sich auch die meisten Vorteile von der Einführung eines Verkabelungssystems, nämlich die Entlastung der Kabelschächte und Kabeltrassen.

Ohne Verkabelungssystem hat jedes DV-System sein eigenes Kabel beziehungsweise Netz, und die betreffenden Abteilungen sind für den Betrieb ihres Netzes selbst verantwortlich.

Zuständigkeit muß vorab geklärt werden

Damit drängt sich sofort die Frage auf, in wessen Zuständigkeitsbereich ein Verkabelungs-System, grundsätzlich gestellt werden soll. Naheliegend ist die Antwort: Verantwortung trägt die Abteilung, die auch für Telefone beziehungsweise für die Stromversorgung zuständig ist. Was die rein passiven Komponenten des Systems angeht, beispielsweise Kabel und Rangierverteiler, mag diese Antwort genügen.

Was die zur Anpassung der DV-Systeme erforderlichen zusätzlichen aktiven Komponenten betrifft, die Ringleitungsverteiler oder Multiport-Repeater, ergibt sich die Frage der Zuständigkeit nicht von selbst. Es muß entschieden werden, ob diese Komponenten Bestandteil des Verkabelungssystems und damit der unternehmensinternen Kommunikations-Infrastruktur oder Teil der jeweiligen DV-Netze sind.

Ein Verkabelungssystem ist ein passives Gebilde und läßt sich daher - wenn Oberhaupt - nur sehr schwierig in das Netzwerk-Management eines bereits vorhandenen DV-Systems integrieren (siehe CW Nr. 18 vom 4. Mai 1990, "Netzwerk-Management fängt schon bei Schicht null an"). Diese Tatsache und die im Unternehmen bestehende Organisationsstruktur dürften dazu führen, daß die aktiven Komponenten als Teil der jeweiligen DV-Netze betrachtet werden.

Für die unternehmensinterne Kommunikations-Infrastruktur wären nach diesem Modell weiterhin mehrere Abteilungen zuständig, beispielsweise die technische Datenverarbeitung für das Ethernet-Netz und damit die Multiport-Repeater, die kommerzielle Datenverarbeitung für das Token-Ring-Netz und damit die Ringleitungsverteiler und schließlich die Haus- und Grundstücksverwaltung für das Verkabelungssystem, das heißt für die Kabel und Kabeltrassen, die Verteilerschränke und die Verteilerräume. Nach diesem Modell dürfte die Zuständigkeit für die sich ständig vermehrenden PCs und PC-Netze im Unternehmen auch weiterhin unklar bleiben.

In der Planungsphase bereitet diese Konstellation keine Schwierigkeiten. Verkabelungssysteme müssen ohnehin von Anfang an flächendeckend geplant werden. Bei der Auswahl des Systems sind alle im Unternehmen vorhandenen und zukünftig geplanten Systeme zu berücksichtigen, so daß auch von dieser Seite keine Probleme zu erwarten sind. Im laufenden Betrieb hingegen stellen verteilte Zuständigkeiten ein Risiko dar, sofern nicht alle Beteiligten kooperativ zusammenarbeiten.

Beim Betrieb eines Verkabelungssystems gibt es diesbezüglich zwei besonders kritische Fälle:

- Die Durchführung von Schaltvorgängen, das heißt Änderungen der Kabelkonfiguration, sind gegebenenfalls mit der Installation oder Deinstallation von aktiven Komponenten verbunden.

- Die Beseitigung von Fehlern und Störungen erfordern eine schnelle Lokalisation der Fehlerquelle. Im ersten Fall sind flankierende organisatorische Maßnahmen erforderlich. Dies gilt auch dann, wenn die jeweiligen Abteilungen in der Vergangenheit reibungslos zusammengearbeitet haben. Es muß eindeutig geklärt sein, welche Abteilung unter welchen Bedingungen Schaltvorgänge vornehmen darf und welche nicht. Ebenso sind auch die Berichtswege eindeutig zu definieren, damit eine möglichst große Transparenz bezüglich des aktuellen Systemzustands erreicht wird. Ohne solche Festlegungen ist ein Konflikt zwischen den Beteiligten programmiert.

Der zweite Fall ist nur durch eine enge und reibungslose Zusammenarbeit der Beteiligten beherrschbar. Das beschriebene Modell eignet sich in diesem Fall hervorragend zur Austragung interner Kämpfe durch gegenseitige Schuldzuweisungen. Ohne integriertes Kabel- und Netzwerk-Management bleibt genügend Raum für Interpretationen, ob die Störung letztendlich durch ein defektes passives Bauteil verursacht wurde, beispielsweise durch Wackelkontakt in einem Steckverbinder, oder durch ein aktives Bauteil, zum Beispiel durch einen defekten Leitungstreiber eines Multiport-Repeaters. Fehlt dann auch noch eine übergeordnete neutrale Schlichtungsstelle, ist der weitere Betrieb des Verkabelungssystems in Frage gestellt.

Gezielte Organisation reduziert die Risiken

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß der Einsatz eines Verkabelungssystems ohne begleitende organisatorische Maßnahmen einige Risiken birgt, die möglicherweise den wirtschaftlichen Erfolg dieser Investition gefährden. Es stellt sich die Frage, ob durch ein anderes Organisationsmodell mögliche Risikofaktoren nicht schon von vornherein vermieden werden können.

Eine sinnvolle Alternative wäre die Etablierung einer Abteilung, die für die gesamte technische Kommunikations-Infrastruktur des Unternehmens zuständig ist, das heißt sowohl für die passiven als auch die aktiven Komponenten innerhalb des Verkabelungssystems. Die Schnittstellen zur Datenverarbeitung wären in diesem Fall die Anschlußdosen des Verkabelungssystem.

Bei diesem Modell richtet die Datenverarbeitung ihre Kommunikationsanforderungen in Form von Schnittstellen an die betreffende Abteilung, die dann diese Mittels eines Netzdienstes realisiert vergleichbar mit den Diensten der Deutschen Bundespost Telekom. Planung und Betrieb dieser Netzdienste liegen dann ausschließlich im Verantwortungsbereich dieser einen Abteilung.

Sprach- und WAN-Nutzung verbessert die Effizienz

Neben betriebstechnischen Vorteilen bietet das Modell auch noch einen wirtschaftlichen Zusatznutzen durch den effektiven Einsatz der vorhandenen Ressourcen. Wird der Zuständigkeitsbereich auch in bezug auf Telefone und Weitverkehrsnetze ausgedehnt, ist eine wichtige Voraussetzung für eine effiziente und wirtschaftliche Informationsverarbeitung erfüllt.

Das unternehmensweit einheitliche Information-Ressourcen-Management erfordert ein Umdenken bei allen Beteiligten und die Bereitschaft, historisch gewachsene Organisationsstrukturen in Frage zu stellen. Eine strukturierte Verkabelung mit Hilfe eines Verkabelungssystem ist der erste Schritt auf diesem Weg.

Claus Jochen Rohrlapper ist Berater und Projektleiter im Geschäftsbereich Telecom der SCS Informationstechnik GmbH, München.