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18.03.2005 - 

Kolumne

Retek kaufen. Sofort.

Man muss sich das wahrscheinlich so vorstellen: Oracle-Chef Larry Ellison sitzt am Frühstückstisch, schlägt das gebügelte "Wall Street Journal" auf und liest, dass die Krauts aus Walldorf das US-Softwarehaus Retek schlucken wollen. Entrüstet greift er zum Handy, holt seinen Chief Financial Officer aus dem Schlaf und bellt: "Wie viel Geld ist nach dem Peoplesoft-Kauf noch in der Kasse?" Nach erfreulichem Bescheid befiehlt er, sofort ein Gegenangebot an Retek zu unterbreiten. Dann ruft er seinen Chief Strategy Officer an und fragt: "Wer zum Teufel ist eigentlich Retek?"

Unterdessen zieht Bill Gates seine Runden im Pool des vernetzten Eigenheims und grübelt: "Wie lege ich meine Zinseinkünfte der vergangenen Woche an? Warentermingeschäfte? Melindas Stiftung? Ach was - ich kauf den Zoo von Seattle." Auch er greift zum Hörer, erwischt Steve Ballmer beim Golf-Abschlagstraining und erfährt: Groove Networks wäre für die Konzernstrategie hilfreicher. Collaboration-Software, würde in die Sharepoint-Strategie passen. Also kauft Microsoft Groove. Heute. Es hätte auch SAP sein können, wie wir wissen. Oder Ascential - nein, pardon, da hat ja IBM schon zugeschlagen.

Die Softwarebranche entwickelt in diesen Tagen schon eigenartige Züge. Die Big Player diktieren mit ihren prall gefüllten Taschen das Geschehen. Geht die Wachstumsdynamik im Stammgeschäft zurück, erfolgt kurzerhand der Einstieg in neue Märkte. Microsoft kauft sich in das ERP-Geschäft ein, Oracle schluckt für über zehn Milliarden Dollar Peoplesoft, Symantec übernimmt den Storage-Riesen Veritas.

Mühevoll erklären die Softwaremilliardäre Finanzanalysten und Kunden, warum diese Zukäufe in die Gesamtstrategie passen. Doch vor allem Letztere können nicht mehr folgen. Sie sehen die Risiken, die sich durch den Konzentrationsprozess im Markt ständig erhöhen. Investitionen in die Produkte kleinerer Anbieter sind unsicher geworden. Wer bei Peoplesoft, Retek, Veritas, Ascential oder Groove gekauft hat, weiß nicht, wo er morgen steht. Doch auch das Shopping bei den Marktführern macht weniger Spaß. Redundante Produktlinien werden vereinheitlicht, Anwender zu Migrationen gezwungen, die Preise nach Belieben gestaltet. Im Softwaremarkt sind die Wettbewerbsstrukturen aus den Fugen geraten. Man spielt Monopoly - allerdings zu ungleichen Bedingungen. Schlossallee und Parkstraße sind seit Jahren vergeben.