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03.05.1991 - 

Erweitertes Lizenzierungsprogramm angekündigt

Retix sieht sich an der Spitze des anhaltenden OSI-Siegeszuges

MÜNCHEN (CW) -"Open Systems Interconnection ist zur Realität geworden" - dieses Fazit zog die neugegründete deutsche Tochter des OSI-Software-Anbieters Retix bei ihrem Debüt im heimischen Markt. Das Unternehmen kündigte an, die ohnehin rasante Entwicklung hin zu OSI durch ein neues, weltweites Lizenzierungsprogramm weiter forcieren zu wollen. Zielgruppe: Alle Hersteller von Computer- und Kommunikationssystemen.

50 Millionen Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 1990, 19 profitable Quartale in Folge sowie eine jährliche Umsatzsteigerung um 100 Prozent, so lauten die Eckdaten einer Bilanz, die Guenter Krauss, Geschäftsführer der Retix Deutschland GmbH, für die gesamte Retix-Gruppe bekanntgab. Gut sechs Jahre nach Firmengründung betrachtet man bei dem weltweit tätigen OSI-Spezialisten das eigene Geschäftsergebnis auch als Parameter für den allgemein positiven OSI-Trend.

GOSIP wird zum OSI-Katalysator

"Das Rennen um OSI hat längst begonnen", stellte Kraus fest und machte für Retix geltend, als Initiator und Anbieter der ersten Stunde bei der Durchsetzung von OSI-Standards maßgebend mitgewirkt zu haben. Bei seinem kurzen Rückblick verwies der deutsche Retix-Statthalter unter anderem auf die Verfügbarkeit konkreter OSI-Produkte wie "PDN/Carrier X.400 Services" oder "Decnet Phase V". Als entscheidender Katalysator für die Durchsetzung von OSI erweise sich, so der Retix-Manager weiter, zunehmend der Normierungstrend bei Behörden und Regierungen, federführend sei hier vor allem das Regierungs-OSI-Profil (GOSIP) der Vereinigten Staaten.

Internationale Anforderungen der Wirtschaft haben in den letzten Jahren mit dazu beigetragen, daß sich Standards wie X.400 und FTAM endgültig etablieren konnten, hinzu gesellen sich zunehmend Industrie-Initiativen wie "NM Forum" und "Application Program Interface Association" (APIA). Alles in allem, so der Retix-Geschäftsführer in seinem euphorischen Resümee, sei aus der OSI-Fiktion Realität geworden, denn "man kann ein Produkt verkaufen, der Anwender kann es implementieren und hat einen Nutzen davon."

Um dem Anwender letztlich schnellere und umfangreichere Zugriffsmöglichkeiten auf OSI-Produkte zu ermöglichen, will das in Kalifornien beheimatete Unternehmen die Zusammenarbeit mit seinen Partnern intensivieren. Vorgestellt wurde das "Corporate OSI Partner Program", ein weltweites Lizenzierungsprogramm, das in Deutschland zum 1. Mai 1991 in Kraft treten soll und gegen eine einmalige Lizenzgebühr den Erwerb einer Softwarelösung vorsieht. Diese umfaßt alle unterschiedlichen Schichten des OSI-Referenzmodells. Auf der Basis dieses Pakets könnten nach Darstellung von Retix alle Kooperationspartner in kurzer Zeit OSI-Produkte unter eigenem Namen auf den Markt zu bringen.

Retix-Angaben zufolge nutzen derzeit bereits rund 180 Hersteller die OSI-Technologie der Amerikaner als OEM-Partner. Laut Krauss wurde das Technologietransfer-Programm als "unmittelbare Antwort auf

die entsprechende Nachfrage großer OEMs auf legt", vor allem "als im Vergleich zu Eigenentwicklungen kostengünstigere Basis für die Erweiterung der Produktpalette in Richtung Open Systems Networking".

Dabei können die Retix-Partner zwischen drei Produktfamilien wählen: einer Betriebssystem-unabhängigen portablen Softwarelösung, einer Unix und einer MS-DOS-Portierung. In jedem Fall erhält der jeweilige OEM laut Retix einen OSI-Softwaresatz als Quellcode. Darüber hinaus seien für die OEMs Binärcodeversionen für DOS und Unix auf PC-Basis verfügbar. Für Lizenz-Partner, die eine über die Softwarelieferung hinausgehende Unterstützung beispielsweise bei der Portierung auf bestimmte Zielrechner benötigen, wurde eine entsprechende "Special Project Group" in Dublin, Irland, eingerichtet.

Gleichzeitig kündigten die kalifornischen OSI-Verfechter die Erweiterung ihres internationalen "Open Server 400 Partner Program" auf den deutschsprachigen Raum an. Erklärtes Ziel: Die transparente Verknüpfung aller marktgängigen E-Mail-Systeme. Die spezifische Software auf X.400-Basis fungiert dabei als zentrale Konvertierungs- und Übertragungseinrichtung zwischen unterschiedlichen lokalen und verteilten Netzwerken.

Generell will man bei Retix dem deutschsprachigen Markt mehr Aufmerksamkeit widmen. Nachdem bisher die britische Retix-Niederlassung überwiegend das Deutschlandgeschäft abwickelte, ist nun die im Januar 1991 gegründete deutsche GmbH für den Vertrieb und Support in der Bundesrepublik, Osterreich und der Schweiz zuständig. Unterstützt wird die in Frankfurt ansässige Retix-Tochter dabei durch die Distributionspartner Adcomp, Garmhausen & Partner, Schneider & Koch sowie Wetronic.

Vertreter der genannten Retix-Partner unterstrichen bei der Gelegenheit unisono ihr volles Bekenntnis zu OSI, daß Adcomp-Geschäftsführer Michael Einbaus stellvertretend für alle mit der Feststellung umschrieb: "Im Gegensatz zu TCP/ IP ist OSI eindeutig definiert". Bei soviel Harmonie fiel es Retix-Vertreter Krauss schwer, noch eine Steigerung zu finden. Als zusätzlichen Erklärungsfaktor für den OSI-Siegeszug machte der GmbH-Chef dann den zunehmenden Trend zu dezentralen, vernetzten Firmenstrukturen geltend, der entsprechend offene Lösungen erfordere. So gesehen sei, so Krauss abschließend, "OSI zum richtigen Zeitpunkt die Antwort auf eine sich wandelnde Management-Landschaft".