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10.06.1988 - 

Management-Berater Diebold diskutiert vier Veränderungen im Informatik-Umfeld:

Return-on-Investment-Ansatz ist überholt

ZÜRICH (pi) - Topmanager müssen ihre Einstellung zur Informatikversorgung im Unternehmen und ihre Erwartungen gegenüber den Informatik-Investitionen überprüfen. Diese Empfehlung sprach Management-Berater John Diebold anläßlich der Eröffnung der Konferenz des Diebold Forschungsprogramms "Europa" in Zürich aus.

Gegenüber den Informatik-Managern und anderen Verantwortlichen an der Unternehmensspitze verwies Diebold auf vier bedeutende Veränderungen, denen das Management Beachtung schenken muß:

1. In amerikanischen Unternehmen sind mehr als die Hälfte der Informatikausgaben nicht im betrieblichen Informatik-Budget enthalten.

Die meisten größeren Unternehmen kennen nicht einmal ihre genauen Informatikausgaben. Man schätzt, daß sie in der Industrie etwa 1 Prozent und in den Dienstleistungsbranchen etwa 2,5 Prozent des Umsatzes betragen.

Untersuchungen von John Diebold & Associates deuten jedoch darauf hin, daß in der Industrie mindestens weitere 1,7 Prozent hinzukommen die nicht im Informatik-Budget enthalten sind. In den Dienstleistungsbranchen, sind es etwa 2,3 Prozent des Umsatzes. Hierbei handelt es sich insbesondere um Ausgaben für den Einsatz von Computern und Telekommunikation am Arbeitsplatz, die nicht in der Zuständigkeit der Informatikabteilung liegen.

"Wir beobachten wachsende Investitionen in die Informatik außerhalb der Informatikabteilung, da die Endbenutzer immer mehr neue Informatikanwendungen in Gang setzen und steuern", erklärte Diebold. Kommunikationsnetze für Sprache und Daten werden zunehmend zu wichtigen Elementen der informationstechnischen Infrastruktur und damit ein wachsender Bestandteil der Systemkosten.

2. Erhöhte Informatikkosten entstehen oft in Bereichen, die bezeichnenderweise nicht gut geführt werden.

Oft finden wichtige Verschiebungen in der Kostenstruktur wenig Aufmerksamkeit. Das Management sollte daher vor allem zwei Bereichen Beachtung schenken, wo sich die Informatikkosten in den letzten zehn Jahren verdreifacht haben: Telekommunikation und Fremdsoftware.

- Telekommunikation

Das Management der Fernsprechkommunikation, die den größten Kostenanteil beansprucht, ist in vielen Firmen aufgespalten - eher aus traditionellen und geographischen Gründen als aus Planungs- und Führungsüberlegungen heraus. Die meisten Firmen haben für das Management von Sprach- und Datenkommunikation keinen integrierten Ansatz entwickelt.

- Fremdsoftware

Vielen Firmen fehlt ein wirksamen und durchgreifender Ansatz für die Auswahl und Implementierung von Fremdsoftware. Deshalb fühlt sich das Management hinsichtlich der Gesamtkosten und der für die Lösung benötigten Zeit in die Irre geführt.

3. Die Hälfte der für die Entwicklung neuer Anwendungen vorgesehenen Mittel wird nicht genau überwacht und stattdessen für Wartung und Umwandlungen verbraucht.

Auf Wartung und Programmumwandlungen entfallen heute etwa 53,5 Prozent der steigenden Budgets für Systementwicklung. Auch wenn das nicht notwendigerweise unangemessen ist, rechtfertigt die Höhe der Ausgaben doch strafferes Management und Kontrolle.

Die Unterhaltungskosten für ein System wachsen in der Regel mit höherem Alter. Dennoch sind periodische Überprüfungen der Wartungskosten selten. Wenn das Management eine neue Systementwicklung genehmigt, muß es wissen, daß es damit auch wachsenden Wartungskosten zustimmt, die die Anfangskosten übersteigen können.

Das Management muß auch der Tatsache ins Auge sehen, daß der Einsatz einer größeren strategischen Anwendung einen deutlichen Anstieg der laufenden Entwicklungsbudgets erfordert, weil vieles davon für die Wartung benötigt wird. Hier geht es also nicht nur um die Neuverteilung vorhandener Mittel.

4. Durch den falschen Einsatz finanzieller Kontrollmaßnahmen verpassen viele Firmen Chancen für hocheffiziente Maßnahmen.

Investitionsentscheidungen werden üblicherweise nach Return-on-Iinvestment-Überlegungen getroffen. Zu den Zeiten, als Computer entwickelt wurden, um Lohnkosten zu senken, Vorräte zu überwachen oder Anlagen aufzulisten, war das sinnvoll.

Heute aber werden die Systeme eingesetzt, um strategische Vorteile zu erzielen, zum Beispiel zur Verbesserung des Kundendienstes, zur Entscheidungsunterstützung, für verkürzte Lebenszyklen von Produkten. Hier ist der Nutzen "soft".

Der Return-on-Investment-Ansatz (ROI) ist für den strategischen Technologieeinsatz aus zwei Gründen unangebracht:

- Der ROI-Ansatz ist für strategische Entscheidungen nicht typisch. Strategische Entscheidungen stützen sich auf unternehmerisches Urteilsvermögen und auf Weitsicht, sind Reaktion auf das Marktgeschehen oder dienen dem Zweck, Chancen wahrzunehmen. Sobald aber eine strategische Entscheidung gefällt wurde, kann der ROI-Ansatz bei der Auswahl von Implementierungsalternativen helfen.

- Bei der Beurteilung einer Systeminvestition nimmt man automatisch an, daß Nichtstun auch nichts kostet. Der echte Vergleich wird selten durchgerechnet: Kosten und Nutzen einer neuen Investition im Vergleich zu den Kosten verpaßter Gelegenheiten und der durch Nichtstun verlorengegangenen Geschäftsdynamik.