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07.12.1984 - 

Endbenutzer-Segmentierung als Basis for Groß-System-Planung:

Revolution beginnt mit lokalen Anwendungen

Kapazitätsplanung ist auch heute noch eines der Kernprobleme jedes Rechenzentrums. Ohne die Beteiligung der Benutzer wird sie jedoch, meint Helmut Grohmann von der IBM Belgien, immer schwieriger und weniger zuverläßig.

Die Planung der Zentral-Rechner ist nur eine von vielen Planungsaufgaben im Bereich Informations-Systeme. Manche sagen, daß es sich inzwischen um den wertmäßig kleineren Teil handelt. Was immer auch der in Geld ausgedrückte Wert sein mag, die Bedeutung des Vorhandenseins von ausreichend Zentralrechner-Kapazität nimmt stetig zu - und das mit gleichzeitig zunehmender Bedeutung des Terminals oder gar Rechner am Arbeitsplatz. Außerdem ist mehr und mehr zu beobachten daß der Rechner am Arbeitsplatz gleichzeitig die Funktion des Terminals mit Zugriff zum Host-Rechner übernimmt - und damit wird die Bereitstellung von Rechnerkapazitäten im Host-Rechner immer wichtiger für die Servicebereitstellung des Rechenzentrums. Wir befinden uns quasi in einem magischen Kreis:

Je selbständiger der Benutzer wird, umso wichtiger wird die rechtzeitige Bereitstellung von ausreichender Kapazität im Rechenzentrum - und zwar Rechenkapazität, Speicherkapazität und das richtige Angebot von Benutzer-Software.

Angebot diktiert

Was wie eine Binsenwahrheit klingt, bringt in der Praxis jedoch erhebliche Probleme mit sich.

Seit langem ist man gewohnt, das Angebot an Informationssystemleistungen für die Benutzer von seiten der zentralen Informations-System-Funktion (IS) zu steuern, in manchen Fällen sogar zu diktieren.

Die "klassische" Methode hierfür war, die Benutzerbedürfnisse laufend oder periodisch zu erfassen oder systematisch zu erfragen. Dabei wurden die Methoden immer weiter ausgefeilt und führten schließlich zu der allgemeinen Methode einer "Business Systems Planning" (BSP) Studie. Mit Hilfe einer solchen Studie können alle Geschäftsprozesse und die verwendeten Daten und Verfahren erfaßt werden, die in einem Unternehmen oder einer Funktion vorhanden sind oder vorhanden sein sollten. Aufgrund dieser Studie lassen sich dann die benötigte Daten-, Anwendungs- und die technische Architektur ableiten.

Neuere Methoden lassen auch eine Priorisierung der Anwendungen zu. Damit ist eine Steuerung des "Anwendungs-Backlogs" besser als vorher möglich.

Sind aufgrund der Prioritäten der Anwendungen auch die Termine der Entwicklung und Einführung bekannt, so fehlt "nur" noch das Mengengerüst, um eine Planung der benötigten Hardware und Software durchführen zu können.

Dieses Modell ist sicherlich in einer statischen Umgebung sehr viel leichter zu implementieren als in unserer sich technologisch sehr stark verändernden Mikro- und Makroumgebung.

Von Lösungen geträumt

Neue Informations-Techniken bringen zwangsläufig neue Anwendungsmöglichkeiten und neue Anwendungsanforderungen von seiten der Benutzer - der Benutzer wird selbständiger, ja manche sprechen bereits von einer nBenutzer-Revolution (wobei ich den Begriff "Benutzer-Revolution" durchaus positiv verstehe.) Es werden immer mehr Lösungen technisch und wirtschaftlich realisierbar, von denen man vor ein paar Jahren nur geträumt hat. In der Realität bedeutet das, daß immer mehr Benutzer sich "ihren" persönlichen Computer beschaffen.

Gewöhnlich beginnen die Benutzer mit lokalen Anwendungen. Doch über kurz oder lang benötigen sie Zugriff zum Host-Rechner und zu zentralen Daten. Damit ist der einzelne Benutzer zum unplanbaren Faktor geworden, was jedoch noch lange nicht heißt, daß die Gesamtheit aller Benutzer einen unplanbaren Faktor darstellt.Hier drängt sich geradezu das Modell des vor wenigen Wochen in den Orden "Pour le merite" aufgenommenen Stuttgarter Physikers Hermann Haken auf, das Modell der Synergetik. Er beschreibt diesen Begriff als ein mathematisches Gedankengebäude, das zu erklären versucht, wie aus scheinbar chaotischen physikalischen Zuständen sichtbare und meßbare Ordnung entsteht.

Sinnvolle Kapazitätsplanung

Übertragen auf unseren Fall, könnte man von der "Synergetik des Computers am Arbeitsplatz" sprechen. Hierfür gibt es mittlerweile sowohl organisatorische als auch managementmäßige Lösungsansätze, wie strategische Planung, das Konzept des "Information-Centre" (IC) beziehungsweise des "Benutzer-ServiceZentrum" und die Planungsmethode der "Endbenutzer-Segmentierung" .

Diese Methode war ursprünglich für Potential-Untersuchungen im Bereich Informationsverarbeitung entwickelt worden. Doch schon bald stellt sich heraus, daß sie bestens geeignet ist, Kapazitätsplanung sinnvoll zu unterstützen.

Der Grundgedanke ist, daß sich die Tätigkeit von allen Beschäftigten (einschließlich Management) in einem Unternehmen oder einer organisatorischen Einheit in gleichartige Tätigkeiten gruppieren lassen. Nun gibt es möglicherweise Hunderte verschiedener Tätigkeiten, betrachtet man sie jedoch mit einiger Abstraktion, dann haben sich sechs Haupt-Tätigkeitsgruppen (Endbenutzer-Segmente) als sehr praktikabel herauskristallisiert. Dies sind:

- IS-Fachleute (Programmierer, Systemprogrammierer etc.)

- Fachleute von Fachabteilungen

- Mitarbeiter in Entwicklung und Forschung

- Sekretariatstätigkeiten

- Verwaltungsangestellte

- Personen im Produktionsbereich

Es hat sich herausgestellt daß diese sechs Tätigkeitskategorien ganz spezifische IS-Kenngrößen haben:

- Mitarbeiter pro Terminal

- benötigte zentrale Rechnerleistung pro Terminal

- Anwendungspalette

Diese Kenngrößen sind selbstverständlich von Industriezweig zu Industriezweig unterschiedlich, jedoch hat sich gezeigt, daß sich auch hier industriespezifische, vergleichbare Kenngrößen zusammenfassen lassen (Banken, Versicherungen, Produktionsbetriebe etc.).

Der siebente Schritt ist nun, den jeweiligen MIPS-Wert aus Schritt sechs mit der jeweiligen Anzahl von Terminals zu multiplizieren. Die Addition der sechs Einzelwerte je Endbenutzer-Segment ergibt dann die gesamte zentrale Rechnerkapazität. Doch ist meistens dieser errechnete Wert höher als der installierte Wert. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß ein Teil der benötigten Rechnerkapazität bereits dezentral vorhanden ist und genutzt wird.

Kenngrößen ideale Basis

Aufgrund von zahlreichen Untersuchungen sind diese Kenngrößen per 1984 und als Vorhersage per 1988 verfügbar. Damit hat man eine ideale Grundlage, um seine eigene Situation in Relation zum Industriedurchschnitt zu sehen und eine Globalplanung für die Zukunft zu machen.

Wie geht man bei einer Endbenutzer-Segmentierung vor?

Die erste Aufgabe einer Endbenutzer-Segmentierung ist, die Anzahl der Personen je Tätigkeitskategorie zu ermitteln.

Der zweite Schritt ist, die Anzahl installierter Terminal/PC je Kategorie zu erfassen. Der dritte Schritt ist, die Personalentwicklung je Tätigkeitskategorie planerisch zu erfassen.

Der vierte Schritt ist nun, pro Segment das aktuelle Verhältnis Personen pro Terminal zu ermitteln. Dieses Ergebnis kann man nun mit dem Industrie-Durchschnitt vergleichen und seine Situation bestätigen oder infragestellen. Daraus ergibt sich der fünfte Schritt, nämlich das angestrebte Mitarbeiter-Terminal-Verhältnis in fünf Jahren zum Beispiel festzulegen. Anhaltspunkte dafür sind wiederum die Industrie-Durchschnitts-Vorhersagen. Dieses Verhältnis sollte wiederum pro Segment festgelegt werden, da es hier durchaus Unterschiede gibt, die mitunter ganz erheblich sein können.

Der sechste Schritt ist nun, den Bedarf je Terminal an zentraler Rechnerleistung zu ermitteln. Da das möglicherweise nicht so ganz einfach sein kann, bietet sich an, diese Werte den Tabellen der ermittelten statistischen Industie-Durchschnittswerte zu entnehmen. Sie sind normalerweise in Bruchteilen von MIPS (millions instructions per second) angegeben.

Verhältnisse vorhersagen

Um die wirklichen Verhältnisse zu ermitteln, dividiert man nun den vorhandenen Wert der zentralen Rechnerkapazität durch den ermittelten Wert aus Schritt sieben (= Schritt acht)

Beispiel: vorhandene Kapazität 4 MIPS, ermittelter Wert 6 MIPS, ergibt ein reales Verhältnis von 4/6 = 0,67.

Dieser Wert dient uns nun als Anhaltspunkt für alle weiteren Berechnungen.

Schritt neun ist nun, die Anzahl benötigter Terminals je Endbenutzer-Segment in beispielsweise fünf Jahren zu ermitteln. Dazu nehmen wir die geplante Anzahl Mitarbeiter je Segment aus Schritt drei und multiplizieren sie mit dem ermittelten Wert aus Schritt fünf.

Bevor wir jetzt die benötigte Kapazität in fünf Jahren errechnen können, benötigen wir noch den MIPS-Bedarf je Terminal und Segmentbereich in fünf Jahren.

Untersuchungen zeigen, daß dieser Verbrauch aufgrund neuer technologischer und anwendungstechnischer Entwicklungen stetig im Steigen begriffen ist. Deshalb ermittelt man am einfachsten diesen Wert unter Zuhilfenahme der vorhergesagten industrie- und endbenutzerspezifischen Durchschnittswerte.

Der letzte Schritt ist nun, diesen MIPS-Bedarf/Terminal in fünf Jahren mit der errechneten Anzahl Terminals in fünf Jahren je Endbenutzer-Segment zu multiplizieren und die Werte der sechs Segmente zu addieren. Dabei sollte jedoch der ermittelte Faktor aus Schritt acht berücksichtigt werden, um die wahren Verhältnisse besser vorhersagen zu können.

Ergebnis besagt nichts

Es kann zudem sehr zweckmäßig sein, sich Gedanken über das erwartete Verhältnis zentral versus dezentral benötigte Rechnerleistung zu machen. Kommt man zu dem Schluß, daß dieser Wert abweicht von dem unter Schritt acht ermittelten, dann multipliziert man den im letzten Schritt ermittelten Kapazitätswert mit dem für in fünf Jahren erwarteten Verhältnis. Als Ergebnis erhält man dann die benötigte Totalkapazität auf dem Zentralrechner in fünf Jahren, ausgedrückt in MIPS.

Dieses Ergebnis sagt noch nichts aus über die benötigten Anwendungen - aber das ist ja gerade der immense Vorteil einer Kapazitätsplanung mit Hilfe der Methode der Endbenutzer-Segmentierung: man kann planen, ohne zu wissen, welche Anwendungen in fünf Jahren vorhanden sein müssen. Ein gleiches gilt für die Planung der benötigten Terminals; ohne jetzt schon den Terminaltyp zu wissen, sind wir mit Hilfe dieser Methode in der Lage, eine Mengenplanung für die nächsten fünf Jahre machen zu können - und das ist sicherlich schon ein wesentlicher Schritt nach vorne.