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Strengere Maßstäbe bei der Bonitätsprüfung:


13.05.1983 - 

Rezession bremst Leasing-Wachstum in der DV

MÜNCHEN (CW) - Ein verstärktes Sicherheitsdenken ist neuerdings in der Leasing-Branche festzustellen. Versuchten die einschlägigen Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit noch primär, den DV-Anwendern diese neue Art der Anlagenfinanzierung nahezubringen, so unterziehen sie potentielle Kunden jetzt aufgrund negativer Erfahrungen einer verschärften Bonitätsprüfung.

Nach Aussagen der befragten Gesellschaften war in den letzten Jahren ein stetiges Ansteigen der Ablehnungsquote bei Leasinganträgen zu beobachten. Für das Jahr 1982 lag die Zahl nach Branchenangaben zwischen 30 und 40 Prozent (Vergleichswert 1981: 20 Prozent). Grund: Die Leasinggeber verschärften allgemein ihre Bonitätskriterien und -überprüfungen. In der Beurteilung der Bonität gibt es allerdings brancheninterne Unterschiede.

Bonitätskriterien

Grundsätzlich ziehen die Leasing-Gesellschaften Bank- und Büroauskünfte, Bilanzmaterial und Geschäftsgang hinzu. Dabei werden in der DV-Branche Anlagenwerte nicht als Sicherheit akzeptiert, da aufgrund des hohen Innovationspotentials und der daraus resultierenden schnellen Überalterung der Anlagen der Wiederverkaufserlös zu niedrig ist. Besonders streng prüft die Deutsche Leasing AG ihre Kunden: Zweijähriges Firmenbestehen und hundertprozentige finanzielle Sicherheiten sind unbedingte Voraussetzung. Privathaftung reicht in diesem Zusammenhang nicht aus.

Der eigenen Branchenkenntnis messen die einzelnen Leasing-Gesellschaften unterschiedliche Bedeutung bei: Während sie Norbert Steinecke, dem Direktor der WTB Leasing, Köln, als entscheidendes Hilfsmittel bei der Beurteilung erscheint, verläßt sich die Deutsche Leasing grundsätzlich nur auf Angaben, die eindeutig belegbar sind. Jürgen T. Radler, Geschäftsführer der Wiesbadener Universal Computer Leasing (UCL) weist in diesem Zusammenhang auf Paragraph 18 des Kreditwesengesetzes hin. Danach darf der Finanzier nur dann auf ein Leasing-Geschäft eingehen, wenn er sich einen genauen Überblick über den wirtschaftlichen Zustand des Leasing-Nehmers verschaffen kann.

Sonderstatus für Stammkunden

Eine ähnlich unterschiedliche Bewertung ist auch in der Frage nach einem Sonderstatus für langjährige Kunden festzustellen. Besteht ein Geschäftsverhältnis bereits über einen längeren Zeitraum hinweg, so ist nach allgemeiner Meinung in der Branche eine permanente Überprüfung gegeben.

Gerät ein solcher Stammkunde nun in Zahlungsschwierigkeiten, so reicht das leasingpolitische Spektrum von der Bereitschaft, einem prinzipiell gesunden Unternehmen den zur endgültigen Konsolidierung notwendigen Vitaminstoß zu geben, bis zur kategorischen Ablehnung derartiger Hilfsmaßnahmen.

Besonders strengen Kriterien muß die Bonität neugegründeter Firmen genügen. Da ihnen meist der Nachweis einer zufriedenstellenden finanziellen Sicherheit nicht gelingt, könne sie bei den meisten Leasing-Gebern nur in Ausnahmefällen mit der Bewilligung ihres Antrages rechnen. Die Chancen verbessern sich allgemeiner Branchenansicht nach jedoch deutlich, wenn der DV-Hersteller zu einer Risikobeteiligung bereit ist und so eine Zusatzabsicherung schafft. Dabei trägt beispielsweise der Hersteller das Hardware-Wagnis und der Leasing-Geber das Zinsrisiko.

Zur Gesamtanzahl der 1982 gestellten Leasing-Anträge wollten sich nur die wenigsten Unternehmen konkret äußern. Es liege kein belegbares Zahlenmaterial vor und man wolle keine Hypothesen aufstellen. Außerdem existiere eine gewisse Dunkelziffer durch das Engagement einiger Computerhersteller auf dem Leasing-Markt.

Der vor allem im letzten Quartal des Jahres 1982 beobachtete Aufschwung ist nach übereinstimmender Ansicht der Gesellschaften auf die Investitionszulage zurückzuführen, da viele Unternehmen versuchten, Aufträge möglichst vor dem 31. 12. 1982 zu plazieren. Nach Ansicht des UCL-Geschäftsführers Radler sei jedoch zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abzusehen gewesen, ob sich die Bemessungsgrenze tatsächlich auf den Leasing-Geber beziehe und nicht in erster Linie auf den Investor. "Einige Gesellschaften", so Radler, "sind ausschließlich zu dem Zweck gegründet worden, die Investitionszulage weiterzugeben. Hier kann man noch nicht sagen, inwiefern der Fiskus bei dieser Politik überhaupt mitspielen wird". Die UCL habe deshalb keinem Kunden eine Zusage hinsichtlich der Investitionszulage gemacht.

Es bleibt somit abzuwarten, ob es sich bei dem beobachteten Aufschwung lediglich um einen kurzfristigen Push handelt oder ob der Investitionsanreiz sich auch weiterhin auswirken und gegebenenfalls einen gewissen Nachzieheffekt hervorrufen wird.