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18.01.1991 - 

Input und Pierre Audoin Conseil veröffentlichen Studien

Rezession führt europäische SW-Industrie in eine Talsohle

MÜNCHEN (CW) - 1992 ist für den europäischen Markt für Software und Services ein schlechtes Jahr, konstatieren gleichermaßen Marktforscher von Input und Pierre Audoin Conseil (PAC). Ursache sei die überall spürbare Rezession. Sorgen muß sich vor allem die mittelständisch geprägte deutsche Software-Industrie machen, die von international agierenden Großkonzernen heftig attackiert wird.

Weil Anwender ihre DV-Budgets zusammenstreichen und zudem die Produktivität der Software-Entwickler steigt, verzeichnet Input in Langgöns bei Gießen nun schon zum zweiten Mal hintereinander eine nur einstellige Wachstumsrate am Markt für Software und Services in Europa. Von 1990 auf 1991 war dieses Geschäft laut Input noch um sieben Prozent gewachsen - in diesem Jahr werden nur noch rund fünf Prozent-Zuwachs erwartet. Zu diesem Schluß kommen die Marktforscher in ihrer Studie "The European Market for Information Services 1992 - 1997".

Zum Vergleich: Noch 1987 lag die Wachstumsrate bei stolzen 22 Prozent. Von 1992 bis 1997 erwarten die Analysten allerdings aufgrund veränderter Marktbedingungen eine Wiederbelebung der Nachfrage, so daß bis zu diesem Zeitpunkt eine durchschnittliche Wachstumsrate von neun Prozent erreicht werden soll.

Sowohl bei Anwendern als auch bei Herstellern seien gegenwärtig Restrukturierungen und Personalkürzungen im DV-Bereich an der Tagesordnung. Vor allem die Anbieter, so rät Input, sollten ihren Management-Skill verbessern. Dabei komme es primär auf ein optimiertes Finanz-Controlling und ein effizienteres Marketing-Management an. Zudem müßten SW-Engineering-Techniken konsequenter eingesetzt werden.

Auch die Pierre Audoin Conseil GmbH mit deutschem Sitz in Grünwald bei München erwartet in ihrer Studie "Software and Computing Services Industry in Europe, Markets and Strategies 1992 - 1996" für dieses Jahr zunächst einen Rückgang der Softwarenachfrage. Dabei sollen europäische Anbieter in Deutschland noch ein überdurchschnittlich gutes Geschäft machen. Ursache dafür sei der durch die Wiedervereinigung vergrößerte Absatzmarkt. Bis 1996, so die PAC-Auguren, wird sich die Situation in Europa wieder entschärfen.

Die Analysten gehen in den 90er Jahren von einem veränderten Markt aus, der dadurch geprägt sein werde, daß sich DV-Anbieter in den Dienstleistungsmarkt stürzten. Gefragt seien globale Services wie Facilities Management, Systemintegration und Vernetzung. Einzelne Märkte für Software- und DV-Dienstleistungen öffneten sich immer mehr der internationalen Konkurrenz.

Ob in diesem veränderten Markt die weitgehend mittelständisch strukturierte Softwareszene Deutschlands wettbewerbsfähig sein wird, ziehen Branchenexperten wie der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. (BDU), Bonn, in Zweifel. In einer Anhörung vor dem Bundestag forderte die Vertretung der Softwarehäuser als staatliche Maßnahmen steuerlichen Begünstigungen, damit deutsche Softwarehäuser investieren und gegen international agierende Konzerne antreten können.

Der Software-Entwicklungsmarkt bestehe, so der BDU, aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, die in regional begrenzten Märkten tätig seien und Nischenprodukte anböten. Es fehle "die finanzielle Ausstattung und auch die strategische Sichtweise, um mit den international operierenden Software-Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan zu konkurrieren". Vor dem Bundestag verbreitete der BDU Endzeitstimmung: Man könne davon ausgehen, daß schon der europäische Binnenmarkt vielen deutschen Softwarehäusern ihre Grenzen aufzeigen werde.