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01.10.2004 - 

Gartner gibt Ratschläge, wie sich das Tal der Tränen ohne Schaden durchschreiten lässt

RFID: Jetzt kommt die große Ernüchterung

MÜNCHEN (CW) - Langfristig dürfte sich die Funkfrequenz-Identifikation durchsetzen, doch derzeit wird die Technik viel zu euphorisch gesehen. Laut Gartner nähert sie sich dem berüchtigten "Trough of Disillusionment". Um diese Phase ohne Verlust für Budget und Renomee zu überstehen, sollten IT-Chefs ein paar Ratschläge beherzigen.

Die Anwender sind sauer. Ermutigt von Herstellern und Medien, sahen sie in der Radio Frequency Identification (RFID) eine beinahe schon etablierte, zumindest aber in großem Umfang genutzte Technik, mit der sich viele ihrer Probleme preisgünstig lösen ließen. Allmählich stellen sie fest, dass dies nicht ganz stimmt. Der anfängliche Überschwang verkehrt sich in Enttäuschung, so fand das Marktforschungsunternehmen Gartner heraus. Nach dessen oft zitiertem "Hype-Cycle-Modell" wird die Technik spätestens zum Ende des übernächsten Jahres das Tal der Tränen erreicht haben, bevor die Stimmung wieder umschlägt und sich der RFID-Einsatz auf das "Plateau der Profitabilität" schwingt.

Auf längere Sicht schätzt Gartner die RFID-Technik durchaus positiv ein. Es habe 20 Jahre gedauert, bis die Unternehmen begonnen hätten, den Strichcode produktiv zu nutzen, so die Analysten. RFID werde sicher nicht so lang brauchen, um Teil des Mainstreams zu werden, aber von heute auf morgen werde es auch nicht gehen. Immerhin experimentiere der Handelsgigant Wal-Mart bereits seit 1990 mit der Technik. Wer sich frühzeitig, aber mit realistischen Erwartungen auf RFID einlasse, habe gute Chancen, damit wesentlich zum Geschäftserfolg beizutragen.

Bisheriger Nutznießer: Der Handel

Bislang sieht es allerdings so aus, als profitiere hauptsächlich der Handel von der Prozessvereinfachung durch RFID. Das wurde gerade an dem populären Wal-Mart-Beispiel deutlich. Anfangs begrüßten auch die Lieferanten die neue Technik freudig. Mit Blick auf RFID-Vorreiter wie Procter 38; Gamble oder Gillette erhofften sie sich mehr Effizienz und Profitabilität. "Wir müssen nur ein Beratungsunternehmen engagieren, und das zeigt uns dann schon unseren Business Case", zitiert Gartner sinngemäß die vorherrschende Stimmung.

Anfang dieses Jahres kündigte Wal-Mart an, die RFID-Etikettierung für seine wichtigsten Lieferanten zur Pflicht zu erheben. Spätestens jetzt fragten sich viele Betroffene: "Sind wir eigentlich die Einzigen, die den Business Case nicht gefunden haben? Oder besteht dieser vielleicht einzig darin, Wal-Mart zufrieden zu stellen?" Eigenen Angaben zufolge konnte Gartner nicht einen Lieferanten auftreiben, der eine interne Rechtfertigung für den RFID-Einsatz anzubieten hatte.

Der Vorteil für die Lieferanten könnte darin bestehen, dass sie mit RFID in der Lage seien, ihre Regale in den Wal-Mart-Stores effizienter aufzufüllen, räumt Gartner ein. Dies aber seien keineswegs die niedrig hängenden Früchte, die die RFID-Cheerleader einst versprochen hätten. Und ob Wal-Mart als der eigentliche Nutznießer die Kosten der RFID-Etikettierung vollständig übernehmen werde, stehe noch in den Sternen.

Pioniergeist und Realismus gefragt

Jedes zweite der bereits gestarteten RFID-Projekte werde in den kommenden drei Jahren für gescheitert erklärt, prognostiziert Gartner. Da Best Practices oder Prozessmuster derzeit Mangelware seien, gehöre zu einem RFID-Vorhaben eine Menge Pioniergeist. Wal-Mart-CIO Linda Dillman habe das indirekt bestätigt, als sie kürzlich auf die Frage nach ihren Beweggründen für den RFID-Einsatz antwortete: "Wir fürchten uns nicht davor, Dinge zu testen." Wer ihr auf diesem Weg folgen wolle, brauche eine ähnlich ausgeprägte Risikobereitschaft.

IT-Verantwortliche, die sich mit dem Thema RFID beschäftigen und möglicherweise bereits Projekte initiiert haben, sollten also einen kühlen Kopf bewahren. Es gilt, die Euphorie zu bremsen, ohne Barrieren für einen späteren produktiven Einsatz zu errichten. Gartner hat einige Ratschläge parat, die den RFID-Pionieren bei der Vorbereitung auf die Phase der Enttäuschung helfen können:

- Bauen Sie Ihren Business Case nicht auf dem Erfolg anderer auf. Ihre Rechtfertigung für den RFID-Einsatz sollte sich nicht darin erschöpfen, dass Wal-Mart die Technik verwendet.

- Setzen Sie selbst Ihre Management-Kollegen davon in Kenntnis, dass die RFID-Technik derzeit viel zu positiv bewertet wird.

- Stellen Sie sicher, dass Ihre RFID-Anbieter die Depressionsphase und den damit verbundenen Umsatzeinbruch verkraften können.

- Halten Sie die von Ihren internen Kunden und externen Partnern gesetzten Projekttermine ein, aber strapazieren Sie dabei weder Ihre Prozesse noch Ihr Budget.

- Dokumentieren Sie durch einen RFID-Plan, den Sie auch der Unternehmensführung vorweisen können, dass Sie sich tiefgründig mit der Technik auseinander gesetzt haben. (qua)

Die Tipps in Kürze

- Jedes Projekt steht für sich selbst.

- Die Fachbereiche müssen auf den Boden der Tatsachen kommen.

- Vorsicht bei der Anbieterwahl!

- Das Notwendige ist zu tun - aber ohne finanzielle Verrenkungen.

- Ohne schriftlichen Plan gibt es keinen Beleg für die Strategie.