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19.02.2007

RFID: Nach dem Hype kommt der Frust

Die Handelsriesen Wal-Mart und Metro kämpfen mit Verzögerungen ihrer ambitionierten RFID-Vorhaben.

Als die US-amerikanische Handelskette Wal-Mart Anfang 2005 die erste RFID-Pilotinstallation in einem Verteilzentrum in Dallas scharf schaltete, war der Hype um die Funketiketten auf dem Höhepunkt. Beschleunigte Prozesse, mehr Transparenz in der Lieferkette und Einsparungen in Millionenhöhe versprachen die Protagonisten der berührungslosen Identifikation mit Hilfe von Funkwellen (Radio Frequency Identification, kurz RFID). Zwei Jahre später macht sich Ernüchterung breit. Die Umsetzung der ambitionierten Teilprojekte verläuft schleppend, Kostensenkungen kann das Management bis heute nicht nachweisen. Schlimmer noch: Unter den Zulieferern, die Wal-Mart mit unverhohlenen Drohungen zum RFID-Einsatz genötigt hatte, wächst der Unmut. Viele rechnen auf Jahre nicht mit Einsparungen.

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Einsparungen ungewiss

Eigentlich wollte der Konzern bis Januar 2006 ein Dutzend seiner rund 120 Distributionszentren auf RFID-Technik umgestellt haben. Bislang sind laut einem Bericht des "Wall Street Journal" erst fünf Standorte umgerüstet, plus 1000 Ladengeschäfte. Weitere 400 Verkaufsstellen sollen im Lauf des Jahres folgen. Fragen nach konkreten Einsparungen beantwortet das Unternehmen ausweichend. Die Produktverfügbarkeit in den Regalen habe sich verbessert, beteuert ein Sprecher. Das Wiederauffüllen der Warenbestände gehe effizienter vonstatten.

Der Druck auf das Management ist immens: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Wal-Mart seine Logistikkosten immer weiter drücken. Im Branchenvergleich steht der Konzern derzeit zwar noch gut da, doch die Konkurrenz sitzt ihm im Nacken. Im vergangenen Jahr betrugen die operativen Kosten laut "Wall Street Journal" 18,4 Prozent vom Umsatz, fast zwei Prozent mehr als im Jahr 2001. Wal-Marts Rivalen Target und CVS verzeichneten zwischen 2001 und 2005 jeweils Steigerungen um weniger als ein Prozent auf 21,8 und 19,7 Prozent.

Dass die Zulieferer die schönen RFID-Visionen nicht so recht teilen mögen, liegt vor allem an den hohen Kosten der RFID-Tags. Hinzu kommen Hardwarekosten für Lesegeräte, Transponder und Antennen sowie die nötige Software, um Daten zu verfolgen und zu analysieren. Mit öffentlicher Kritik am Großkunden Wal-Mart, der jedes Jahr Waren im Wert von 260 Milliarden Dollar einkauft, halten sich die meisten Unternehmen zwar zurück. Doch nicht wenige erklären mittlerweile, dass sie auf absehbare Zeit nicht mit Einsparungen rechneten. Einige behaupten, Wal-Mart selbst habe bisher keinen Cent gespart.

Frustrierte Zulieferer

Firmen wie der US-amerikanische Jeanshersteller VF Corp. oder der Sportartikelproduzent Nautica haben einschlägige Entwicklungsprojekte wieder eingestellt, berichtet das Wirtschaftsblatt. Ein Wal-Mart-Zulieferer, der anonym bleiben wollte, berichtete von jährlichen Investitionen von mindestens 200 000 Dollar, ohne dass irgendwelche Einsparungen erkennbar seien: "Es ist eine große Blackbox ohne Aussicht auf einen Return on Investment." Viele Hersteller würden gar nicht erst auf den RFID-Zug aufspringen, hätten sie eine Wahl. "Die wesentlichen Vorteile liegen alle auf der Seite von Wal-Mart", kommentiert IDC-Analyst Rüdiger Spies die kritische Haltung der Zulieferer. Wenn diese nicht ebenso wie der Handelskonzern komplexe Systeme einführten und ihre Abläufe optimierten, bedeuteten die RFID-Projekte zunächst nur zusätzliche Kosten.

Dass es schwer würde, die Geschäftspartner für RFID zu gewinnen, zeichnete sich schon früh ab. Etwa die Hälfte der Lieferanten erkenne keine eigenen Vorteile im RFID-Einsatz, konzedierte Wal-Mart-CIO Linda Dillman schon im Sommer 2005. Als Kritiker tat sich seinerzeit etwa Gary Cooper, Chief Technology Officer des Fleischkonzerns Tyson Foods, hervor: "Ich habe niemanden gefunden, dem es gelungen wäre, bei den derzeitigen Kosten die Investitionen wieder hereinzuholen."

In Deutschland gehört der Metro-Konzern zu den Pionieranwendern in Sachen RFID. Zwar erwartet Konzernchef Hans-Joachim Körber von RFID-unterstützten Prozessen jährliche Einsparungen von 8,5 Millionen Euro. Doch die Probleme mit der Akzeptanz der Zulieferer sind ähnlich gelagert wie beim US-Konkurrenten. "Für die Metro gilt im Prinzip das Gleiche wie im Fall Wal-Mart", urteilt Spies. "Die Konzerne spielen ihre Einkaufsmacht aus, um den RFID-Einsatz durchzusetzen. Profitieren werden im Grunde aber nur die Unternehmen, die die ganzen Warenströme zusammenführen."

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Experten monieren, die RFID-Tags seien noch immer zu teuer. Die Branche steckt in einer Zwickmühle, erläutert David Donnan, Berater und früherer President beim RFID-Ausrüster Checkpoint Systems: Billiger würden die Funketiketten erst mit größeren Stückzahlen, sprich, wenn nicht nur Paletten, sondern auch einzelne Artikel damit versehen werden. Für die Hersteller gebe es dafür gegenwärtig keine finanzielle Rechtfertigung. (wh)