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22.12.2004

RFID treibt die IT-Dienstleister um

Hinter der Einführung kleiner Funketiketten in Anwenderunternehmen stehen große Integrations- und Konsolidierungsprojekte. Die IT-Dienstleister wittern Morgenluft.

Das Geschäft mit Funketiketten elektrisiert die IT-Dienstleister. Doch was die in den letzten Jahren arg gebeutelten Berater und Systemintegratoren hoffnungsfroh auf diesen neuen Markt blicken lässt, sind nicht elektronische Aufkleber auf Waren, Lesegeräte und Antennen, sondern die Datenmengen, die eine Umgebung mit der Radio Frequency Identification (RFID) erzeugt. "Wir sind keine Hardwarehersteller und -dienstleister. Für uns ist die RFID-Technik unter dem Aspekt interessant, die Prozesse zu definieren und anzupassen sowie die System abzubilden", erklärte Udo Lackner, Leiter des Servicebereichs Supply Chain Management bei Capgemini.

Die Hardwareseite der RFID-Projekte überlassen die IT-Dienstleister ihren Partnern, allenfalls Basiswissen über die Funktechnik, Markt und Herstellerlandschaft halten sie in den eigenen Reihen. RFID bietet im Vergleich zur Barcode-Technik mehr Details und stellt die Daten schneller zur Verfügung, so dass sich Unternehmensprozesse beschleunigen, verbessern und über die Unternehmensgrenzen hinweg erweitern lassen. Anhand dieser Auswirkungen lässt sich das Anforderungsprofil definieren, dem IT-Consultants in diesem Geschäft entsprechen müssen. "Ein RFID-Berater muss neben der Hardwareseite vor allem die Prozesse kennen und abschätzen können, wo die RFID-Technologie den größten Nutzen bringt. Er muss wissen, wie die Daten verarbeitet werden und wie sie sich mit ERP-Systemen integrieren lassen. Außerdem ist RFID auch ein Mobilitätsthema", beschreibt Friedrich Becker, Management-Berater SCM bei der Softlab GmbH in München, das Anforderungsprofil an Projektmitarbeiter.

Zurzeit beschäftigt die Softlab-Gruppe zehn RFID-Spezialisten. Weitere Experten mit entsprechender Erfahrung arbeiten in Supply-Chain-Management- (SCM-)Projekten. Für den Mutterkonzern BMW hat Softlab RFID-Projekte in der Instandhaltung und im Lagerbereich betrieben. Doch damit ist das Potenzial keineswegs ausgeschöpft, glaubt zumindest Steffen Binder, Research Director bei Soreon. Er sieht weitere Einsatzbereiche und Verbesserungsmöglichkeiten: "RFID ist nicht nur in der Produktion und der Lieferkette denkbar, sondern auch im Auto. Dies gilt insbesondere für den After-Sales- und für den Werkstattservice sowie für das Fuhrpark-Management." Binder stützt seine Einschätzung auf eine derzeit betriebene Umfrage zum RFID-Einsatz in der deutschen Automobilbranche.

Handel setzt auf RFID

Die größten Aktivitäten zeigt indes der Handel, so der Soreon-Berater. Die Branchenschwergewichte Wal-Mart, Metro und Tesco, die keinen Hehl aus ihren RFID-Projekten machen, bilden nur die Speerspitze einer breiten Entwicklung. Alle großen Handelsketten stellen Binder zufolge ähnliche Überlegungen an. Das Gesamtvolumen des RFID-Marktes im deutschen Handel schätzt Soreon in diesem Jahr auf 106 Millionen Euro, bis zum Jahr 2008 wird es sich mehr als verfünffachen (siehe Grafik "RFID im deutschen Handel"). Den Großteil des Geldes geben die Firmen für Hardware aus, weil sie große Mengen an Tags sowie die notwendige Sende- und Empfangstechnik ordern. Doch Aufwendungen für Integration und Installation steigen am schnellsten. "Wir sehen großes Potenzial in diesem Markt", bestätigte Capgemini-Manager Lackner. "Zurzeit versuchen die Unternehmen, vieles zu digitalisieren und die Zusammenarbeit mit den Partnern zu verbessern. RFID bietet dazu gute Möglichkeiten."

Bislang wurde das Geschäft vornehmlich von Nischenanbietern oder kleineren Abteilungen großer IT-Dienstleister bearbeitet. Die Projekte der Vergangenheit, die oftmals gar nicht unter der Bezeichnung RFID betrieben wurden, beschränkten sich zumeist auf isolierte Einsatzgebiete, etwa für das Container-Management innerhalb eines Konzerns. Doch je mehr sich RFID in der Lieferkette etabliert, desto offener, komplizierter und teurer werden die Projekte, so dass sich auch die großen IT-Dienstleister diesem Geschäft zuwenden.

Die Großen regen sich

Allen voran kündigte IBM im September 2004 an, weltweit 250 Millionen Dollar zu investieren, um den RFID-Markt zu erschließen. Im Rahmen dieses Programms gründete die Dienstleistungssparte IBM Global Services eigens eine auf RFID-Themen ausgerichtete Abteilung mit derzeit zwölf Spezialisten. Insgesamt arbeiten in der Business Consulting Group und in dem Bereich Integrated Technology Services 1400 Mitarbeiter mit RFID-Know-how.

IBM ist jedoch nicht der einzige IT-Dienstleister, der sich derzeit in Stellung bringt. "Die großen Elefanten im Servicemarkt machen sich bereit, den Markt unter sich aufzuteilen", beschreibt Soreon-Manager Binder die Situation. Accenture kann weltweit auf rund 400 RFID-Experten zurückgreifen und verweist auf einige tausend Mitarbeiter mit SCM-Know-how in den eigenen Reihen. Kaum weniger Aktivitäten als IBM zeigt zudem HP. "Wir werden in den nächsten fünf Jahren etwa 150 Millionen Dollar in das RFID-Geschäft investieren", sagte ein HP-Manager dem Branchendienst "Global IT Services Report". "Natürlich erwarten wir davon einen gesunden Umsatzstrom."

HP richtet Kernteam ein

Derzeit beschäftigt HP ein RFID-Kernteam mit 28 Experten. Weltweit arbeiten 350 Servicemitarbeiter in Projekten, die unter anderem RFID-Aufgaben beinhalten. Notfalls, so HP, könne man weltweit 1300 Mitarbeiter mobilisieren.

Die Kapazitäten, auf die die deutschen IT-Dienstleister zurückgreifen können, fallen im Vergleich zu den weltweiten Zahlen deutlich bescheidener aus. So kümmern sich bei T-Systems insgesamt rund 100 Leute intensiv um den Themenkomplex RFID, 70 davon arbeiten in der Entwicklungabteilung, der Rest im Betrieb und im Bereich Netzwerke.

Deutsche Kunden sind skeptisch

Capgemini kann weltweit auf 185 Mitarbeiter zurückgreifen, die sich auf das RFID-Thema spezialisiert haben, in Deutschland beschäftigen sich hingegen nur 30 Mitarbeiter mit RFID-Themen - ein Vollzeit-Job ist es für sie noch nicht. "Die deutschen Anwender nähern sich den neuen Techniken sehr vorsichtig", warnt Capgemini-Manager Lackner vor verfrühter Euphorie. "Wir arbeiten derzeit insbesondere an Pilotprojekten und erstellen vorbereitende Konzepte."

Weil RFID-Projekte tief in die Prozesse eingreifen, sind die Vorhaben aufwändig und teuer, so dass der Grund für die Zurückhaltung deutscher Anwender möglicherweis auch in den nach wie vor knappen IT-Budgets zu suchen ist. Andererseits haben es die IT-Dienstleister bislang kaum verstanden, an die Anwender mit RFID-Paketen heranzutreten. In der Regel verkaufen sie das Geschäft als erweitertes SCM-Projekt, doch RFID erfordert nicht nur Kompetenz im Umgang mit Lieferketten und Prozessen, sondern auch in aktuellen IT-Themen wie Mobility, Sicherheit, Datenintegration, Business Intelligence und Konsolidierung. Grund dafür, sich auf das Projektgeschäft mit der Beratung, Einführung und dem Betrieb von Umgebungen mit Funketiketten vorzubereiten, gibt es ausreichend: "Das Thema RFID zieht seine Kreise. Es wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren eines der wichtigen Arbeitsfelder im Handel und in den anderen Branchen", vermutet Soreon-Manager Binder.