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Kostspieliger Umstieg auf die Funktechnik


28.11.2003 - 

RFID: Wal-Mart setzt Lieferanten unter Zugzwang

MÜNCHEN (CW) - Bis Anfang Januar 2005 müssen die hundert wichtigsten Wal-Mart-Lieferanten ihre Waren mit Etiketten für die Radio Frequency Identification (RFID) versehen haben, für alle übrigen Partner der Supermarktkette soll es ein Jahr später so weit sein. Mit dem Umstieg auf die neue Funktechnik drohen den Zulieferern des Handelsriesen Kosten in Millionenhöhe.

Wal-Mart Stores Inc. hat sich entschieden, in der Warenwirtschaft verstärkt auf RFID zu setzen. In naher Zukunft will die amerikanische Handelskette die neue Technik in ihr Bestandsaufnahmesystem integrieren und flächendeckend entsprechende Chips einsetzen. RFID erlaubt die automatische Datenerfassung über Funksignale, sprich: auch ohne Sicht- und Berührungskontakt.

Eine RFID-Kernkomponente ist der designierte Barcode-Nachfolger EPC (Electronic Product Code). Ähnlich wie ein Barcode verwendet dieser eine Kette von Ziffern, um produktbezogene Informationen zu identifizieren, weist aber - anders als bislang üblich - jedem Posten eine individuelle Kennung zu. Auf diese Weise soll die lückenlose Verfolgung von Lieferungen und Lagerbeständen möglich sein.

Wal-Mart ist derzeit mit dem Aufbau eines RFID-basierenden Verwaltungssystems für die Produktidentifikation und -inventarisierung beschäftigt. Der Startschuss für den RFID-Rollout wird in den drei texanischen Wal-Mart-Distributionszentren fallen, die rund 150 Supermärkte bedienen. Man ziehe allerdings in Erwägung, sich zunächst nur auf wenige Produktkategorien zu konzentrieren, so Wal-Mart. Den Zeitplan für die übrigen 108 Distributionsstandorte und 3000 Läden will der Retailer seinen Zulieferern später bekannt geben.

Nicht ohne Re-Engineering

Wer weiterhin auf Wal-Mart als Abnehmer für seine Produkte setzt, wird um das Thema RFID kaum herumkommen: Bis zum 1. Januar 2005 müssen die 100 wichtigsten Lieferanten ihre Kartons und Paletten mit den entsprechenden Tags ausgestattet und ihre Systeme mit denen der Supermarktkette abgestimmt haben. Allen übrigen Partnern wurde die diesbezügliche Anpassung bis 2006 nahe gelegt.

Für die Wal-Mart-Partner stellt nach Ansicht von Experten nicht nur die Einhaltung des knappen Termins eine Herausforderung dar. Die mit der Umstellung verbundenen hohen Kosten ließen sich zudem nur mit einem überzeugenden Konzept rechtfertigen: Die Vorteile der - dank der neuen Technik - weitaus granulareren und genaueren Informationen könnten lediglich dann genutzt werden, wenn zuvor ein entsprechendes Re-Engineering sowohl in der Lieferkette als auch bei den Geschäftsprozessen erfolgt sei.

Jonathan Loretto, RFID-Spezialist bei Cap Gemini Ernst & Young, schätzt den diesbezüglichen Aufwand für die Top-100-Lieferanten auf jeweils "18 Monate harter Arbeit". Die auf einen Supplier im ersten Jahr zukommenden Kosten für Hardware, Software, andere Systeme und Personal werden seines Erachtens zwischen 15 und 18 Millionen Dollar betragen.

"Bislang liegen die Vorteile der RFID-Einführung ausschließlich bei Wal-Mart, während die gesamten Kosten am Lieferanten hängen bleiben", bemängelt Kara Romanow, Analystin bei AMR Research. Nach ihrer Einschätzung belaufen sich die anfänglichen Kosten für einen Supplier, der 50 Millionen mit RFID-Tags versehene Produkte pro Jahr liefert, auf eine Summe zwischen 13 und 23 Millionen Dollar. Diese setzten sich aus Kosten für die RFID-Etiketten (zu derzeitigen Preisen zwischen 20 und 50 Cent pro Stück), für die Lesesysteme und für Integrationsarbeiten sowie notwendige Modifikationen an den Supply-Chain-Applikationen zusammen. Aus Romanows Sicht ständen hier zunächst einmal Verhandlungen über die Kostenverteilung zwischen dem Retailer und seinen Partnern an.

Pragmatik statt Panik

Zulieferern, die die Frist bis zum RFID-Start in den drei Distributionszentren rund um Dallas einhalten müssen, empfiehlt Gartner-Analyst Jeff Woods, pragmatisch vorzugehen: Am effektivsten und kostengünstigsten sei es, Kartons und Paletten erst kurz vor dem Verladen mit Tags zu versehen. Die Lieferanten selbst verfallen ohnehin nicht in Panik: Trotz der herannahenden Deadline wollen viele nach Beobachtungen von Bearing-Point-Analyst John Cummings zunächst die Bekanntgabe der endgültigen technischen Details abwarten. Bislang hat Wal-Mart angekündigt, UHF-Tags (UHF = Ultra High Frequency) mit Taktfrequenzen von 868 bis 956 Megahertz einzusetzen und Chips zu akzeptieren, die über die Protokolle Class 0 oder 1 mit den Lesegeräten kommunizieren.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Beide Protokolle wurden von dem eigens zur Entwicklung der Funktechnik gegründeten, allerdings im Oktober geschlossenen Auto-ID-Center beim Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Die Verwaltung des Standards hatte das Institut bereits Ende September an EPC Global übergeben. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture des Uniform Code Council (UCC) mit der Organisation EAN International, die die weltweite Administration von Strichcode-Standards unter ihren Fittichen hat.

Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens A.T. Kearney lassen sich über den RFID-Einsatz für Handelsketten wie Wal-Mart Einsparungen in Milliardenhöhe erzielen. Dank einer präziseren Lieferverfolgung könnten die Bestände um bis zu fünf Prozent und die derzeit in Warenhäusern für das Bestands-Management anfallenden Arbeitskosten um etwa 7,5 Prozent reduziert werden. Ferner dürften die Funk-Tags für eine Erhöhung der Absatzzahlen sorgen, indem sie helfen, akuten Produktengpässen vorzubeugen. (kf)