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20.12.2002 - 

Nach dem Amtsantritt: Der Chief Executive Officer im CW-Gespräch

Richard Seibt will Suse neu ausrichten

Richard Seibt, der neue Chief Executive Officer (CEO) der Suse Linux AG, will die Marktposition des Unternehmens deutlich verbessern. Zur Verstärkung der Marketing-Aktivitäten kündigte er im Gespräch mit CW-Redakteur Ludger Schmitz eine partielle Umorganisation der Firma, ein stärkeres Management und Zusammenarbeit mit neuen Partnern an.

CW: Als OS/2-Manager lagen Sie früher schon einmal im Clinch mit Microsoft. Wiederholt sich die Geschichte?

Seibt: Nein, wir haben eine ganz andere Voraussetzung. Mit OS/2 hatte IBM das erste 32-Bit-PC-Betriebssystem. Windows war bei weitem noch nicht so weit. Jetzt haben wir mit Linux ein Unix-ähnliches System, das auf Servern weit verbreitet ist, also eine ganz andere Marktposition hat als damals OS/2. Microsoft macht sich Gedanken um die künftige Strategie und reagiert zwiespältig: Einerseits steht man Open Source ablehnend gegenüber. Andererseits dürfte die Berufung von Jürgen Gallmann, der bei IBM ein großer Verfechter von Linux war, zum Chef von Microsoft Deutschland auch bedeuten, dass Linux dort eine Rolle spielt. Sonst hätte Microsoft ihn nicht geholt, und er wäre nicht dorthin gegangen.

CW: Welche Beziehungen haben Sie zu Herrn Gallmann?

Seibt: Er ist mein ehemaliger Mitarbeiter, ich habe ihn damals bei IBM angestellt. Jetzt habe ich ihm gratuliert und er mir. Wir haben uns immer gut verstanden, und das wird sich nicht ändern.

CW: Wie gut ist Ihr Wissen über die Grundprinzipien und Befindlichkeiten der Open-Source-Welt?

Seibt: Bereits vor meinem ersten Arbeitstag haben mich Suse-Mitarbeiter und -Management über die enge Verzahnung mit der Open-Source-Community aufgeklärt und mir Motivation und Faszination der Beteiligten nahe gebracht. Mein Job wird es sein, das Potenzial der Open-Source-Bewegung mit den Stärken der traditionellen IT-Industrie zu verbinden.

CW: Laut Suse-Aufsichtsrat sollen Sie für eine neue Phase des Wachstums sorgen. Warum glaubte man, Ihrem Vorgänger Gerhard Burtscher, der den Turnaround geschafft hat und 20 Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr vorweisen kann, werde das nicht gelingen?

Seibt: Das hängt weniger mit Herrn Burtscher zusammen als mit spezifischen Skills, die ich in die Waagschale werfen kann. Das sind insbesondere die Software-Sales- und -Marketing-Erfahrungen aus vielen Jahren bei IBM - sowohl über den Channel als auch im direkten Umgang mit Kunden, sowohl im Consumer- als auch im Enterprise-Bereich. Außerdem geht es wohl um Erfahrungen mit dem Börsengang und mit dem Customer-Relationship-Management aus meiner Zeit bei United Internet.

CW: Wurde Burtscher vorgeworfen, dass Suse immer noch keinen Gewinn macht?

Seibt: Die Marktsituation der IT ist momentan sehr schwierig. Das Ziel muss sicher ein profitables Unternehmen sein, und das habe ich mir auch für das nächste Jahr vorgenommen. Wir sind im Jahr 2002 nahe an die schwarze Null gekommen.

CW: Unter Ihren Vorgängern gab es Entlassungen. Planen auch Sie mit weniger Personal?

Seibt: Davon wird im Moment überhaupt nicht geredet. Wir denken darüber nach, wie die Wachstumsszenarien aussehen sollen. Und das wird im Sales-Bereich größere Ressourcen erfordern.

CW: Welche Ideen bezüglich Expansion haben Sie?

Seibt: Eine Idee ist, mit dem Fokus auf bestimmte Branchen - Telecom, öffentliche Verwaltung, Finanzinstitute und Automobilindustrie - anzufangen und schrittweise weitere Sektoren wie Chemie, Pharmazie und Handel anzugehen. Jeder dieser Branchen lässt sich ein bestimmter Satz an Anforderungen zuordnen, den man unter Linux zur Verfügung stellen muss. Es geht darum, ein bestimmtes Portfolio an Anwendungen, Middleware und Hardware anbieten zu können.

CW: Und das soll Suse aus eigener Kraft schaffen?

Seibt: Wir werden uns auf den Channel fokussieren. Für den Mittelstand bedeutet dies einen Vertrieb unserer Produkte über Distributoren und autorisierte Value Added Reseller. Die Named Accounts, die in unserem Branchenfokus liegen, bedienen wir alleine oder gemeinsam mit Servicepartnern wie IBM Global Services, Hewlett-Packard oder EDS, um nur einige zu nennen. Dafür wird eine Person im Ma-nagement verantwortlich sein. Wir versprechen uns eine Verbesserung der Beziehungen zu unseren Partnern und eine klare, überzeugende Umsetzung unserer Strategie.

CW: Es wird also Veränderungen im Management geben?

Seibt: Ich denke, dass man an der einen oder anderen Stelle das Management ergänzen muss. Um beispielsweise die Ausweitung unserer Vertriebsaktivitäten erfolgreich zu steuern, werden wir uns im Bereich Business-Development und Marketing sicher kompetent verstärken.

CW: Werden Sie die Organisation von Suse in kundenspezifische Business Units ändern?

Seibt: Bisher haben wir einen Geschäftsbereich für Business User in kleinen und mittelgroßen Unternehmen sowie den Bereich Qualified User für Linux-Professionals. Diese Einheiten werden wir zusammenlegen. Es hat sich herausgestellt, dass ein Qualified User häufig in einem mittelständischen Unternehmen arbeitet.

CW: Bisher sind die Interessenten eher an Suse herangetreten als umgekehrt. Was wollen Sie tun, um vom reaktiven zum aktiven Marketing zu kommen?

Seibt: Ich glaube, Erfahrung mitzubringen, um die angestrebte Klientel anzusprechen und Interesse zu erzeugen, um dann einen zertifizierten Partner aktiv werden zu lassen oder sie mit eigenen Mitarbeitern zu kontaktieren.

CW: Wie wird sich das Portfolio von Suse unter Ihrer Führung gestalten?

Seibt: Wir werden ein Schwergewicht auf unser Angebot für Unternehmen legen. Neben dem Vertrieb von Produkten wird es unser Hauptanliegen sein, einen umfassenden Support für Firmen aufzubauen. Denn Unternehmen brauchen einen verlässlichen Partner, der ihnen für die Plattform, für die sie sich entschieden haben, Maintenance und Service langfristig sicherstellt - und zwar innerhalb garantierter Reaktionszeiten. Darauf konzentrieren wir uns.

CW: Wer hat bei Suse das Sagen - Sie oder die industriellen Kapitalgeber?

Seibt: Durch das Gesetz sind die Verantwortung und die Machtbefugnisse des Vorstands und des Aufsichtsrats definiert. Mit den Erfahrungen, die ich einbringe, und nach den Vereinbarungen, die mit mir geschlossen wurden, erwarte ich eine sehr konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und den Investoren. Alle haben das gleiche Ziel, und jeder bringt seine Kompetenzen ein.

CW: Wird Suse demnächst wieder eine Kapitalspritze brauchen?

Seibt: Das ist nicht unbedingt notwendig. Wenn wir jedoch gemeinsam ein entsprechend aggressives Wachstum anstreben, werden sich unsere Investoren nicht zurückhalten.

CW: Planen Sie, Suse in absehbarer Zeit an die Börse zu bringen?

Seibt: Der Kapitalmarkt belohnt einen Börsengang zurzeit nicht. Und anders als vor wenigen Jahren muss jetzt Profitabilität über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden. In den nächsten Jahren brauchen wir uns über einen Börsengang keine Gedanken zu machen.