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22.09.2000 - 

Weiter Stellungskrieg um wahre Open-Source-Software

Richard Stallman attackiert KDE und kommt selbst unter Beschuss

MÜNCHEN (CW) - Der Zwist zwischen den Linux-Desktop-Projekten KDE und Gnome schien beigelegt, da sorgt ein Artikel von Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation (FSF), für neue Aufregung. Er verlangt eine "Bitte um Verzeihung".

Die Entscheidung der Firma Trolltech, die von der Oberfläche KDE genutzte Library "Qt" unter die GNU General Public License (GPL) zu stellen (siehe CW 36/00, Seite 14), hat keineswegs die Kritik an diesem Open-Source-Projekt verstummen lassen. Richard Stallman, einer der bekanntesten Verfechter freier Software, hatte Trolltech für das "großartige Geschenk" gelobt, nahm kurz darauf allerdings in einem Beitrag für "Linux Today" KDE unter Feuer.

Mit dem einst proprietären Qt habe das GUI-Projekt, so Stallman, "ein wachsendes Risiko für den Fortschritt freier Software" dargestellt, weil es zur Verwendung nicht quelloffener Software in der Community ermutige. Deswegen habe er die Alternative Gnome mitbegründet.

Der "fundamentale Fehler" in KDE sei seit Version 2.2 von Qt behoben, nicht aber das frühere Verknüpfen von freiem und proprietärem Code. Deswegen solle die Projektgruppe nun alle Träger von Urheberrechten an GPL-Teilen des Codes in seiner Benutzeroberfläche "um Verzeihung bitten". Die FSF gewähre Pardon. Stallman hatte kürzlich ein einem Interview mit der COMPUTERWOCHE (34/00, Seite 8) noch erklärt: "Entwickler wissen, dass Softwarepatente idiotisch sind."

Der Artikel von Stallman löste unverzüglich heftige Reaktionen aus. Die KDE-Gruppe gab gleich zwei Statements heraus. Offiziell antwortete sie, Stallman habe früher erklärt, es gebe keine Lizenzprobleme mit KDE. Nur zwei kleine Beiträge in der Benutzeroberfläche seien nicht explizit für KDE geschrieben. Man könne diesen Code ersetzen, aber "die ganz Sache ist absurd, und wir weigern uns, dieses Spiel mitzumachen". Wer seine Rechte durch KDE verletzt sehe, möge sich an das Projekt wenden, "damit wir die Sache bereinigen".

Dem fügten 20 Mitglieder des KDE-Core-Teams eine persönliche Erklärung bei: Stallman sei "ein alter Verunglimpfer" ihres Projekts, seine Anti-KDE-Motive hätten die Entwickler von Gnome längst hinter sich gelassen. Der FSF-Kopf sei mit seinem "Mantra" gegen KDE "in der Vergangenheit verhaftet". Die Aufforderung, um Verzeihung zu bitten, sei "Bullshit".

Stallman schaffe eine "Lex KDE". Er ignoriere, dass es eine Menge Verletzungen der GPL in der Open-Source-Welt gegeben habe, die durch spätere Lizenzänderungen akzeptiert wurden. Auch Gnome verwende KDE-Code ohne Angabe des Copyrights. Deswegen Vergebung zu verlangen sei "einfach nicht etwas, was vernünftige Erwachsene tun". Man betrachte die Anwürfe als "einen kindischen, boshaften Akt von jemandem, der es eindeutig nicht ertragen kann, uns überleben zu sehen".