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18.02.2000 - 

Messe-Rundgang CeBIT 2000: Alternativen zu Modem und ISDN

Richtfunktechnik und XDSL erobern die letzte Meile

Mit neuen Internet-Anwendungen wie Video-Conferencing, Streaming Media oder Video on Demand wächst allerorten der Bedarf an Bandbreite. Die ist in den großen Netzen der Carrier zwar reichlich vorhanden, beim Endanwender kommt davon allerdings wenig an. Kein Wunder also, dass Hersteller und Provider im Nadelöhr der letzte Meile ein dickes Geschäft wittern. Bisher ist jedoch offen, welche der Local-Loop-Alternativen zu Modem und ISDN das Rennen machen wird.Von Robert Gammel*

Nicht wenige halten Deutschland im Vergleich zu den USA und Skandinavien für ein Internet-Entwicklungsland. Während Datenpakete auch hierzulande bereits mit Lichtgeschwindigkeit durch die Glasfasernetze der großen Carrier rauschen, tröpfeln sie, auf den letzten Metern stark gebremst, in die heimischen Rechner. Große Unternehmen behelfen sich mit teuren Standleitungen, in privaten Haushalten dagegen ist mit Modems bei 56 Kbit/s Schluss und auch ein ISDN-Anschluss schafft mit einer Transferrate von 64 Kbit/s nur unwesentlich mehr.

Die zweite große Barriere auf dem Weg in das Internet-Zeitalter ist in Deutschland die Art und Weise, wie Surfer von den TK-Anbietern - allen voran der Telekom - für den Web-Zugang abkassiert werden. Dies liegt in erster Linie an den einerseits nachvollziehbaren, andererseits ärgerlichen Versuchen der Deutschen Telekom, ihre derzeitige De-facto-Monopolstellung im Ortsnetz zu verteidigen. Neben dem örtlichen Telefonnetz kann nur das TV-Kabelnetz eine nennenswert hohe Anschlussquote vorweisen - und auch davon trennt sich die Telekom nur äußerst zögerlich. Bei der Überwindung der letzten Meile geht es also nicht nur um die Schaffung besonders breitbandiger Web-Zugänge, sondern auch um die Bereitstellung kostengünstiger Alternativen zu den bisher eingesetzten Techniken.

Wenn zuvor davon die Rede war, nur Telefon- und TV-Kabelnetz könnten einen Großteil aller Haushalte erreichen, stimmt das nicht ganz: Mit dem Stromnetz steht eine Infrastruktur zur Verfügung, die nicht nur in jedes Haus, sondern in jedes Zimmer vordringt. Folglich war die Euphorie groß, als die Idee aufkam, Stromleitungen zum Zwecke der Datenübertragung zu nutzen. Auch wenn inzwischen mehrere Hersteller und Stromerzeuger Pilotprojekte gestartet haben, rechnen die wenigsten in absehbarer Zeit mit dem Einsatz dieser Powerline-Systeme auf breiter Front. Kritiker bemängeln neben technischen Problemen wie der Anfälligkeit für elektromagnetischen Streu- und Störfelder die schleppende Verabschiedung von europaweit gültigen Standards. Ob die angepeilten Übertragungsraten von 2 Mbit/s noch begeistern, bis die Schwierigkeiten überwunden sind, ist äußerst fraglich. So ist es mittlerweile um die Powerline-Technik wieder ziemlich ruhig geworden. Vielleicht gerade deshalb nutzt die Branche die CeBIT, um ein Lebenszeichen von sich zu geben: Unter der Schirmherrschaft des Internationalen Powerline Forums (IPCF) konzentrieren sich mehrere Aussteller in der Halle 17, Stand F08, im Powerline-Center (siehe Kasten). Die konzertierte Aktion legt den Verdacht nahe, dass die beteiligten Unternehmen unter starkem Zeitdruck stehen. So befürchtet RWE-Projektleiter Hartmut Schilling, die Chance für einen Marktauftritt könnte bald schwinden, wenn sich andere Local-Loop-Techniken erst einmal etabliert haben.

Der Rückkanal als SorgenkindEin konkurrierendes Verfahren, das ebenfalls mit Startproblemen zu kämpfen hat, ist der Datentransfer via Satellit. Der Umweg über die Erdtrabanten bringt Verzögerungszeiten mit sich, die bei ungünstigen Konstellationen rund eine Sekunde betragen können. Beim Download großer Datenmengen, für die Satellitensysteme aufgrund der entfallenden Telefonkosten derzeit eine echte Alternative darstellen, spielt dies keine Rolle. Echtzeitanwendungen dagegen lassen sich so nur schwer realisieren. Zudem sind Lösungen, die Daten nicht nur empfangen, sondern auch ins All senden können, momentan noch so teuer, dass die meisten Anbieter als Rückkanal herkömmliche Modems oder ISDN nutzen.

Der fehlende Rückkanal verhindert auch den kurzfristigen Durchbruch des TV-Kabelnetzes. Ursprünglich nur zur Verteilung von Fernseh- und Rundfunkprogrammen konzipiert, verschlingt das Netz voraussichtlich Investitionen in Milliardenhöhe, bevor die rund 21 Millionen angeschlossenen Haushalte ins World Wide Web aufbrechen können. Immerhin existieren einige Inseln, die einen Internet-Anschluss via TV-Kabel schon ermöglichen. So haben beispielsweise die privaten Kabelnetzbetreiber EWT-TSS in Berlin sowie die Primacom AG in Leipzig Pilotprojekte gestartet. Da sich jedoch - beabsichtigt oder nicht - der Verkauf des Telekom-Kabelnetzes weiter in die Länge zieht, ist bislang unklar, in welchem Umfang und Tempo die künftigen Eigentümer den Ausbau angehen werden.

Die Verzögerungstaktik der Telekom ist wenig erstaunlich. Je mehr Zeit ins Land geht, ohne dass sich Powerline, Satellitensysteme und Kabelnetz als Alternativen zum Ortsnetz durchsetzen können, umso mehr steigen die Chancen der Deutschen Telekom, ihren T-DSL getauften Asymmetric-Digital-Subscriber-Line-(ADSL-)-Dienst zu etablieren. Bei diesem Verfahren werden sowohl der Datenkanal zum Konsumenten als auch der bidirektionale Steuerkanal über eine Telefonleitung geführt. Der Vorteil: Telefondienste bleiben dabei unbeeinflusst. ADSL ist eine XDSL-Variante, die sich insbesondere für den Transport großer Datenmengen zum User (Downstream) eignet, für den entgegengesetzten Weg (Upstream) allerdings wesentlich geringere Bandbreiten zur Verfügung stellt. Bei den T-DSL-Angeboten kann der Kunde zwischen Kapazitäten von 768 Kbit/s Downstream und 128 Kbit/s Upstream (T-Online Speed) bis zu 6 Mbit/s Downstream und 576 Kbit/s Upstream (T-Interconnect) wählen. Derzeit bietet die Telekom den Dienst in rund 60 Städten, bis Ende des Jahres sollen über 220 Ortsnetze angeschlossen sein.

Für Privatkunden ist das schnelle Vergnügen allerdings etwas kostspielig: Die Privatkundenversion T-Online Speed reißt mit Mindestkosten von 197 Mark pro Monat ein beachtliches Loch in die Anwenderkasse.

Ein die XDSL-Preislandschaft belebender Wettbewerb kommt nur sehr zögerlich in Gang. Das liegt jedoch nicht an der Schläfrigkeit der Konkurrenz. Zur Überbrückung der letzten Meile sind Carrier nach wie vor auf den Anschluss an die Hauptverteiler der Telekom angewiesen. Die berechnet dabei für jeden "entbündelten Teilnehmerzugang" 25,40 Mark pro Monat. Die Verhandlungen mit Schwergewichten wie Mannesmann Arcor oder Colt Telekom dauern an. Besonders forsch können die TK-Unternehmen dabei nicht auftreten, wollen sie nicht am ausgestreckten Arm der Telekom verhungern. Andererseits haben es manche Carrier nicht besonders eilig. Zu groß ist die Versuchung, Anstrengungen zur Öffnung des Marktes sowie die damit verbundenen Kosten der Telekom zu überlassen, um sich dann in das gemachte Bett zu legen.

Trotzdem haben einige TK-Anbieter den Start ihrer ADSL-Dienste für das kommende Jahr angekündigt. So plant Mannesmann Arcor, sein ISDN-Pauschalangebot mit unbegrenzter Internet-Nutzung (Flatrate) für 149 Mark pro Monat noch im Frühjahr mit DSL-Technik aufzurüsten. Damit verdoppelt sich für Anwender, welche die einmalige Bereitstellungsgebühr von 299 Mark für Splitter und Modem nicht scheuen, die Übertragungsrate auf immerhin 128 Kbit/s. Schnell am Markt sind auch Internet-Service-Provider wie TCP/ IP, die eigene Dienste schlichtweg auf die Telekom-Lösung aufsetzen. Das Unternehmen nutzt T-DSL für die Einrichtung von ADSL-Standleitungen, wobei Interessenten im Einzelfall prüfen sollten, ob eine herkömmliche Standleitung nicht günstiger kommt.

Ein Anbieter, der die notwendigen Netzzusammenschaltungs- und Kollokationsvereinbarungen bereits in der Tasche hat, ist die QS Communications AG. Allerdings setzt das Kölner Unternehmen nicht auf ADSL, sondern auf einen anderen Spross der XDSL-Familie, das Symmetric-Digital-Subscriber-Line-(SDSL-)Verfahren. Damit stellt sich das Unternehmen nicht als direkter Konkurrent der Telekom auf: SDSL zeichnet sich im Gegensatz zu ADSL durch gleich große Bandbreiten sowohl im Upstream- als auch im Downstream-Betrieb aus und bedient damit andere Nutzergruppen. Mit Übertragungsraten von bis zu 2,3 Mbit/s in beiden Richtungen eignet sich SDSL besonders für Intranet-Anwendungen wie die LAN-Kopplung, Video-Conferencing, Telelearning oder Web-Hosting. Derzeit ist der QSC-Dienst in den Stadtzentren von Köln, Berlin, Aachen sowie München verfügbar und wird dort über regionale Internet-Service-Provider angeboten. Einem Unternehmenssprecher zufolge können Ende des Jahres Kunden in 40 Städten mit SDSL ins Internet aufbrechen.

Da in der Regel bei der Nutzung von XDSL-Techniken kein Weg an den Kupferkabeln der Telekom-Infrastruktur vorbeiführt, favorisieren mittlerweile einige Carrier den breitbandigen Datentransfer über die Ausweichroute Funk. Solche Wireless-Access-Networks stellen eine echte Alternative zur klassischen Verkabelung dar. Die Richtfunktechnik eignet sich darüber hinaus zur schnellen Erschließung der die Metropolen umgebenden Vorstädte sowie dünn besiedelter Gebiete. Dabei können mit nur einer Sendestation Hunderttausende von Empfängern erreicht werden, die jedoch eine Sende- und Empfangsantenne sowie ein Funkmodem benötigen.

Schneller als Richtfunk ist nur die GlasfaserDieses Local-Loop-Verfahren hatte lange mit dem Vorurteil zu kämpfen, es sei unzuverlässig und zu teuer. Ein Vorwurf, den William Schrader, CEO des Internet-Carriers Psinet, so nicht gelten lassen will: Die Verfügbarkeit von Funkstrecken liege mit 99,99 Prozent höher als die der meisten terrestrischen Glasfasernetze. Überdies bedienen sich TK-Dienstleister dieser Technik schon seit geraumer Zeit zur Übertragung von Ferngesprächen. Ein großer Pluspunkt von Richtfunkverfahren ist auch deren Leistungsfähigkeit: Bandbreiten von bis zu 155 Mbit/s erreichen sonst nur Glasfaserverbindungen. Die Funkstrecke ist damit 2325-mal schneller als eine ISDN-Verbindung.

Nachdem in zwei Ausschreibungsverfahren der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) insgesamt 18 Bewerber die begehrten Lizenzen erhalten haben, steht der großflächigen Versorgung mit breitbandigen Internet-Zugängen via Point-to-Multipoint-Richtfunk nichts mehr im Wege. Installationskosten von rund 1500 Mark dürften Privatanwender jedoch noch eine Weile abschrecken, auch wenn die Anbieter in den kommenden Jahren mit stark sinkenden Preisen rechnen. Allerdings ist diese Kundengruppe für die Carrier erfahrungsgemäß sowieso weit weniger interessant als die heiß begehrten Geschäftskunden.

In der Praxis werden einige Provider wie Psinet und Viag Interkom einen Mix der vorgestellten Alternativen nutzen.

Für den Messebesucher in Sachen letzte Meile ist die CeBIT zu kurz, um alle Unternehmen abzuklappern. Die große Zahl der Aussteller hat auch zur Folge, dass hier unmöglich alle aufgelistet werden können. Zur Planung des Messebesuchs sei daher auf die Datenbank der Messegesellschaft verwiesen (siehe Kasten).

*Robert Gammel ist freier Journalist in München.

AusstellerNeben den im Text genannten Dienstleistern sind zum Thema Local Loop auf der CeBIT so viele Hersteller vertreten, dass eine vollständige Auflistung unmöglich ist. Daher sei an dieser Stelle auf die "Suche nach Ausstellern und Produkten" auf der Website www.cebit.de verwiesen. Um die Recherche zu erleichtern, finden sich im folgenden Schlagworttipps für die Suche nach Produktgruppen.

XDSL:

-Adapter-/Interfacekarten für xDSL

-Analysatoren für xDSL

-Kombi-Modems

-Remote Access via xDSL

-Router für xDSL

-Vermittlungssysteme für xDSL

Satellitenzugangstechnik:

-Satellitenempfänger für Computer

-Satellitennetzanbieter

-Satelliten-Netzwerkverwaltung und -betrieb

-Vermittlung von Satellitenleistungen für Kommunikation

-Zubehör für Empfang von Kommunikationssatelliten

TV-Kabelnetz:

-Kabelmodems

Richtfunk:

-Breitbandige Digitalrichtfunksysteme

-Breitbandige Punkt-zu-Punkt-Richtfunksysteme

-Funkmodems

-Wireless Local Loop Systeme

Allein unter dem zuletzt genannten Begriff erhält man Angaben über 16 verschiedene Aussteller, die zum Teil auch Lösungen zu anderen Zugangstechniken anbieten.

Aussteller des Powerline-CentersHalle 17, Stand F08:

Alcatel SEL AG, Stuttgart

Enikia Inc., Piscataway (NJ), USA

Eutelis Consult GmbH, Ratingen

Intellon Inc., Ocala (FL), USA

Itran Communications Ltd., Beer Sheva, Israel

Keyin Telecom, Seoul, Korea

Nams Ltd., Tel-Aviv, Israel

Phonex Broadband Corporation, Midvale (UT), USA

Polytrax AG, München

Powertec AG, Bochum

PTF e.V., Ratingen

Regiocom GmbH, Magdeburg

RWE Energie AG, Essen

Siemens AG, München

Tesion GmbH, Stuttgart

In der Datenbank der CeBIT (www.cebit.de) finden Sie unter den Produktgruppen "Power Line Communication Systeme" und "Internet über Stromleitungen" eine ganze Reihe weiterer Aussteller, die Lösungen für die Datenübertragung via Stromnetz vorstellen.

Abb.: Zumindest was die Geschwindigkeit angeht, hat die Richtfunktechnik die anderen Local-Loop-Systeme weit abgehängt. Quelle: Mediascape