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09.10.1992 - 

Nullergebnis durch Gewinnabführung und Ausgleichszahlung

Ricke: Staatskonzern Telekom droht eine finanzielle Schieflage

BONN/MÜNCHEN (bk) - Der Deutschen Bundespost Telekom stehen schwere Zeiten bevor. So verzehrten Bund und Schwesterunternehmen nicht nur den Jahresüberschuß 1991 in Höhe von rund 7,2 Milliarden Mark. Die Abgabeverordnung sorgt zudem dafür, daß die hohen Investitionen für Ostdeutschland und die wachsenden Zinsbelastungen am Eigenkapital nagen. Folge: Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konkurrenten ist gefährdet.

Eigentlich hätte sich ein zufriedener Helmut Ricke der Wirtschaftspresse in Bonn präsentieren können. Schließlich fuhr die Telekom in ihrem ersten gesamtdeutschen Geschäftsjahr 1991 einen Umsatz von 47,2 Milliarden Mark ein - drei Milliarden Mark steuerten die neuen Bundesländer bei und erzielte- einen Jahresüberschuß von rund 7,2 Milliarden Mark. Die sorgenvolle Miene des Vorstandschefs war jedoch unübersehbar. Der Grund: Ablieferungen an den Bund in Höhe von 4,9 Milliarden Mark sowie der vorgeschriebene Finanzausgleich für die Schwesterunternehmen Postbank und Postdienst (2,3 Milliarden Mark) fraßen nicht nur den gesamten Gewinn auf, sondern hinterließen sogar noch ein Loch von gut 100 Millionen Mark, das durch Auflösung von Sonderrücklagen gestopft werden mußte.

Wo kein Gewinn übrigbleibt, können auch keine Rücklagen für Investitionen gebildet werden. Da die Telekom aber hohe finanzielle Vorlaufleistungen für die Aufbauarbeit im Osten Deutschlands zu erbringen hat, müssen die Geldreserven angezapft werden. Folge: Mit einem ausgewiesenen Eigenkapital von 35,6 Milliarden Mark sank die Quote im Geschäfts Jahr 1991 von 30 auf 27 Prozent, für 1992 erwartet Ricke sogar ein Absacken unter die 25-Prozent-Grenze. Der vom Postverfassungsgesetz vorgeschriebene Soll-Wert indes beträgt 33 Prozent, die Eigenkapitalquote internationaler Mitbewerber liegt nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden zum Teil weit darüber. Dies beschere dem Unternehmen nicht nur einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. "Ohne die möglichst rasche Zuführung von zusätzlichem Eigenkapital in der Größenordnung von 20 Milliarden Mark wird das Finanzgefüge der Telekom in eine bedrohliche Schiefläge geraten", verdeutlichte Ricke die mißliche Lage des Staatskonzerns.

Einmal mehr forderte der Telekom-Chef deshalb, das Unternehmen so bald wie möglich von dem "Paragraphengeflecht des öffentlich-rechtlichen Dienst- und Haushaltsrechts" zu befreien, sprich: ihr eine neue Rechtsform zu geben. Ricke selbst favorisiert dabei die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und den Gang an die Börse, denn der internationale Aktienmarkt sei "die günstigste und einzige Quelle, die ergiebig genug erscheint". Noch aber steht die Entscheidung im Deutschen Bundestag aus, werden verschiedene Varianten diskutiert.

So heißt es für Ricke vorerst, den Gürtel enger zu schnallen, auch wenn die Telekom nach seinen Worten schon jetzt all die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen ist. Zwar erwartet der Telekom-Chef für 1992 eine erneute Umsatzsteigerung auf über 50 Milliarden Mark und hofft, den Jahresüberschuß von 1991 halten zu können. Wegen der Abgabenverordnung und des Finanzausgleiches werde aber erneut kein Gewinn übrigbleiben, mit dem sich die auf 30 Milliarden Mark ansteigenden Investitionen finanzieren lassen könnten.

Sparen will Ricke künftig vor allem bei den Personalkosten. Diese seien im internationalen Vergleich eindeutig zu hoch. Auf dem Plan steht deshalb eine Mitarbeiterreduzierung. Der Telekom-Chef beeilte sich allerdings hinzuzufügen, daß sich diese , "unterhalb der natürlichen Fluktuationsrate" bewegen werde. Derzeit beschäftigt der Staatskonzern an die 250,000 Mitarbeiter.