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Bundesforschungsministerium will vor allem Mittelstand fördern

Riesenhuber: Halbe Milliarde für CIM-Vorhaben

22.04.1988

BONN - Geld winkt besonders mittelständischen Unternehmen: Mit einer halben Milliarde Mark unterstützt das Bundesforschungsministerium die CIM-Innovation in den kommenden fünf Jahren. Im internationalen Chor der Intergrationsanwender nämlich scheinen deutsche Fertigungsbetriebe eher noch schwach auf der Brust zu sein.

"Die besten Techniken so schnell wie möglich einsetzen" gab Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber als Motto für das "Programm Fertigungstechnik 1988 bis 1992" aus. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) stellt dazu in den kommenden fünf Jahren einen Betrag von 502 Millionen Mark zur Verfügung. Angesprochen sind vor allem mittelständische Unternehmen. Sie beschäftigen 50 Prozent aller Arbeitnehmer, die im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. Bonns Augenmerk gilt dabei besonders "fertigungstechnischen Ausrüstern". Das Bundesforschungsministerium weist diesen "Lieferanten von Produktivität" eine Schlüsselfunktion für die gesamte deutsche Industrie zu. Hier will die Behörde weiterhin den - unbürokratischen - Hebel ansetzen.

In den Jahren 1985 und 1986 entstanden in jenen Branchen, die Roboter einsetzen, rund 125 000 qualifizierte Arbeitsplätze, bilanzierte Minister Heinz Riesenhuber. Beim Einsatz von intelligenter Technik die Nase mit vorn zu haben, so der Bundesminister, verbessere auch künftig die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Auf dem High-tech-Markt erwächst nämlich neue Konkurrenz: Neben USA und Japan, so der BMFT-Minister, machen sich ostasiatische Schwellenländer breit.

Zwar läuft bereits in mehr als 90 Prozent deutscher Betriebe mindestens eine Arbeitsfunktion rechnerunterstützt, stellte das Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft RKW in Eschborn fest; an der Spitze stehen kaufmännische Anwendungen. Bei technischen Lösungen aber setzen nur zwischen 10 bis 17 vom Hundert aller Unternehmen Informationstechnik ein: ein Drittel von ihnen CNC-Maschinen, komplexere rechnergesteuerte Fertigung indes nur drei vom Hundert und automatisierte Materialflußsysteme weniger als ein Prozent. Die innerbetriebliche rechnerunterstützte Kopplung hat erst etwa ein Zehntel realisiert.

Deshalb konzentriert sich Bonn in den 90er Jahren auf den Sektor rechnerintegrierte Fertigung "Computer Integrated Manufacturing (CIM)". CIM definiert das BMFT dabei als informationstechnische Vernetzung von mindestens zwei autonomen betriebswirtschaftlichen oder technischen Subsystemen.

"Windhundverfahren " für Bewerber

Ziel des BMFT ist es nicht, die Wirtschaft zu subventionieren, sondern rechtzeitig Signale zu setzen. Der Branchencode des statistischen Bundesamtes weist 4570 förderungswürdige Firmen aus. Das Bonner Budget reicht aber für nur 1000 Anträge auf den Höchstfördersatz. Für Bewerber gilt also das "Windhundverfahren". Begrenzte Förderbeträge sollen die unternehmerische Eigeninitiative reizen, in die technische Strukturveränderung einzusteigen und neue maßgeschneiderte ganzheitliche Arbeitsvollzüge zu gestalten.

Investitionen in Köpfe steigen an

Dabei werde nicht das Einzelprojekt geprüft, so Riesenhuber, denn der Markt vollzöge Entwicklungen "schneller als der Staat. Zuwendungen - maximal je Unternehmen 300 000 Mark - erstrecken sich auf PersonaIkosten sowie Forschungs- und Entwicklungsaufträge für Integrationssoftware, aber auch auf Schulung und Beratung. Im Vordergrund stehe künftig "materiefreies Wachstum", so Riesenhuber, das keine Ressourcen außer dem menschlichen Gehirn benötige: "Investitionen in Software, also in Köpfe, steigen schneller als in Maschinen". Deshalb müßten in den 90er Jahren 50 Prozent der Mitarbeiter informationstechnischen Tiefgang zusammen mit traditionellem Berufswissen aufweisen.

Neben einer Finanzspritze benötigen vor allem kleinere Betriebe den technischen Durchblick. Für die Aufklärungsarbeit über die Palette der Intergrationstechniken entsteht bundesweit ein Netz von 13 Technologie-Transferstellen. Sie sollen "Sach- und Erfahrungswissen" aus der Forschung beschleunigt in die industrielle - vor allem mittelständische - Anwendung überführen.

Die CIM-Innovation braucht weiterhin frühzeitig gesicherte Schnittstellen zwischen den Systemkomponenten. "Wer die Standards hat, hat die Märkte", merkt Riesenhuber für das europäische wie auch internationale Exportgeschäft an. Noch zu etablierende CIM-Arbeitsgruppen bei der Fraunhofer Gesellschaft sowie dem Deutschen Institut für Normung (DIN) setzen hier an. Ihre Aufgabe ist es, bereits die entwicklungsbegleitende Normung zu betreuen. Offene Normen weisen dabei die Richtung. Eine enge Verbindung sieht Riesenhuber auch zu Eureka-Projekten.

Technikfolgen abschätzen

Bei der industriellen Fertigung setzt Riesenhuber auf flexibel automatisierte Montagesysteme als das "größte Modernisierungspotential". Für Lösungen bei neuen Fertigungstechnologien und Maschinensystemen macht das Forschungsministerium ebenfalls Geld locker. In Verbundprojekten können Forschung und Industrie so aufwendige und risikoreiche Entwicklungen angehen, Als Aufgabengebiete stehen umformende sowie Fertigungsverfahren für Verbundwerkstoffe, Hochleistungskeramiken und die Ultrapräzisionstechik an.

Neben der technischen Innovation soll aber auch, so die Bonner Politiker, der menschliche Aspekt nicht auf der Stecke bleiben. Eine weitere Komponente des Bonner Programms ist die Technikfolgenabschätzung: Nutzen wie Kosten der Investitionen, aber auch die Veränderung der Arbeitsabläufe. Menschengerechte Gestaltung der Technik, betont der Bundesforschungsminister, stehe dabei obenan. (Siehe auch Seite 32 und Seite 48).