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15.08.2003 - 

E-Government/Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen der BfA automatisiert sich

Riester-Rente: Zusy rechnet und zahlt

Bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) laufen die Fäden der Riester-Rente zusammen. Ihre Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) nimmt die administrativen Aufgaben wahr: Anträge auf Zulagen von den Anbietern von Altersvorsorgeprodukten prüfen, Zulagen berechnen, auszahlen, Daten mit Institutionen wie Familienkassen und Finanzämtern abgleichen. Bis zu 18 000 externe Partner sind eingebunden.Von Iradj Rahn*

Die BfA musste einen Weg finden, den enormen Arbeitsaufwand, der wegen der Einführung der Riester-Rente entstanden war, weitestgehend durch automatische Verfahren zu bewältigen. Gemeinsam mit IBM Business Consulting Services (BCS) konzipierten und realisierten die Berliner schließlich das Datenverarbeitungssystem "Zusy" (Zulagesystem). Damit konnte die Bundesanstalt auch einem Auftrag aus dem Projekt "Bund Online 2005" der Bundesregierung nachkommen.

Nur elektronische Datensätze

Der dafür verfügbare Zeitrahmen war knapp bemessen: Mitte 2001 wurde das Altersvermögensgesetz (AVmG) verabschiedet, Anfang 2002 trat es in Kraft. IBM und die BfA entwickelten unter diesen Vorgaben ein komplett neues Datenverarbeitungssystem, dessen Konzeptionsphase nur zwei Monate kurz war. Seit Februar 2002 arbeitete eine in Spitzenzeiten bis zu 90 Köpfe starke Projektgruppe an der Implementierung, die im Frühjahr 2003 in einer ersten Stufe abgeschlossen wurde. Hinzu kam, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen zu Projektbeginn noch nicht endgültig feststanden. So wurde die notwendige Rechtsverordnung zum Datenaustausch im Dezember 2002 und damit erst kurz vor Produktionseinführung verabschiedet. Bei bis zu 30 Millionen Zulageanträgen pro Jahr war für alle Projektbeteiligten klar, dass keine Behördenarchitektur alten Stils geschaffen werden konnte. Da der Gesetzgeber alle am Verfahren beteiligten Institutionen gesetzlich dazu verpflichtet hat, IT-Lösungen für die Bewältigung der Aufgaben einzusetzen, erhält die Zentrale Zulagenstelle Anträge ausschließlich in Form elektronischer Datensätze.

Ein wesentlicher Bestandteil von Zusy ist die automatisierte Kommunikation mit den externen Partnern der ZfA. Zu den Partnern gehören sowohl Anbieter von "Riester-Produkten" wie beispielsweise Versicherungen als auch andere Behörden wie Finanzämter oder Familienkassen. Der Datenaustausch erfolgt hierbei über Wähl- oder Festleitungsverbindungen auf der Basis von Standardtechnologien. Um einen möglichst fehlerfreien Nachrichtenaustausch und beiden Kommunikationspartnern eine Überprüfung auf Fehler zu ermöglichen, hat man sich für ein Austauschformat auf der Basis von XML-Strukturen entschieden. Die Beschreibung der XML-Grammatiken erfolgt auf Basis von XML-Schemata, weil diese die Definition eigener Datentypen erlauben und deshalb die syntaktische Qualität der zu übertragenden Daten verbessern.

Die Kommunikation zwischen der ZfA und einem Partner erfolgt nachrichtenorientiert und entsprechend gängigen Sicherheitsstandards. Dazu nutzt das Zusy-Kernsystem die indirekte Kommunikation über eine "demilitarisierte Zone" (DMZ) des Internets. Zusätzlich wird über diese Entkopplung eine gleichmäßige Auslastung des Gesamtsystems erreicht, da kurzfristige Lastspitzen kompensiert werden können. Nach Eingang der XML-Datensätze werden diese entsprechend der Schema-Definition analysiert und syntaktisch geprüft. Fehlerhafte Nachrichten werden innerhalb dieses Arbeitsschrittes aus dem System wieder ausgesteuert und dem Kommunikationspartner mit einer Fehlerbeschreibung zugestellt. Nur erfolgreich geprüfte Nachrichten gelangen in die eigentliche Verarbeitung, so dass der Administrationsaufwand für die Behandlung nicht verarbeitbarer Nachrichten sehr gering bleibt.

Das Teilsystem "Automatische Verarbeitung" (AV) ist ein datenbankzentriertes Anwendungssystem. Die Ablaufsteuerung und das Transaktions-Management sind auf Basis von J2EE mit IBM Websphere Application Server und MQ Series als Middleware realisiert. Die relationale Datenbank kommt von Oracle. Das System ist so konzipiert, dass die notwendigen semantischen Prüfungen und Berechnungen automatisch und ohne Benutzerinteraktion ablaufen. Die Ergebnisse der Verarbeitung erhalten die Kommunikationspartner wiederum in Form von XML-Nachrichten.

Manuelle Eingriffe nur im Notfall

Sachbearbeiter sind nur in den Fällen notwendig, in denen die maschinelle Verarbeitung zu Fehlern, Hinweisen oder anderen Abweichungen vom "Normalfall" führt. Dazu werden die entsprechenden Daten aus dem Teilsystem der "Automatischen Verarbeitung" dem Arbeitsplatz des Sachbearbeiters zugewiesen. Hier kann der Fall dann bearbeitet, zu einem späteren Termin wieder vorgelegt oder an einen anderen Sachbearbeiter weitergeleitet werden.

Das Dialogsystem wurde auf Basis offener Internet-Standards als Thin-Client-Modell entwickelt. Innerhalb eines Web-Browsers werden die verschiedenen Dialogmasken in Form von HTML-Seiten angezeigt. Die Umsetzung der Dialogkomponente geschieht nach dem "Model View-Controller (MVC) Pattern". Hierzu wird das Open Source-Framework "Struts" von Apache verwendet.

Öffentliche Mittel sparsam eingesetzt

Doch lässt sich auch in dieser E-Government-Systemarchitektur die Verwendung von Papierdokumenten nicht ganz vermeiden. Ein essenzieller Bestandteil der papierarmen Vorgangsbearbeitung von Zusy ist die elektronische Akte: Dem Dialogsystem steht dazu ein Dokumenten-Management-System (DMS) zur Seite, mit dessen Hilfe sich der ein- und ausgehende Schriftwechsel digital speichern und verwalten lässt. Die Vorarbeit dazu leistet ein Scan-Subsystem - zwei Hochleistungs-Scanner erfassen die tägliche Post beidseitig mit bis zu 120 Seiten pro Minute. Über eine automatische Texterkennung werden die Dokumente auf ihr Ordnungskriterium hin analysiert und einem Zulagenkonto zugeordnet. Unsicher oder nicht erkannte Indexwerte werden manuell nacherfasst. Anschließend erfolgt sofort der Export der Dokumente mit den zugehörigen Indizes in das DMS-Zielsystem. Aktuell bearbeitete Dokumente lassen sich in einem Viewer anzeigen, weiterleiten, neu indexieren oder zur Wiedervorlage festlegen. Das Gesamtsystem beinhaltet die Synchronisation zwischen dem Dokumenten-Viewer, der Navigation und dem Dialog.

Die Bundesregierung hat sich mit dem Projekt "Bund Online" das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2005 alle Internet-fähigen Dienstleistungen online anzubieten. Mit der Produktionseinführung von Zusy konnte die BfA bereits jetzt ihren Auftrag erfüllen, die Auszahlung und Verwaltung von Zulagen für Altersvermögen zu ermöglichen. Das System hilft entscheidend dabei, öffentliche Mittel durch die automatische und papierarme Bearbeitung der Vorgänge möglichst sparsam einzusetzen. (bi)

*Iradj Rahn ist Projektleiter "Zusy" bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin.

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- Mit "Zusy" (Zulagensystem) konnte die BfA einem Auftrag aus dem Projekt "Bund Online 2005" der Bundesregierung nachkommen.

- Ein wesentlicher Bestandteil von Zusy ist die automatische Kommunikation mit den externen Partnern der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), etwa den Anbietern von "Riester-Produkten".

- Sachbearbeiter sind nur in den Fällen notwendig, in denen die maschinelle Verarbeitung zu Fehlern, Hinweisen oder anderen Abweichungen vom "Normalfall" führt.

- Das System hilft entscheidend, öffentliche Mittel durch automatische und papierarme Bearbeitung der Vorgänge möglichst sparsam einzusetzten.