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21.11.1975

Rififi

Programm-Manipulation, Daten-Manipulation, Zeit-Diebstahl, Daten-Diebstahl - gewiß, man hat davon gelesen, nur glauben wollte man es trotzdem nicht. Fast ausnahmslos waren es Fälle aus den USA oder aus England. Was hierzulande sich ereignete, war sehr wenig und meist handelte es sich um Straftaten im EDV-Vorfeld.

Denn etwa das Fälschen von Unterschriften, damit eingeschmuggelte Belege ordnungsgemäß vom Rechner bearbeitet werden, ist ja wohl nicht Computer-Kriminalität im engeren Sinne. Ebenso nicht die bekanntgewordenen Fälle von Datendiebstahl (etwa Kopieren von Kundendateien) oder Zeitdiebstahl (etwa Fremdrechnen für die eigene Tasche). Das sind Dinge, die durch einfache organisatorische Maßnahmen ausgeschlossen werden können, und derartige Vorkehrungen sind ohnehin in jedem gutgeführten Rechenzentrum realisiert.

Echte Computer-Kriminalität wäre doch wohl erst die intelligente Nutzung der eigentlichen Datenverarbeitungsfähigkeiten des EDV-Systems für Betrug und Bereicherung - eben die Programm-Manipulation.

Alles nur Gerede der Interessierten

Bisher wurde - nach meinem Wissen - in der Bundesrepublik erst ein einziger Fall bekannt - und das ist nahezu fünf Jahre her: Bei einer Hamburger Sparkasse konnte angeblich ein Programmierer das Zinsenberechnungs-Programm so verändern, daß es ihm Zehntelpfennig-Beträge, die beim Runden nach unten eingespart wurden, auf sein Konto gutschrieb. Da niemand Geld vermißte, blieb es dem Zufall überlassen, den Betrug aufzudecken. Der Gesamtschaden soll angeblich 480 000 Mark betragen haben Von diesem Krimi hat wohl jeder DV-Spezialist mehrfach gelesen - nur seltsamerweise wurden trotz zahlreicher Recherchen Name und Firma nie bekannt.

Viele zweifeln noch heute, daß es jemals einen echten Fall von Programm-Manipulation in Deutschland gegeben hätte, vielmehr sei das ganze Gerede um Computer-Kriminalität nur von interessierten Versicherern und Beratern hochgespielt worden. Ein Problem, das es gar nicht gäbe, brauche man also auch nicht ernst zu nehmen.

Akribie und Energie

Nun aber hat sich alles geändert. Ein Blitz ist eingeschlagen - nicht etwa im Vorfeld, sondern direkt im Zentrum -, und das Donnern wird man noch lange hören. Systemanalytiker Hartmut G. (39) hat zugeschlagen (siehe Seite 1, "Mit Programm-Manipulation 200 000 Mark erschwindelt").

Da wurden tatsächlich Subroutinen gestrickt - die wichtigste: das Unterdrücken des Ausdrucks einer "Gehalts-Tüte" im Falle der eingeschmuggelten Gehaltsempfänger. Da war zielstrebig kriminelle Energie am Werk, durchaus vergleichbar der Rififi-Akribie - die nur durch Paarung mit EDV-Sachkenntnissen zum Erfolg fuhren konnte. Das Nest ist nunmehr ganz eindeutig beschmutzt. Ein bisher sehr sauberer Berufsstand hat sein erstes ganz schwarzes Schaf aus eigenen Reihen. Datenverarbeiter sind nicht mehr, was sie vormals waren. Und das Problem der Computer-Kriminalität gibt es jetzt wirklich.

Wie viele solcher einträglichen Programm-Subroutinen laufen wohl jetzt und heute noch unentdeckt? Und wie viele morgen? Natürlich nur bei den Kollegen!