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08.08.2007

"RIM hat nur einen Konkurrenten - Microsoft"

Mit Jim Balsillie, Chairman und Co-CEO sowie Mitbegründer des Blackberry-Herstellers RIM, sprach CW-Redakteur Jürgen Hill über RIMs Verhältnis zu Microsoft und künftige Trends im Mobility-Markt.

CW: RIM adressierte als einer der ersten Hersteller das Thema Mobile E-Mail. Nun drängen andere Player wie Microsoft, IBM, Sybase oder Nokia in dieses Segment.

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Balsillie: IBM hat eine Partnerschaft mit uns. Und Nokia ist im Enterprise Business eine ganz kleine Nummer, deren Verkäufe liegen fast bei null. Es gibt für RIM nur einen großen Konkurrenten, und das ist Microsoft. Nur sie haben für diesen Bereich die nötigen Entwicklungsressourcen und Finanzmittel

CW: Wie wollen Sie gegen einen Konzern bestehen, der seinen Kunden eine All-in-one-Lösung aus Enterprise-Applikationen, VoIP sowie Unified Communications offeriert?

Balsillie: Wenn das funktionieren würde, dann würde Microsoft Cisco, IBM, SAP, Google sowie Yahoo plattmachen und die Carrier in die Rolle der dummen Bit-Lieferanten drängen.

CW: Kurz gesagt, Microsoft ist keine Gefahr?

Balsillie: Ich sehe Microsoft in zwei Geschäftsfeldern: als Betriebssystem-Lieferanten für Desktop-Rechner und als Applikationshersteller. Sie behaupten zwar, Konvergenzlösungen für die Wireless-Welt anzubieten, aber das ist eine ganz spezielle Welt. Hier muss ein Anbieter zu fast jeder Applikation eine Schnittstelle haben, wie wir etwa zu IBM, SAP oder Oracle.

CW: Dennoch wächst das Angebot an Windows-Mobile-Smartphones kontinuierlich.

Ja, aber wie viele Anwender setzen Exchange 2006 ein, nur um Push-Mail auf ihren Endgeräten benutzen zu können? Das ist ein klei-nes Stück eines noch kleineren Marktsegments. Zudem dürften viele Carrier mit Microsofts Geschäftsmodell ein Problem haben, wenn Microsoft lieber Anwendungen direkt an die Endkunden verkauft. Für mich ist es im Mobility-Bereich eine Schlüsselfrage, ob ein Unternehmen eine Plattform für Services anbietet oder nur eine Anwendung vermarktet.

CW: Die Zukunft von RIM liegt also in der Rolle eines Plattformanbieters für konvergente Services?

Balsillie: Genau, wir routen Datenpakete zuverlässig, global und sicher. Dazu offerieren wir Schnittstellen zu verschiedenen Anwendungen wie MAPI für Exchange, ebenso unterstützen wir XML oder HTTP, um nur drei Beispiele zu nennen. Wir haben gelernt, dass die Anwender in der mobilen Welt eine Umgebung wünschen, über die sie auf ihre unterschiedlichen Applikationen zugreifen können.

Dabei ist es egal, ob es sich um SAP-Daten, eine Musiksammlung, Telefonanrufe oder auch Spiele handelt. Für mich lautet deshalb die Schlüsselfrage: Betrachten wir das als eine Plattform oder als einzelne Applikationen? In meinen Augen ist es ein Fehler, ein Handy als Applikation für Telefonate und Textdienste wie SMS zu sehen. Wenn wir das Handy als Plattform begreifen, dann reden wir nicht mehr nur von einer neuen Anwendung.

CW: Welche Bedeutung hat diese Unterscheidung zwischen Applikation und Plattform?

Balsillie: Das ist eine Effizienzfrage läuft die Anwendung auf dem Endgerät oder einer Server-Plattform? Nehmen Sie unsere jüngsten Blackberry-Geräte mit integriertem WLAN. Dort entscheiden sich die User für Internet-basierende Dienste. Und mit UMTS/HSDPA sowie WLAN werden wir künftig mehr Streaming-Dienste erleben.

CW: Wie sieht dann der Blackberry der Zukunft aus?

Balsillie: Das ist nicht leicht zu beantworten, denn eine Antwort inkludiert gleich drei weitere Fragen: Welche Connected Services gibt es künftig, welches sind die Transportmechanismen, und wie sieht das Packaging aus? Mit WLAN, Edge und HSDPA ist die Zukunft der Transportmechanismen relativ klar. Ebenso sind Schnittstellen wie MAPI, XML, HTTP, VoIP und IP definiert und dürften Bestand haben. Allerdings werden sich die Anwendungen, die darauf aufsetzen, dramatisch verändern. Hier stehen wir erst am Anfang einer Transformation der Applikationen, und das wird eine Revolution. Diese Umwälzun-gen verändern die Endgeräte. Wir werden andere Displays und Eingabemechanismen verwenden und uns an neue Capture-Verfahren gewöhnen. Es wird jedoch nicht nur ein Endgerät geben, sondern verschiedene Techniken werden je nach den verwendeten Übertragungsverfahren und den genutzten Content-Services in unterschiedlichen Kombinationen verbaut werden.

CW: Also werden wir mehr Prosumer-Geräte sehen?

Balsillie: Mit Sicherheit, denn die User lieben diese Devices. Und die beruflichen Anwender schätzen die anderen Applikationen genauso wie nicht Berufstätige. Arbeit heißt ja nicht, dass ich keine Videos oder Musik mag oder nicht mal ein Konzertticket kaufe und mich für den Wetterbericht interessiere.