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10.12.1993

Ring frei fuer die Anwendung

Kurz vor einem technischen K.o. stehend, hat sich Edifact doch noch ueber die Runden gerettet. Die 1987 von der ISO verabschiedete Norm, die ein weltweit gueltiges Regelwerk zur Definition von Nachrichten fuer den elektronischen Austausch von Handelsdaten liefert, bewies gottlob Nehmerqualitaeten. Angesichts dessen, was in den vergangenen Jahren an Schlaegen auf den Standard einprasselte, waere das Aus der Norm durchaus denkbar und keine Ueberraschung gewesen.

Fruehzeitig als Champion gefeiert und mit Vorschusslorbeeren bedacht, schien der Standard schon 1990 zu Boden zu gehen. Der technische K.o. drohte damals im wahrsten Sinne des Wortes, weil die Entwickler der Edifact-Nachrichten mit ihrer technisch unreinen Gangart gegen das Regelwerk - und damit Edifact - verstiessen. Einzig eine Verwarnung des Kampfgerichtes, der Rapporteure in Ottawa, sowie eine Aenderung der Statuten in Form des Quality-Control-Prozesses bewahrten die Edifact-Ecke davor, das Handtuch schon fruehzeitig in den Ring werfen zu muessen.

Tatsaechlich brachte der Quality-Control-Prozess Edifact wieder auf die Beine, die Gangart wurde sauberer, die Schlaege der Opponenten aber auch subtiler. Wie sich herausstellte, bestand zwischen den Parteien jetzt zwar Konsens ueber das auf die Nachrichten anzuwendende Regelwerk, jedoch eine unterschiedliche Auffassung ueber die Auslegung der Semantik der Nachrichten. Von allen Seiten hagelte es rechte und linke Haken in Gestalt branchenspezifischer Subsets (sogenannte Untermengen der Nachrichten), die Edifact erneut zum Pruegelknaben werden liessen. Die Idee der ISO-Norm als uebergeordnete, einheitliche Syntax geriet wieder ins Wanken.

Viele sahen Edifact auch schon in den Seilen haengen, weil so maechtige Promotoren eigener Branchenstandards wie zum Beispiel die Automobilindustrie mit VDA und Odette lange Zeit beharrlich an ihren Loesungen festhielten. Es wurde als Tiefschlag gegen Edifact gewertet, dass ein deutliches Bekenntnis dieser Industrie erst sehr spaet erfolgte. Jetzt, wo zumindest die europaeischen Autobauer auch den Edifact-Kurs eingeschlagen haben, duerfte der OSI-Standard endgueltig Oberwasser bekommen haben.

Die Einsicht, so wenig Subsets wie moeglich zu entwickeln und sie optimal aufeinander abzustimmen, waechst jedenfalls. Aus dem hitzigen Schlagabtausch der Vergangenheit scheint Edifact zu guter Letzt doch noch als Sieger hervorzugehen. Der Standard muss also gut sein, denn nur eine fuer den Anwender sinnvolle Norm steckt solche Schlaege weg. Um aber tatsaechlich ein richtiger Champion zu werden, kann und darf die Devise jetzt nur lauten: Ring frei zur Anwendung. pg