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05.10.2001 - 

Start von .info: Zusätzliche Internet-Adressen gegen Namensknappheit und Markenstreitigkeiten

Ringen um die Vorherrschaft bei den Domains

MÜNCHEN (wm) - Mit .info wurde soeben die erste der sieben neuen internationalen Top Level Domains in Betrieb genommen. Mit einer restriktiveren Politik versucht die zuständige Internet-Behörde Icann, der Namensknappheit zu begegnen und dem Volkssport Domain-Grabbing wirksamer das Wasser abzugraben.

Nichts geht im Internet ohne die Icann, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers. Sie überwacht das Domain Name System (DNS), das die Adressierung von Internet-Ressourcen mittels Domain-Namen ermöglicht. Nach einem langwierigen, jahrelangen Prozess hat die Icann sieben neue TLDs verabschiedet: .aero, .biz, .info, .name, .pro, .museum und .coop.

Die Organisation ist nicht unumstritten, ebenso das ihr unterstellte, zentralistische und restriktiv geführte DNS. Domain-Revoluzzer und findige Geschäftsleute haben immer wieder versucht, Alternativen zum DNS zu etablieren. Zwar hatte bisher noch niemand damit Erfolg, aber offenbar lockt das lukrative Geschäft mit den Namen immer wieder risikobereite Geschäftsleute an. Mit großem Aufwand beispielsweise versucht zurzeit das Startup-Unternehmen New.net, ein alternatives DNS mit eigenen Root-Servern und praktisch beliebig vielen TLDs zu etablieren. Immerhin kooperiert das Unternehmen mit großen Zugangs-Providern, um seine Namen so vielen Surfern wie möglich zugänglich zu machen. Dennoch ist der Erfolg unsicher, da eine hundertprozentige Erreichbarkeit im gesamten Internet unwahrscheinlich ist.

Einen ganz anderen Ansatz bei der Internet-Adressierung verfolgen schon seit längerem Netscape mit seinen Schlüsselwörtern und die Firma Real Names, die mit Microsoft kooperiert. In beiden Modellen gibt der Surfer in der Adresszeile des Browsers einen Begriff oder eine Marke ein, etwa "Intel", und landet dann auf der Website des Herstellers. Die Namensauflösung findet in einer Datenbank von Netscape beziehungsweise Real Names statt, wobei sich die Unternehmen diese Aufnahme teuer bezahlen lassen. Vorteil hierbei ist, dass der Surfer mit großer Wahrscheinlichkeit dort landet, wo er hin will, weil dieses System Domain-Grabbing - also das umstrittene Besetzen und Horten von Internet-Namen - prinzipiell ausschließt.

Im Gegensatz zu den Alternativen, die das zentralistische DNS aushebeln oder ein Parallelsystem etablieren wollen, räumt Eric Schätzlein den Schlüsselwort-Diensten am ehesten Zukunftschancen ein. Schätzlein weiß, wovon er spricht, schließlich ist er Leiter der Domain-Services bei Schlund und Partner/1&1 in Karlsruhe und gleichzeitig im Vorstand von Afilias. Das in Irland ansässige Unternehmen bekam von der Icann den Zuschlag, die .info-Registry zu betreiben, also die Domain-Datenbank und den Root-Server. Verkauft werden die .info-Domains über Registrare wie Strato oder 1&1. Allerdings sieht Schätzlein Schlüsselwörter bestenfalls als Ergänzung zum DNS, die nicht dessen Probleme lösen könnten. So seien bei Markennamen wie "Müller" Streitigkeiten, wie man sie vom DNS her kennt, programmiert. Grundsätzlich hält Schätzlein solche kommerziellen Alleingänge für problematisch. Eine große Organisation wie die Icann sei dazu da, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen.

"New.net sabotiert das Internet"Als kritisch für das DNS könnte sich auch die Verquickung des Browser-Marktführers Microsoft mit Real Names erweisen. Bis vor einem halben Jahr war Microsoft im Bereich Domains und Registries überhaupt nicht präsent. Doch nun gibt es eine Dreieckskooperation zwischen Microsoft, Verisign und Real Names im Bereich der Multilingual-Domains. Bisher waren nur bestimmte alpha-numerische Zeichen für Domain-Namen zulässig, nun erlaubt dieses System Namen in nichtalphabetischen Sprachen wie chinesisch. Auf dem Real-Names-Servern wird ein solcher Name in einen DNS-kompatiblen Domain-Namen übersetzt.

Generell ist Schätzlein der Ansicht, dass das Internet ohne das zentrale DNS mit der Icann als oberster Behörde nicht mehr so zuverlässig funktionieren würde, wie wir es gewohnt sind. "Was Firmen wie neuerdings New.net machen, sabotiert meiner Ansicht nach die Idee des Internet. Ein Internet ohne zentralen Root-Server, ohne zuverlässiges Routing ist nicht das Internet, wie wir es kennen und wollen", so Schätzlein.

Domain-Grabbing wird erschwertViele der bisherigen Kritikpunkte am DNS sollen sich mit den neuen Domains erübrigen. So gibt es bei manchen Domains wie .name und .biz klare Restriktionen, die das Domain-Grabbing erschweren. Bei der auf Privatpersonen zugeschnittenen Endung .name, die nur Third-Level-Domains à la hans.mueller.name erlaubt, sieht man beispielsweise eine "defensive Registration" vor. Markeninhaber können hier einen Namensraum lediglich blockieren, sind aber über diesen Namen nicht im Internet erreichbar. Andererseits kommt bei Namen wie gottlieb.daimler.name das Challenge-Verfahren zum Einsatz. Liegt etwa eine Sperre von *.daimler.name durch eine defensive Registration vor, kann der Privatmann Hans Daimler für hans.daimler.name diese Sperre per Klage durchbrechen und die Domain registrieren.

Auch die TLD .pro ist gegen Grabbing weitgehend geschützt, weil vor einer Registrierung die Berechtigung geprüft wird. Dafür ist die Domain dann auch teuer, und der Namensraum wird entsprechend klein sein. Für die .info-Domain, die vergleichbar frei ist wie .com., hat Afilias im Vorfeld eine Sunrise-Period eingeräumt, in der Markeninhaber sich rechtzeitig ihre Namen über die Registrare sichern konnten.

Registrierung in EchtzeitDoch nicht nur die Vergaberegeln machen die neuen TLDs interessant. Auch technisch gibt es einige Änderungen, die sowohl den Kunden als auch den Registraren Vorteile bringen. Neu ist beispielsweise das Echtzeit-Registrierungsprotokoll, mit dessen Hilfe alle Datenbanken abgeglichen werden. Eine registrierte Domain ist so Minuten später im Internet verfügbar. Afilias hat somit einen Vorteil von 24 Stunden gegenüber herkömmlichen Registry-Betreibern wie der Denic (.de) oder Verisign (.com, .net, .org). Bei Denic wird eine Domain erst 24 Stunden später aktiv.

Auch bei der Organisation und der eingesetzten Software unterscheiden sich die sieben neuen Registries von Verisign. So gibt es beispielsweise für die "Whois"-Abfrage, die Informationen über Verfügbarkeit und Besitzer einer Domain ausgibt, einen zentralen Whois-Server. Bei .com-Domains sind diese Informationen auf die vielen Datenbanken der Registrars verteilt, was Unzuverlässigkeiten mit sich bringt.

Die neuen internationalen TLDs bieten sich nicht nur als bloße Erweiterung des Namensraums an, sondern setzen auch neue Qualitätsmaßstäbe im technischen und administrativen Bereich. Die Politik der kleinen Schritte mit nur wenigen neuen Domains, die der Icann oftmals angelastet wird, ist so durchaus im Sinne eines störungsfrei funktionierenden Internet.

Hierarchisches DNSDas Domain Name System (DNS) ist eine der Basistechnologien, ohne die das Internet nicht funktionieren würde. Es handelt sich dabei im Prinzip um eine Art Telefonbuch, in dem einem Domain-Namen eine numerische IP-Netzwerkadresse zugeordnet ist. Zuverlässig funktionieren kann dieses System nur durch seinen hierarchischen Aufbau. Für die verschiedenen Namensebenen und Netzwerkbereiche sind jeweils Name-Server zuständig. Kann eine URL-Anfrage, die zum Beispiel von einem Client-Browser weitergereicht wurde, nicht aufgelöst werden, wird sie an die nächsthöhere Ebene weitergeleitet, notfalls bis zum Root-Name-Server, der an der Spitze des DNS thront und Top Level Domains wie .com, .net oder neuerdings .info verwaltet. Diese zentralistische Struktur ist seit der Popularisierung des Internet von Netzaktivisten, Politikern und nicht zuletzt Hackern immer wieder ins Visier genommen worden. Während die Kritiker eine völlige Öffnung des Systems und des Namensraums fordern, warnen die Icann und ihre Unterstützer davor, dass grundsätzliche Änderungen die Stabilität des Internet gefährden würden.