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31.07.1992 - 

Neu: Aviion-Monster und RAID-System

"RISC, Unix und Standards sind entscheidende Marktfaktoren"

31.07.1992

WESTBOROUGH (jm) - Data General hat mit der jüngsten Produktankündigung einen klar umrissenen Adressatenkreis im Blickfeld: Mit den zwei Unix-Servern der Aviion-Linie auf Multiprozessor-Basis, HADA-RAID-Massenspeichern der zweiten Generation und der für symmetrisches Multiprocessing optimierten Unix-Version V.4.2 klopfen die US-Amerikaner vor allem an die Türen von Datenbankanwendern, die hohe Systemverfügbarkeit zu relativ niedrigen Preisen wollen.

Am Computer Drive in Westborough ist man sich dabei durchaus im klaren, -daß die Jagd nach Kunden in Zeiten zu nehmender Systemoffenheit durchaus seine Risiken birgt. Trotzdem glaubt Joel Schwartz, Vice-President und General Manager bei Data General (DG), drei Trumpfkarten im Ärmel zu haben: "RISC, Unix und Standards werden die treibenden Faktoren des Marktes sein" und hier könne man mit starken Produkten mitbieten. Von nicht geringer Bedeutung dürfte DGs Angebot in Sachen Betriebssystem-Software sowie ausfallsicherer Massenspeicher sein: Mit DG/UX, der SMP-Variante (Symmetrisches Multiprocessing) von System V.4.2, nahm DG die Auslieferung des aktuellsten Unix-Derivats auf.

DG-Offizielle unterstrichen anläßlich der Ankündigung, man sei das erste Unternehmen, "das mit einer sicheren Unix 5.4-SMP-Umgebung aufwarten kann." Übersetzt bedeutet dies, DGs SMP-Unix DG/UX unterstützt die Sicherheitsstufen C3 und B1 "vollkommen", B2 "größtenteils" und B3 "teilweise".

Als einziger Hersteller könne man zudem auf ein schnelles und hochverfügbares Dateisystem verweisen, bei dem die Pointer redundant ausgelegt wurden. Das Marktforschungsinstitut International Data Corp. (IDC) monierte allerdings, daß erst mit der nächsten DG/UX-Version - die voraussichtlich ab dem ersten Quartal 1993, also ab Oktober 1992, verfügbar sein soll - eine automatische Failover - Option geboten werde.

Auch der Scheduler sei gegenüber der ursprünglichen, "sehr ineffizienten" AT&T-Version, durch einen zweiten, DG-spezifischen, in der Funktionalität erheblich erweitert worden, verlautbarten DG-Manager.

Last, but not least warfen sich die DG-Offiziellen mit der Werbung in die Brust, einziger Hersteller RISC-basierter Systeme mit Unterstützung von Netware auf Basis von Unix zu sein.

DG/UX unterstützt alle acht Prozessoren der momentanen Top-Ausführung eines Aviion-Serversystems, des Modells "AV6280" Anstehende Aufgaben lassen sich so simultan auf die vorhandenen Prozessoren verteilen, wodurch gegenüber einem Ein-Prozessor-System eine Leistungssteigerung bis zum Faktor zehn zu erzielen sei, gaben DG-Offizielle an.

Diese - theoretisch gültige -Aussage ist jedoch mit sehr viel Vorsicht zu genießen: Grundsätzlich gilt, daß für die optimale Nutzung der Rechenleistung eines Mehrprozessorsystems eben nicht nur ein MP-befähigtes Betriebssystem vonnöten ist. Vielmehr muß auch die jeweilige Software-Anwendung von ihrer grundsätzlichen Konzeption her - also durch die Fähigkeit, parallelisiert beziehungsweise gesplittet werden zu können - in der Lage sein, die Ressourcen mehrerer Prozessoren auszuschöpfen. Hier hapert es jedoch noch gewaltig.

Gleiches gilt auch für Datenbanksysteme, obwohl diese für den Einsatz in MP-Rechnern eigentlich prädestiniert scheinen -Teradatas Datenbankmaschine etwa basiert auf einem massiv-parallelen Ansatz und wurde von NCR für deren System-3600 übernommen noch bevor die National-Cash-Register-Company sich Teradata im Februar 1992 im Zuge eines Aktientausch-Mergers einverleibte.

Nicht immer bringen SMP-Systeme Vorteile

Klaus Radermacher von der Unternehmensberatung Collogia in Köln dämpft zu große Hoffnungen auf extreme Leistungssteigerungen durch den Einsatz von MP-Systemen: "Die Hersteller behelfen sich bei ihrer Argumentation damit, daß sie diverse Faktoren wie etwa erhöhte CPU-Leistung durch technologische Entwicklung und verbesserte Betriebssystem-Versionen in ihre Berechnungen miteinbeziehen." So komme man - ohne über die eigentlichen Befähigungen von MP-Systemen reden zu müssen - auch schon zu erheblichen Steigerungen der Rechenleistung.

"Auch bei Datenbank-Anwendungen erzielen Sie keine nennenswerten Verbesserungen, wenn das jeweilige DB-Produkt nicht besonders auf parallelisierte Anforderungen ausgerichtet ist," meint Radermacher der allerdings dann erhebliche Vorteile von MP-Systemen sieht, wenn auf x Prozessoren maximal eine ebensolche Zahl von Anwendungen verteilt wird.

Indirekt bestätigte DG diese Aussage durch den Vorschlag, doch besser von Prozessen zu sprechen, die auf den einzelnen CPUs gestartet werden. Darüber hinaus kapriziere man sich bei DG besonders auf den Multiuser-Bereich, und "hier sind MP-Systeme mit Sicherheit von Vorteil"

Acht-Wege-Aviion leistungsstärkste Unixrechner

Bei den ausfallsicheren Massenspeichersubsystemen handelt es sich um die zweite Generation der bereits auf der CeBIT 1991 vorgestellten RAID-Speicher. "HADA II" (High Availability Disk Array) arbeitet mit maximal 20 Festplatten im Formfaktor 3 1/2 Zoll, die zu 20 GB Kapazität im Untertischgehäuse beziehungsweise 80 GB Kapazität in einem l9-Zoll-Einbauschrank ausgebaut werden können.

Zwei redundant ausgelegte I/O-Prozessoren steuern die über SCSI-2-Schnittstellen an den VME-Bus der Aviion-Systeme anzuschließenden Arrays. Mit dieser Technologie stehen dem Anwender mehrere Konfigurationsoptionen zur Gewährleistung eines hochverfügbaren Speichersystems offen. In einer maximal erzielbaren Sicherheitsvariante koppelt der Anwender zwei Aviion-Rechner sowie die Array Systeme über die SCSI-Interfaces aneinander und an die Massenspeicher. Im Falle einer Havarie gibt es dann eine Ausfallumgehung sowohl von einem auf ein anderes Computersystem als auch von einer Array-CPU auf die zweite.

Mit dem Aviion-Acht-Wege-Rechner "AV6280" hob Data General zudem ihr zur Zeit leistungsstärkstes Midrange-Unix-System aus der Taufe. Ein ebenfalls neues Modell "AV8000-8" entspricht technologisch dem DG-Spitzenreiter, wird jedoch als Paketangebot mit einem HADA-II-Speichersystem ausgeliefert.

- Ausgestattet mit maximal acht-bislang vier- auf vier Doppelprozessor-Karten aufgebrachten Motorola-RISC-CPUs 88100 reklamieren die Amerikaner für dieses System eine Rechenleistung, die ungefähr der eines TOP-Mainframes der IBM entsprechen würde. Der aktuellste Motorola-RISC-Prozessor 88110 soll nach Aussage eines DG-Managers in einer 50-Mhz Version erst Ende 1993 ausgeliefert werden, man habe allerdings eine Beta-Maschine im Einsatz, "die-zwar mit einigen Bugs-auch läuft".

Die AV6280 verfügt über einen doppelten Speicher- sowie Prozessor-Bus, einen Zwei-Ebenen-Daten- und Instruktionen-Cache, bis zu 832 MB Arbeitsspeicher.

Sie hat SCSI- sowie zwei asynchrone Schnittstellen, Anschlüsse für LANs und QIC-Kassetten und kostet in der Grundausstattung knapp 525000 Mark.

Am unteren Ende der Aviion Familie ersetzen zudem die Ein-Prozessor- und Zwei-Prozessor-Modelle "AV4605" und "AV4625" die bisherige AV4600-Serie. Die neuen Eintstiegssysteme stattete CD mit einer verbesserten Cache-Technologie aus, die gegenüber den Vorgängern eine Rechenleistungssteigerung von 40 Prozent bringen soll. Das Preisspektrum reicht von zirka 56000 bis rund 115000 Mark. Auch die "kleinen" Aviions können die HADDA-II-Massenspeicher nutzen.