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23.05.1980

Risiken bei Mixed-Software liegen in Ausfallfolgen

Die Installationszahlen im ISIS-Katalog beweisen, so Hanspeter Hienzsch (Nattermann, Köln), daß Mixed-Software heute kein Papiertiger mehr ist, sondern weitverbreitete Realität. Honeywell Bull 61/60-Anwender Rainer Steinbeck weiß zwar, daß ein Software-Mix mit "gravierenden Einsparungsmöglichkeiten" verbunden ist, scheut jedoch bei einem verstärkten Fremdsoftware-Einsatz die mit einem eventuellen Programmausfall verbundenen Risiken. Zur Vorbeugung empfiehlt Hienzsch hier vor allem die Wahl eines potenten Software-Hauses, das sowohl über ausreichendes Personal als auch über entsprechende Installations-Referenzen verfügt. Außerdem warnt der Kölner vor einer zu starken Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt. Man müsse notfalls auf ein Programmpaket verzichten können. ha

Jörg Bühler

Leiter DV/ORG, Salamander KG, Kornwestheim (IBM 370/3-32, MVS)

Das Markt-Angebot an Mixed-Software ist äußerst vielfältig. Bei richtigem Einsatz bestehen, genauso wie beim Hardware-Mix, beträchtliche Einsparungsmöglichkeiten. Mixed-Software ist jedoch auf Dauer nur dann verkäuflich, wenn sie die Schwächen der Software des Mainframers nicht hat. Es bedarf allerdings einer exakten Vorstellung, um die passende Mixed-Software zu finden, das heißt, Systeme mit höherer Leistung, die weniger Ressourcen verbrauchen, flexibler und komfortabler sind, und indirekt oder direkt preisgünstiger als die des Hardware-Herstellers.

Die Höhe des Risikos beim Einsatz von Mixed-Software ist abhängig von den Folgen, die durch ihren Ausfall entstehen. Diese sind umso schwerwiegender, je enger die Pakete mit den eigenen Systemen verflochten sind.

Um die Art der Risiken zu definieren, möchte ich anhand einiger bei Salamander AG eingesetzter Mixed-Software-Produkte drei Klassen bilden:

1. Stand-alone-Utilities wie CA-Sort (von Computer Associates) Fast-Dump-Restore, Faver und Compactor (von Westinghouse) :

Bei diesem Software-Typ ist das Risiko nicht sehr groß da es sich um Pakete handelt, die (mit Ausnahme des Sortier-Programms das IBM-kompatible Schnittstellen hat) nicht in Anwenderprogramme eingebaut sind.

2. In sich abgeschlossene Sub-Systeme wie

Roscoe für RZ-Arbeitsvorbereitung und Programmierung (von ADR),

Librarian für die Sourcedeck-Verwaltung (von ADR),

Easytrieve (Abfragesprache von Pansophic):

Ein Ausfall dieser Systeme ist wesentlich schmerzlicher, da zahlreiche Personen damit arbeiten und die interne Organisation entsprechend gestaltet ist.

3. Mit dem Betriebssystem und Anwendungen eng verbundene Software wie TP-Monitoren und Datenbanksysteme:

Diese Produkte sind mit Programmen und ganzen Systemen eng verflochten und die gesamte EDV-Organisation ist von ihnen abhängig.

Hier verheiratet sich gleichermaßen der Anwender mit dem Software-Hersteller - und Scheidung ist teuer, es sei denn, man ist clever genug, sich bereits bei der Hochzeit darauf einzustellen.

Die Risiken bei Mixed-Software treten vor allem bei Release-Wechsel auf. Hier ist ein wesentlich größerer Test- und Änderungsaufwand erforderlich als mit "reinrassiger" Software. Problematisch ist auch ein Betriebssystem-Wechsel (etwa von VS1 auf MVS) sowie eine Einstellung der Wartung oder eine Unternehmensaufgabe seitens des Software-Anbieters.

Um das Risiko bei Mixed-Software weitgehend einzugrenzen sollten folgende Maßnahmen getroffen werden:

- Gründliche Prüfung nicht nur des Produkts (Probeinstallation), sondern auch des Herstellers.

- Selbständigkeit und Selbsthilfemöglichkeit durch gut ausgebildetes Personal in Systemprogrammierung sowie an der Stelle, die in der Anwendungsprogrammierung für Standards zuständig ist.

- Sparsame und überlegte Nutzung von inkompatiblen "Extensions".

Hanspeter Hienzsch

DV Leiter A. Nattermann & Cie. GmbH, Köln (lBM 370-135, 370-145, DOS/VS)

Mixed-Software ist heute kein Papiertiger mehr, sondern weitverbreitete Realität. Die Installationszahlen aus dem ISIS-Katalog sowie die Berichte in der Fachpresse beweisen es.

Wir haben seit sieben Jahren in unserem Haus Mixed-Software eingesetzt, inzwischen 18 Produkte von elf Anbietern im Bereich Systemsoftware und Entwicklungs-Tools, Dazu noch einmal sieben Produkte von sechs Anbietern im Bereich Anwendungssoftware. Die meisten dieser Produkte arbeiten noch heute zufriedenstellend. Einige wurden ersetzt, weil sie nicht mehr gebraucht wurden oder der Markt bessere anbot.

Natürlich gibt es Risiken, wenn Sie Mixed-Software benutzen: Releasewechsel bei der Basis-Systemsoftware (wie schnell können die "Mixer" nachziehen?); schwache Personaldecke des Software-Hauses (der einzige Programmierer, der die Anwendung noch kennt, ist gerade im Urlaub, wenn ein Fehler beim Kunden behoben werden muß); Unverträglichkeiten mit anderen Mixed-Software-Produkten. Aber diese Risiken lassen sich abschätzen, vielleicht sogar vermeiden. Hierzu einige Tips (viele davon gelten übrigens auch für die Original-Software des Herstellers):

- Suchen Sie sich einen potenten Partner aus, der über das nötige Personal, ausreichendes Know-how (eventuell ist er nur Lizenznehmer, nicht Hersteller des Produktes) und Installations-Referenzen verfügt.

- Prüfen Sie die angegebenen Referenzen. Nehmen Sie Kontakt zu anderen Anwendern des Produkts auf. Schließen Sie sich (falls vorhanden) entsprechenden Benutzervereinigungen an.

-Schließen Sie unbedingt einen Wartungsvertrag ab. Er gibt Ihnen Sicherheit bei Release- und Hardware-Wechsel sowie im Fehlerfalle.

- Machen Sie sich nicht von einem Produkt abhängig. Sie müssen notfalls - mit vertretbarem Aufwand - auf das Paket wieder verzichten können.

- Prüfen Sie die Verträglichkeit des Mixed-Paketes: Die Kompatibilität mit dem Basis-Betriebssystem ist meist vom Anbieter getestet und garantiert. Andere "Mixed-Software"-Produkte können aber unverträglich sein (Leistungsabfall, Nicht-Funktionieren).

Versuchen Sie, Produktfamilien vom gleichen Anbieter zu bilden.

Norbert Oberender

DV-Leiter, E. C. Baumann KG, Kulmbach (Data General C 350, AOS-lnfos)

Warum werden gerade in der letzten Zeit verstärkt die Risiken von Mixed-Software diskutiert? Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir auf Argumente, die zum Teil in der Entwicklungsgeschichte der Datenverarbeitung liegen - nämlich Stärken und Schwächen der EDV-Abteilungen.

Einige Vorteile (vielleicht auch nur Scheinvorteile) von Mixed-Software möchte ich anführen:

- Kurzfristige Einsatzmöglichkeiten.

- Die Möglichkeit, "das Beste vom Besten" einzusetzen.

- Gezieltes Know-how für die Anwendung.

Um diese und andere Vorteile nutzbar zu machen, möchte ich mit den Nachteilen beziehungsweise Risiken beginnen: Jeder Anbieter von Software muß sehr genau untersucht werden. Der damit verbundene Zeitaufwand und die Kosten können zwar sehr hoch sein, aber es muß gewährleistet sein, daß die unterschiedlichsten Hersteller zueinander passen, genauso wie die angebotenen Softwarepakete. Die Schnittstellen müssen klar definiert sein - denn bei fehlerhafter Versorgung oder schlechten Absprachen kommen meist nur endlose Diskussionen über den Verursacher zustande. Gerade um dieses Problem zu lösen, muß mit jedem Softwarelieferer ein gleichlautender Vertrag abgeschlossen werden.

Wichtig ist auch, daß alle Anwendungen in der gleichen Programmiersprache realisiert worden sind. Inwieweit es sinnvoll ist, mehrere Sprachen im Haus zu haben, soll hier nicht diskutiert werden. Es muß aber die Frage gestellt werden, ob nicht auch die unterschiedlichsten Compiler Risiken bergen. Allein schon im üblichen Programmpflege- und Änderungsdienst hat jeder Anbieter auch den gleichen Compilerstand. Außerdem muß sich der Anwender fragen, für welche Maschine und unter welchem Betriebssystem die Software konzipiert und entwickelt wurde.

Um die Vorteile jedes Softwarepaketes voll zu nutzen, kann die Konsequenz zu Mixed-Hardware führen.

Ohne auf die notwendige Untersuchung der einzelnen Softwarepakete und deren Risiken einzugehen, scheint mir der Einsatz von Mixed-Software nur unter zwei Bedingungen möglich:

1. Alle Anbieter treten als "gemeinsamer Anbieter" auf, beziehungsweise alle unterschreiben den gleichen Werklieferungsvertrag.

2. Mixed-Software ist möglich bei speziellen Anwendungen, die keine oder nur geringe Berührungspunkte zu den allgemeinen Anwendungen haben.

Rainer Steinbek

Leiter DV/ORG KWB Burmeister GmbH & Co. KG, Stuhr bei Bremen (2 x Honeywell Bull 61/60)

Neben der üblichen Systemsoftware setzen wir seit langer Zeit eine Prognoserechnung mit Bestellvorschlag von Honeywell Bull ein. Zum Jahresende installieren wir eine neue komplette Steeb-Finanzbuchhaltung eines freien Softwarehauses. Beide Projekte laufen zu unserer vollen Zufriedenheit. Somit spricht derzeit in unserem Hause nichts gegen den Einsatz von Mixed-Software.

Andererseits gibt es eine Reihe von Punkten, die es uns bisher nicht erlaubten, wesentlich intensiver fremde Anwendungssoftware einzusetzen. Hierzu gehören die sehr hohen und betrieblichen Anforderungen für mittelständische Handelsunternehmen sowie die untereinander abhängige und sehr schnell gewachsene Online-Organisation. Dadurch sind Integrationsprobleme und ein hoher Anpassungsaufwand zu verzeichnen.

Was wir jedoch speziell zu bemängeln haben, ist vor allem nichtzufriedenstellende oder teilweise gar fehlende Angebot für DV-Anlagen unserer Größenordnung. Wie bei der Hardware orientiert sich auch hier alles am Marktführer.

Weitere Gründe für den bisher nur geringfügigen Einsatz von Mixed-Software, beziehungsweise generell von Fremdsoftware, in unserem Unternehmen liegen in:

- einer abweichenden Dateiorganisation

- der unterschiedlichen Dialog-Fähigkeit/Programmierung

- der fehlenden Kompromißbereitschaft seitens der Fachabteilungen

- den erschwerten oder teilweise nicht statthaften Eingriffen (somit fehlende Flexibilität)

- dem Willen, die eigene, erfahrene Mannschaft nicht zu reduzieren.

Ich habe kaum Hoffnung. daß in absehbarer Zeit umfassende und erschwingliche Programmpakete angeboten werden, die alle möglichen Bereiche eines Handelsbetriebes abdecken und zugleich integrations-, anpassungsfähig und flexibel sind.