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14.03.1980 - 

Bildungschancen durch Informatik

Risikofaktoren: Innere und äußere Immobilität

WIESBADEN (bi) - Chancen und Risiken, die die EDV für die Arbeitswelt bereit hält, waren unter anderem das Thema eines Referates, das Klaus Luft, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nixdorf Computer AG, kürzlich vor dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Wiesbaden gehalten hat. Als Beispiel einer Chance der Humanisierung der Arbeitswelt nannte Luft die Textverarbeitung und ferner die generell höheren Bildungschancen, die durch die Informatik objektiviert werden könnten. Was die Speicherung von personenbezogenen Daten anbelangt, gibt sich Luft optimistisch; er glaubt, "daß man vermeiden kann, zuviele zentrale Datenspeicherungen vorzunehmen", das gelte insbesondere dort, "wo wir alle die Sorge haben, daß der Zugriff auf diese Daten ein großes Risiko darstellen kann". Zum Problem der mangelnden äußeren und inneren Mobilität fuhr Luft fort wie folgt:

Wenn wir über die Chancen und Risiken für unsere Arbeitswelt, für unsere Menschen sprechen, so müssen wir allerdings auch das Problem der mangelnden Mobilität ansprechen. In meinen Augen müssen wir erst wieder lernen, daß in unserer Volkswirtschaft Dinge, wie sie in der Natur tagtäglich passieren, normal sind, nämlich, daß geboren wird und gestorben wird. Es ist einfach falsch, wenn Unternehmen nicht mehr sterben dürfen und wenn die Rahmenbedingungen es nicht zulassen, daß genügend neue Unternehmen entstehen. Man kann nicht an diesen Fragen herumreparieren, man muß wieder zu diesem einfachen Prinzip zurückkommen. Das geht aber nur, wenn die Menschen mobil sind und wenn die Bereitschaft zum Lernen vorhanden ist, ein großes Risiko, vielleicht das größte überhaupt, das in Zusammenhang mit der Informatik zu sehen ist.

Sozialer Fortschritt und technologischer Fortschritt sind untrennbar miteinander verbunden. Ein Patentrezept zur Vermeidung von Risiken gibt es allerdings nicht; ich meine jedoch, daß es am besten ist, wenn wir eindeutig positive Tendenzen in dieser Richtung verstärken und wenn wir uns zur Nutzung positiver technologischer Möglichkeiten auch bekennen.

Ich möchte an erster Stelle unsere Industrie erwähnen, um die Verantwortlichkeit nicht auf andere abzuschieben. Wir selbst müssen eine viel stärkere Aufklärung

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Es scheint mir wichtig zu sein, daß die Unternehmer Verantwortung vom Staat zurücknehmen müssen.

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betreiben und mithelfen, die Wirtschaft und insgesamt die Gemeinschaft umzustrukturieren und bewußt zu machen in bezug auf die Veränderung. Weiterhin gilt für die Arbeitswelt, daß wir entstehende soziale Probleme nicht allein den Spezialisten überlassen dürfen.

Es scheint mir überhaupt wichtig zu sein, daß die Unternehmer wieder viel stärker selbst Verantwortung übernehmen und daß sie sogar vom Staat Verantwortung zurücknehmen müssen. Zur Verdeutlichung möchte ich einige Beispiele bringen.

Wenn wir heute Auszubildende einstellen, dann könnten wir eigentlich Abiturienten mit besten Zeugnissen nehmen. Dies allein halten wir für falsch. Wir haben uns deshalb entschlossen, auch Klassen für Sonderschüler einzurichten, die als gewerbliche "Lehrlinge" ausgebildet werden. Wir sind der Meinung, daß gerade auch diese jungen Menschen in Zukunft eine Chance bekommen müssen; und wir haben gesehen, daß sie diese Chancen auch ganz gut wahrnehmen können. Gerade wir in den Unternehmen müssen uns ganz bewußt zu dieser Aufgabe bekennen und die Verantwortung dafür übernehmen.

Ein zweites Beispiel für die erwähnte Verantwortung der Unternehmer ist, daß wir Behinderte in die Arbeitswelt einführen müssen. Wir haben erlebt, daß man auch dies tun kann - mit wirtschaftlichem Erfolg, ohne Subvention, mit Leistungen wie bei anderen Arbeitskräften auch. Wir haben festgestellt, daß Behinderte wie auch Sonderschüler vollwertige Leistungen erbringen.

Einen dritten Punkt möchte ich erwähnen, den ich für äußerst problematisch halte. Wir haben heute eine enorme Kluft zwischen Hochschulausbildung auf der einen und dem Wirtschaftsleben oder der Arbeitswelt auf der anderen Seite. Ich gebe zu, mit dieser Aussage zu generalisieren. Ich gebe aber auch an dieser Stelle ein Beispiel. EbenfalIs bildet Nixdorf arbeitslose Naturwissenschaftler für Berufe in unserer Branche aus. Es überrascht, daß wir diesen Hochschulabgängern erst einmal beibringen müssen, wie man ein Bewerbungsschreiben aufbaut. Wir müssen sie überhaupt dazu aktivieren, sich zu bewerben. Fachleute haben mir dies als einen Allgemeinzustand an der Hochschule bestätigt. Es sei leider keine Ausnahme. Es hilft die Meinung wenig, hier gebe es eine Aufgabe des Staates. Wir selbst müssen mit der Problematik und der technologischen Veränderung leben und fertig werden. (Wenn wir immer wieder nach dem Staat rufen, müssen wir auch immer mehr Steuern bezahlen.) Ich glaube, daß die Unternehmen sich stärker öffnen müssen, um eine Brücke zwischen Ausbildung und Praxis zu schlagen. Ich meine auch, daß eine Chance besteht, durch Dezentralisierung die Mitarbeiter stärker in überschaubare Strukturen einzubinden. Die Informationstechnologie kann mithelfen, Kooperation und Interesse am Unternehmen wieder stärker zu wecken.

Wir alle müssen dazu beitragen, daß sich unsere Welt verändert, weil wir sonst die Probleme der Zukunft nicht meistern werden. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir dafür sorgen, daß zwischen den tragenden Interessengruppen in unserem Land ein besserer Konsens als heute zustande kommt.