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11.09.1998 - 

Kolumne

"Riskante Investitionen"

Für Bill Gates gibt es keinen Zweifel: Microsoft startet als Allround-Lieferant für Unternehmen durch - spätestens 1999. Die Hoffnungen ruhen im Kern auf dem Betriebssystem Windows NT 5.0 sowie den Produkten SQL Server 7.0, Office 2000, Component Object Model + (COM+) und Visual Studio 6.0. Die Konkurrenz werde ein "Jahr-1999-Problem" bekommen, tönte der Softwaremogul auf einer Entwicklerkonferenz.

Offenkundig möchte das Microsoft-Management wie einst die IBM zu ihren Glanzzeiten die komplette Software-Infrastruktur für Firmen im Alleingang liefern. Doch Anwender sollten sich vorsehen. Im IBM-Zeitalter lautete ein ungeschriebenes Gesetz, kein IT-Manager werde für eine Entscheidung pro Big Blue gefeuert. Ob das auch für Microsoft gelten wird, ist fraglich.

NT 5.0 kommt - wenn es denn wirklich kommt - mit großer Verspätung. Im Grunde war das System unter dem Codenamen "Cairo" schon für 1995 vorgesehen, doch die Anwender wurden mit der Überbrückungsversion 4.0, die ohne Verzeichnisdienste herauskam, bis auf weiteres vertröstet. Mitte 1999 ist nun der Termin, den Beobachter für realistisch halten.

Derweil jagt eine Betaversion die andere; in Redmond wird fieberhaft entwickelt, getestet, korrigiert und wieder getestet - diese Phase dauert angeblich schon ein Jahr, ein Ende ist nicht in Sicht (siehe Seite 29). "Windows NT 5.0 ist hoffnungslos außer Kontrolle geraten", schrieb die "Computerworld". Planungssicherheit ist also für IT-Verantwortliche keineswegs gegeben.

Ein Risiko stellt zudem die Einführung von Microsoft Datenbanktechnologie dar. Die kommende Version 7.0 des SQL Server hält funktional nicht Schritt mit den Konkurrenzprodukten von Oracle, Informix oder Sybase. Microsoft rechnet sich dennoch mehr Marktanteile aus, weil das System deutlich preiswerter angeboten wird.

Die Komponententechnik COM schließlich ist noch weitgehend auf die Microsoft-Welt abgestimmt, also von Gates und Co. bewußt proprietär gehalten. Obwohl es den offenen Standard Corba und die weithin anerkannte Programmiersprache Java gibt, versucht Microsoft seine eigenen Werkzeuge durchzusetzen. Eine Entscheidung pro Microsoft bedeutet, sich ähnlich wie zu IBM-Zeiten auf eine Lock-in-Situation einzulassen. IT-Chefs, die ihren Job behalten wollen, sollten das bedenken.